Journalistenausbildung Qualität setzt sich durch

Achtung Aufnahme!

Die Honorare schrumpfen, die Zeitungsauflagen sinken, und viele Redaktionen werden zusammengelegt. Doch bei vielen jungen Leuten ist der Berufswunsch Journalist nach wie vor populär.

Noch nie war es so einfach wie heute, Journalist zu werden. Zumindest scheint es so: ein Laptop, ein schneller Internetanschluss, ein Smartphone, ein eigenes Blog für die Texte, Youtube für Bilder und Videos, Nachrichten über Twitter und Facebook für das Netzwerk mit den Kollegen. Wenn dann noch eine gewisse Leidenschaft, ein Gespür für die richtigen Themen und der entsprechende Mitteilungsdrang dazukommen, gewinnt man schnell an Bekanntheit. Dann braucht der angehende Journalist nur noch eines: jemanden, der einen für die eigene Arbeit bezahlt.

Der Zugang ist frei, der Beruf nicht geschützt

Grundsätzlich ist der Beruf Journalist nicht geschützt und der Zugang frei. Deswegen haben auch Quereinsteiger eine Chance, besonders, wenn sie sich im Internet bereits einen Namen gemacht haben. Der Bundesverband der Zeitungsverleger hat dazu einmal grundsätzlich festgestellt: „Weil unsere Verfassung die Pressefreiheit garantiert, ist auch der Zugang zum Journalismus frei und darf weder staatlich geregelt sein, noch von der Absolvierung vorgeschriebener Ausbildungsgänge abhängig gemacht werden.“ Aber ohne handwerkliches Rüstzeug – das große Plus einer soliden Ausbildung – geht es auch in Zeiten von Social Media nicht.

Strenge Auswahl

Wer sich für eine Ausbildung entscheidet, kann zwischen dem klassischen Redaktionsvolontariat, einem Journalistik-Studium an einer Universität oder Fachhochschule oder dem Besuch einer Journalistenschule wählen.

Volontärstellen bei einer Zeitung, bei einem Rundfunk- oder Fernsehsender sind begehrt. Die Medienhäuser behalten sich Auswahltests vor. Umfassende Allgemeinbildung ist Pflicht, ein Hochschulstudium von Vorteil und praktische Erfahrungen als freier Mitarbeiter unerlässlich. Manche Verlage und Sender setzen heute bereits voraus, dass der Kandidat einschlägige Erfahrung als Blogger und als Nutzer von Twitter oder Facebook und Co. mitbringt. Viele Medienhäuser bieten crossmediale Ausbildungswege an, die von der Arbeit in der aktuellen Nachrichtenredaktion bis hin zum Training mit Mikrofon und Kamera reichen. Aus gutem Grund: Wer in dem Beruf wirklich Erfolg haben will, muss sich auf die neuen Medien einstellen, flexibel sein und keine Scheu haben, zwischen Texten, Hörfunk- und Fernsehbeiträgen hin und her zu wechseln.

Ein anderer Weg ist das Journalistik-Studium. Es bietet kommunikations- und medienwissenschaftliche Studiengänge, die weniger in den Journalismus direkt einführen, als vielmehr die wissenschaftliche Erforschung des Kommunikationsprozesses zum Gegenstand haben. Vielen Chefredakteuren ist deswegen ein Studium aus einer anderen Fachrichtung lieber, insofern der Bewerber durch einschlägige Praktika auch bewiesen hat, dass er gut schreiben kann. Volkswirtschaft, Medizin, Physik – wer mit Inhalten aus diesen Wissensgebieten vertraut ist, wird von vielen Spezial- und Spartenzeitschriften mit Kusshand genommen.

Königsweg Journalistenschule

Der Königsweg – die Journalistenschule – ist nur einer kleinen Auswahl vorbehalten. Knapp 300 Bewerber schaffen es jährlich auf eine der renommierten Einrichtungen. Sie sind die Anwärter auf die Spitzenjobs in dem Beruf. Die Aufnahmeprüfungen haben es in sich, bei den Wissensfragen etwa der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule würden auch gestandene Redakteure ins Schwitzen geraten. Dazu kommen praktische Übungen wie eine Musterreportage oder ein Diktat. Doch wer es geschafft hat, bekommt in der Ausbildung das journalistische Handwerkszeug vermittelt, wird von Dozenten geleitet, die in der täglichen Praxis stehen, und – so die Schulen in ihrer Eigenwerbung – erwirbt crossmediale Kenntnisse, die in jedem Bereich online-orientiert sind.

Da beispielsweise die Henri-Nannen-Schule dem Verlag Gruner und Jahr gehört, sind die Chancen nicht ganz unrealistisch, anschließend auch einen Job in dem Verlagshaus zu bekommen. Die Berliner Axel-Springer-Akademie gibt mit Welt kompakt als einzige Journalistenschule Europas eine eigene Tageszeitung heraus. Für ihre Einbindung der neuen Medien in Theorie und Praxis wurde sie in Branchenkreisen gelobt. Die Deutsche Journalistenschule in München bietet zwei Ausbildungswege. Während der Kompaktkurs den Schwerpunkt auf die journalistische Praxis legt und über 16 Monate geht, verbindet der Masterkurs die praktische Journalistenausbildung mit einem akademischen Abschluss. Den Unterricht übernehmen erfahrene Journalisten nach dem Prinzip „They teach what they do”.