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Takis Würger
Zwischen Fakten und Fiktion

Autor Takis Würger.
Autor Takis Würger. | Foto (Detail): © picture alliance/dpa/Christophe Gateau

Als Journalist erhielt Takis Würger mehrere Auszeichnungen, sein Debüt als Schriftsteller wurde zum Bestseller. Doch dann erntete er für seinen zweiten Roman „Stella“ viel Kritik.

Von Romy König

Wenn Takis Würger, Reporter und Schriftsteller, über seine Lieblingsbücher spricht, wird er leidenschaftlich: Mal rühren ihn die Geschichten „zu Tränen“, mal begeistern sie ihn so sehr, dass er das Buch vor Freude „an die Wand wirft“. Ähnlich stark fielen Anfang 2019 auch die Reaktionen auf seinen eigenen Roman Stella aus: von Kritiker*innen zerrissen, bei den Leser*innen aber offenbar beliebt – zumindest wurde das Buch in kurzer Zeit zum Bestseller.

Reportagepreis und Romanerfolg

Würger ist von Haus aus Journalist: Nach seinem Volontariat stiegt er beim Wochenmagazin Der Spiegel ein, bei dem er bis heute arbeitet. Im Jahr 2010 wählte ihn das Medium Magazin unter die „TOP 30 Journalisten unter 30“, 2012 und 2014 erhielt er den Deutschen Reporterpreis für seine Spiegel-Reportagen Das verlorene Bataillon und Fünf Mann und eine Revolution. Nebenbei unternahm er noch einen Versuch, sich „auszutesten in der Schriftstellerei“, wie er später in einem Interview sagte. Der Wechsel vom faktischen ins fiktive Fach – es war kein ausgewiesener Plan, aber auch kein allzu großer Schritt: „Der lange Text ist ja mein Handwerk.“ Sein erstes Werk, der 2017 erschienene Roman Der Club, wurde zum Bestseller.

Roman „Stella“: Zwischen „Blamage“ und „Buch des Monats“

Als jedoch Anfang 2019 sein zweiter Roman Stella erschien, fielen die Reaktionen der Feuilletons sehr unterschiedlich aus: Von einigen Kritikern wurde sein Werk als „Kitsch“ und „Blamage“ verrissen (Frankfurter Allgemeine Zeitung), als „ein Ärgernis, eine Beleidigung oder ein richtiges Vergehen“ (Süddeutsche Zeitung). Der NDR hingegen kürte den Roman zum Buch des Monats; Buchhändler*innen und Schriftstellerkolleg*innen schlugen sich auf Würgers Seite – und viele Leser*innen offenbar ebenfalls: Zumindest wurde auch dieser Roman zum Bestseller.
Takis Würgers kontroverser Roman „Stella“. Takis Würgers kontroverser Roman „Stella“. | Foto (Detail): © picture alliance/dpa/Christophe Gateau Stella basiert auf der realen Geschichte der jüdischen Gestapo-Kollaborateurin Stella Goldschlag, die, im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten erpresst, untergetauchte Juden in Berlin denunzierte. Würger schreibt die Geschichte aus der Sicht eines jungen Mannes, der sich in Goldschlag verliebt. Kritiker*innen warfen Würger leichtfertigen Umgang mit dem Thema im Rosamunde-Pilcher-Stil vor; der Publizist Micha Brumlik sprach von der „Verhöhnung eines NS-Opfers“. Die Intention Würgers war das nicht: Er habe einen berührenden Roman schreiben wollen, der zeige, „wie grausam, boshaft und perfide das Nazi-Regime war“, sagte er der Deutschen-Presse Agentur. Der Jüdischen Allgemeinen zufolge ist ihm das gelungen: „Leise, glaubwürdig und ja, auch schonungslos“ erzähle Würger die Geschichte von Goldschlag, „der Unfassbares angetan wurde und die dann anderen Menschen selbst Unfassbares angetan hat“.

Nach dem Sturm

Nach der Veröffentlichung von Stella ging Würger mit einem Stipendium nach New York und arbeitete weiter für den Spiegel. „Herr Würger, schreiben Sie nach all dem überhaupt weiter?“, wurde er ein Jahr später in einem Podcast gefragt. Ja – denn daran gedacht, mit dem Schreiben aufzuhören, habe er nie. „Schreiben“, sagt er, „ist einfach das, was mir Freude macht.“

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