Klaus Ensikat Der Bilderzauberer

Mit altmeisterlicher Technik und subtilem Humor schafft es der preisgekrönte Grafiker und Illustrator Klaus Ensikat seit über fünfzig Jahren, literarische Klassiker und Kinderbücher auf geniale Weise zu bebildern.

Der Illustrator Klaus Ensikat, Foto: Klaus Ensikat Der Illustrator Klaus Ensikat | Foto: Klaus Ensikat Die Grafiken und Illustrationen des 1937 in Ost-Berlin geborenen Künstlers Klaus Ensikat sind Meisterwerke der Zeichenkunst. Schon früh entwickelte der gelernte Werbezeichner eine feine, bemerkenswert komplexe Linienführung, die sich mit ihrer Technik der Schattenschraffuren an den linearen Illustrationen des 19. Jahrhunderts, insbesondere den Kupferstichen der Romantik, orientiert.

Diese hohe handwerkliche Virtuosität machte Ensikat schnell zu einem der renommiertesten Illustratoren der ehemaligen DDR. Auch im Westen wurde der Künstler schon früh mit den wichtigsten Auszeichnungen geehrt. 1991 erhielt er den „Goldenen Apfel“ auf der BIB (Biennale der Illustrationen Bratislava), 1995 den Sonderpreis für Illustration des Deutschen Jugendliteraturpreises. 1996 schließlich stieg er mit der Verleihung des Hans-Christian-Andersen-Preises in den Adel der bedeutendsten Illustrationskünstler weltweit auf.

Bisweilen ist zu lesen, Ensikats altmeisterlicher Stil sei auch als Anpassungsprozess hinsichtlich der spezifischen Arbeitsbedingungen in der ehemaligen DDR zu verstehen. Weil es bis in die 1970er-Jahre nicht gelang, die Papierqualität maßgeblich zu verbessern, gewannen grafische gegenüber malerischen Techniken die Oberhand. Dass Künstler wie Ensikat stark mit den spezifischen Eigenschaften des Papiers arbeiteten, zeigt sich in den für den Export bestimmten Büchern, die in der Regel auf hochwertigerem Papier mit weniger Holzanteilen gedruckt wurden. „Durchaus nicht immer zu ihrem Vorteil“, wie der Künstler selbst in einem frühen Interview anmerkt.
 

Kurt Tucholsky: „Poesiealbum 34“, Neuauflage aus dem Jahr 1970 Der Bilderzauberer – Klaus Ensikat Kurt Tucholsky: „Poesiealbum 34“, Neuauflage aus dem Jahr 1970 | © Märkischer Verlag Wilhelmshorst


Trotz der hohen Sachlichkeit und Genauigkeit, mit welcher Ensikat seine Werke umsetzt, und die, insbesondere was architektonische Details angeht, mitunter an die Präzision einer Konstruktionszeichnung heranreichen, sind seine Bilder oft von einem hintergründigen Hang zur Verfremdung und Überzeichnung geprägt. Diese Kombination erweist sich gerade für die Visualisierung klassischer literarischer Texte, nach wie vor eines der Hauptfelder von Klaus Ensikats Oeuvre, als ungemein fruchtbar: Die Lebenswirklichkeit des Autors, des Lesers und die Geschichte selbst erscheinen verwoben in einem einzigen genialen Tableau.