Deutsche-Welle-Akademie Weltweit für die Pressefreiheit

Seminarteilnehmer der DW-Akademie
Seminarteilnehmer der DW-Akademie | Foto (Ausschnitt): © DW

Die Akademie der Deutschen Welle setzt sich seit fast 50 Jahren auf der ganzen Welt für freie und unabhängige Medien ein – auch bei der Ausbildung des Nachwuchses an der Universität und im Volontariat.

Wenn Daniel Márquez auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland zu sprechen kommt, gerät er ins Schwärmen: „Qualitätsjournalismus ist wichtig für eine Gesellschaft“, sagt der 30-jährige Journalist aus Ecuador. „In Deutschland kontrollieren die Medien die Politik, ohne sich vereinnahmen zu lassen oder einfach nur ‚Politiker-Bashing‘ zu betreiben.“ Márquez weiß, wovon er spricht: Er macht in Bonn gerade seinen Master in International Media Studies – ein Programm, das die Akademie der Deutschen Welle (DW-Akademie) in Bonn seit 2009 in Kooperation mit zwei Universitäten anbietet. Das Spezialgebiet von Márquez ist die Analyse von Mediensystemen, und seine Masterarbeit will er über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schreiben.

Die DW-Akademie hat eine lange Geschichte, doch das grundlegende Ziel ist über die Jahre gleich geblieben: „Wir wollen Pressefreiheit und die Freiheit des Zugangs zu Informationen unterstützen“, erklärt ihr stellvertretender Direktor, Carsten von Nahmen. Dieser Anspruch gilt weltweit, denn die Zielländer der Akademie liegen in Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika, Zentralasien, im Nahen und Mittleren Osten. Nach Überzeugung des Journalisten von Nahmen ist ohne die Freiheit der Medien keine freie Gemeinschaft möglich. „In diesem Sinn sind die Medien ein Vehikel auf dem Weg zu einer freien Gesellschaft.“

Nicht immer ist offene Zensur das Problem

Seit den Anfängen 1965 hat sich die Arbeit der Akademie allerdings stark verändert. „Die Fortbildung einzelner Journalisten ging uns nicht weit genug, denn sobald diese in ihren Alltag zurückkehrten, waren sie wieder mit den gleichen Beschränkungen wie zuvor konfrontiert“, so von Nahmen. Das muss nicht immer offene Zensur sein, auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen können zum Problem werden: „Wenn man mit Medien kein Geld machen kann, ist es auch schwierig, die journalistischen Standards einzuhalten.“ Deswegen liegt der Fokus mittlerweile darauf, langfristig Strukturen zu verändern: Gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) arbeitet die DW-Akademie nun noch enger und langfristiger mit den Partnern vor Ort zusammen.

Ein gutes Beispiel für die Arbeitsweise der Akademie ist Tunesien. Hier hatten die Selbstverbrennung eines Obstverkäufers im Dezember 2010 und die anschließende Mobilisierung über die Sozialen Netzwerken zur Revolution geführt. Kurz danach waren auch Mitarbeiter der DW-Akademie vor Ort. Sie trafen auf „Journalisten, die in ihrem Leben noch nie als Journalisten hatten arbeiten dürfen“, erinnert sich Carsten von Nahmen. Die Fragen waren vielfältig: Wie berichten wir über freie Wahlen? Welche Gesetze brauchen wir? Brauchen wir ganz andere Journalisten? Auf all diesen Ebenen hat sich die DW-Akademie eingebracht: von den Medientrainings zur Wahlberichterstattung über die Beratung beim Entwurf von Mediengesetzen bis hin zu einer engen Zusammenarbeit mit der angesehensten Universität für Journalisten im Land. „All diese Prozesse sind langwierig, aber nur so kann irgendwann eine neue Generation von Journalisten heranwachsen“, so von Nahmen.

Ausgebildet für Führungspositionen in der Heimat

Zu einer neuen Generation in seiner Heimat will auch der Student Daniel Márquez gehören. Seit 2007 gibt es in Ecuador einen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Dort will er in Zukunft arbeiten. Wenn er hier in Deutschland Zeit zum Fernsehen hat, schaut er sich am liebsten Dokumentarfilme auf Phoenix oder im ZDF an. Doch sehr viel Zeit bleibt ihm nicht, denn das auf zwei Jahre ausgelegte Studienprogramm ist dicht gedrängt. Das Curriculum ist eine Kombination aus Medienentwicklung, Management, Journalismus und Kommunikationswissenschaft. Seine Mitstudenten sind allesamt Nachwuchsjournalisten oder Medienmanager, die in ihrer Heimat bereits Berufserfahrung gesammelt haben und jetzt auf ihre Aufstiegschancen hinarbeiten. Jedes Jahr bekommen etwa 30 Bewerber aus aller Welt einen Platz.

Etwas härter umkämpft sind die Volontariatsplätze an der DW-Akademie. Jedes Jahr werden zehn Volontäre aus Deutschland und zehn internationale Volontäre ausgebildet. Die Auswahlkriterien sind anspruchsvoll: Die Bewerber für das internationale Volontariat müssen mindestens eine der Programmsprachen der Deutschen Welle muttersprachlich sprechen und dazu sehr gute Deutschkenntnisse vorweisen. Außerdem sollten sie bereits ein Studium oder eine Journalistenschule abgeschlossen haben und ausreichend Praxiserfahrung vorweisen. Jedes Jahr bewerben sich meist über 300 Nachwuchsjournalisten. Von diesen erreichen etwa 100 die zweite Runde und müssen innerhalb von zwei Wochen eine Reportage verfassen. Zur dritten und letzten Runde werden 20 Bewerber nach Deutschland eingeladen. Nach einem persönlichen Auswahlgespräch schaffen schließlich zehn Nachwuchsjournalisten den Sprung ins Volontariat.

Nirgendwo sonst ist die journalistische Ausbildung in Deutschland wohl so international wie an der DW-Akademie. Und wenn Daniel Márquez auf seine bisherige Zeit an der DW-Akademie zurückblickt, wird ihm klar, dass er mehr als bloßes Fachwissen gesammelt hat: „Über meine Kollegen habe ich praktisch die ganze Welt kennengelernt.“