Reiseblogger und Reiseautoren Der Charme von Eselsohren

Biesalski - Lebe deinen Reisetraum
Biesalski - Lebe deinen Reisetraum | Foto (Ausschnitt): © Conni Biesalski

Reise-Blogs sind im Trend. Was unterscheidet sie vom klassischen Reisebuch? Was verbindet beide? Wir stellen zwei charismatische Traveller gegenüber: Verlagsgründer und Reiseführerautor Stefan Loose und die Reisebloggerin Conni Biesalski.

1978 gründeten Stefan Loose und seine Frau Renate einen alternativen Selbstverlag für Globetrotter. Ihr erster Reiseführer war das Südost Asien Handbuch. „Damals war eine Asienreise noch recht abenteuerlich“, erinnert sich Loose. „Konkrete Informationen über ferne Reiseziele waren nur schwer zu bekommen.“ Ein Autor war Jäger und Sammler. Und Pionier. Loose hält diese Gründerzeit der alternativen Reiseführer in den 1970er- und 1980er-Jahren für die spannendste Phase seiner Verlagstätigkeit. „Wir haben viel diskutiert, über neue Inhalte, Lebensentwürfe und vor allem über Selbstverwirklichung. Geld spielte eine untergeordnete Rolle. Wir versuchten, unseren Idealen nachzugehen und sie in den Büchern umzusetzen, erkundeten die Welt mit großer Neugier, Offenheit und Interesse an fremden Kulturen. Wir wollten die Reisenden wegbringen von den schon damals ausgetretenen Touristenpfaden.“

2002 verkauften die Looses ihren Verlag und sind seither nur noch als Autoren unterwegs. Den Wunsch, Menschen auf neue Pfade zu bringen, teilen sie mit der Reisebloggerin Conni Biesalski. Seit mehr als zehn Jahren reist sie um die Welt. Ihre Erfahrungen bloggt sie auf Planet Backpack und bündelt sie im E-Book Lebe deinen Reisetraum. „Ich möchte den Leuten zu ihrem Traum von der Langzeitreise oder Weltreise verhelfen“, sagt sie, „zu einem Leben, in dem Erfahrungen wichtiger sind als Besitz“.

Ratgeber für Träume

Als Reiseautor wird man mit den abstrakten Sehnsüchten der Leser konfrontiert, aber auch mit deren Bedürfnis nach praktischen Informationen. Gleichzeitig formen Reise-Autoren diese Erwartungen. Das gilt für gedruckte Reiseführer wie für Blogs. Sie empfehlen den Lesern, was sie sehen sollen, wo sie gut oder günstig essen und schlafen können. Und das in einer Welt, die sich immer schneller dreht. Trotz perfektionierter technischer Hilfsmittel ist die Arbeit der Autoren nicht leichter geworden. „Ein Reisebuchautor muss ständig auf die Veränderungen reagieren – muss vor Ort sein, um Fakten zu überprüfen und neue Trends zu erspüren“, sagt Loose. „Die Infrastruktur vieler Reiseziele hat sich verbessert. Sie sind schneller erreichbar, Informationen leichter erhältlich. Gleichzeitig wächst das touristische Angebot, spezialisiert und wandelt sich permanent, um jede nur mögliche Zielgruppe zu bedienen. Umso zeitaufwendiger wird die Vorort-Recherche eines guten Reiseführers.“

Beim Bloggen ist das etwas anders. Die Erwartungen der Leser sind weit weniger konkret, der Autor selbst, sein Stil und seine Ansichten rücken in den Vordergrund. Planet Backpack ist eine Mission. „Bloggen ist mein Sprachrohr, um viele Leute öffentlich zu erreichen und zu inspirieren“, sagt Biesalski. „Ich möchte meinen Lesern zeigen welche Möglichkeiten ihnen die Welt und das Reisen eröffnen.“ Dabei legt Conni Biesalski sehr viel Wert auf hilfreiche Informationen und den Austausch mit Lesern und Blogger-Kollegen. „Für die vielen Kommentare und Tipps meiner Leser bin ich sehr dankbar und freue mich, wenn meine Leser Dinge besser wissen, eine neue Perspektive aufzeigen oder einfach andere Erfahrungen gemacht haben, die sie teilen.“

Reisen, Schreiben, Leben

Die Looses und Conni Biesalski leben von ihrer Arbeit als Buchautoren und Bloggerin. „Die meisten Reiseführer-Autoren können nicht von diesem Job leben“, sagt Stefan Loose. „Auch wir hatten neben der Autorentätigkeit in Thailand und Malaysia als zweites Standbein die Arbeit im Verlag.“ Die Kosten für Autoren sind durchweg gestiegen, ihre Einnahmen bestenfalls konstant geblieben, resümiert Loose. „Nur selten können die Einnahmen von einem Reiseführer allein die Kosten einer umfassenden Recherche decken.“ Auch hauptberufliche Reiseblogger sind eher die Ausnahme. Knapp 30.000 Leser erreicht Biesalskis Planet Backpacker jeden Monat, Tendenz steigend. 60 bis 70 Prozent ihres Einkommens generiert sie aus ihren Blogs. „Das würde zum Leben reichen“, versichert sie. Nebenher berät sie Firmen und Privatleute in Social-Media-Fragen und entwirft Blogger-Kampagnen.

Quo vadis, Reise-Autor?

Das Reisen hat sich verändert und mit ihm die Medien, die darüber berichten. „Heute sind die Kinder der Globetrotter-Generation ebenso mit unseren Büchern unterwegs wie deren Eltern“, sagt Stefan Loose. „Dank junger Koautoren ist es uns möglich, auch auf deren Bedürfnisse einzugehen, ob Tipps zum Feiern und Shoppen oder für Mountainbike-Touren und Hochseilgärten. Internet und Apps spielen zwar zunehmend eine Rolle, aber bei der Hotelsuche in Bangkok erweisen sich die Bewertungen eines professionellen Loose-Autors und detaillierte Stadtpläne als praktikabler. Zudem gibt es unsere Reiseführer mittlerweile auch als E-Books.“

In Zukunft werden Print und Online noch enger zusammenwachsen, glaubt Conni Biesalski. „Mehr digitaler Content in Form von Videos, Fotos und Up-to-date-Informationen, die in den Büchern mit Links erwähnt werden.“ Die Backpackerin achtet sehr auf das Gewicht, das sie auf dem Rücken mitschleppt. „Da kann ein zwei Kilo schwerer Südamerika- oder Indien-Guide echt nerven.“ Trotzdem glaubt Conni Biesalski nicht, dass der klassische Reiseführer in Buchform am Ende ist. „Ein Buch ist unabhängig von Strom, Internet und digitaler Technik, schnell aufgeschlagen und immer nutzbar. Und in einen Blog kann man keine Eselsohren machen.“