Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ Vom übersetzten E-Book bis zur barrierefreien Seifenoper

Campus der Universität Hildesheim
Campus der Universität Hildesheim | Foto (Ausschnitt): Chris Gossmann

Der Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ (MuM) in Hildesheim ist bundesweit der einzige Studiengang, der das Schreiben von Medientexten und das Übersetzen von audiovisuellen und elektronischen Medien in den Fokus stellt.

Verlage entwickeln Hörbücher und E-Books, Museen arbeiten mit Audioguides und Unternehmen entwickeln Schulungsfilme für ihre Mitarbeiter – in allen Bereichen des professionellen Lebens wird heute mit multimedialen Textformen gearbeitet. Dazu kommt, dass diese verschiedenen Produkte genau wie Spiel- und Dokumentarfilme sowie Fernsehserien immer häufiger in verschiedenen Sprachen angeboten oder Hör- und Sehgeschädigten durch Untertitel zugänglich gemacht werden.

Vom Untertitel bis zum Audioguide

Es liegt auf der Hand, dass das Schreiben von Medientexten und das Übersetzen von audiovisuellen und elektronischen Medien mit vielen praktischen Herausforderungen verbunden ist: Wie fasst man einen ausschweifenden Dialog in knappen Untertiteln zusammen? Wie findet man eine Synchronübersetzung, die zu den Lippenbewegungen des Schauspielers passt? Was muss man bei der Erstellung eines Voice-Overs beachten? Wie muss man sich ausdrücken, wenn man ein Drehbuch für einen Film, einen Audioguide für ein Museum oder eine Handreichung zu einem Computerspiel entwickelt?

Der Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ (MuM) an der Universität Hildesheim bietet seinen Studenten ideale Möglichkeiten, um sich auf die praktischen Herausforderungen in diesem Berufsfeld vorzubereiten: An den Computerarbeitsplätzen im neuen Medientextlabor können die Studierenden auf moderne Software zugreifen, um den Umgang mit multimedialen Texten, ihre Übersetzung und professionelle Bearbeitung zu üben. Außerdem gibt es vier Kabinen für die Live-Untertitelung, wie sie zum Beispiel bei Sportveranstaltungen eingesetzt wird.

Von der Praxis in die Wissenschaft

Und doch legen die Macher des Studiengangs Wert darauf, dass bei dem zweijährigen Masterstudium nicht in erster Linie eine praktische, sondern eine umfassend wissenschaftliche Ausbildung auf dem Programm steht. „In der Praxis machen viele schlecht qualifizierte Leute diese Jobs für wenig Geld. Das zeigt sich häufig auch an der Qualität der Produkte. Die Branche hat ein Interesse daran, dass das Berufsfeld qualitativ aufgewertet wird – dafür bilden wir unsere Studierenden professionell aus“, erzählt die Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft und Romanistik Annette Sabban, die den Studiengang entwickelt hat – gemeinsam mit Dr. Nathalie Mälzer, Literaturübersetzerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut.

Durch die Verbindung von Übersetzungswissenschaft, Medienlinguistik und Medienwissenschaft bietet der zweijährige universitäre Studiengang ein vielfältigeres Angebot alsrein praktisch orientierte Schnellkurse oder Seminare zu Untertitelung oder Synchronübersetzung. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit theoretischen Fragestellungen: Welche Rolle spielen Sprache, Bild und Ton in den Medien und wie verhalten sie sich zueinander? Was bedeutet es für die Wahrnehmung eines Films, wenn der Rezipient den Blick zunächst auf den Untertitel richtet und nicht etwa auf die Gesichter der Protagonisten? Was passiert, wenn zum Beispiel Geräusche in einem Untertitel für Hörgeschädigte in die geschriebene Sprache „übersetzt“ werden? Mit diesen Fragen bereitet der Studiengang seine Studenten nicht nur auf eine praktische Tätigkeit in der Branche, sondern auch auf eine Promotion oder Dozententätigkeit vor.

Einsatzgebiete: von der Unternehmenskommunikation bis zur Drehbuchübersetzung

Der Masterstudiengang wird seit 2011 angeboten, die meisten Studierenden des ersten Jahrgangs haben zuvor den Bachelor „Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen“ (IKÜ) in Hildesheim absolviert. Deborah Berschmann zum Beispiel hat sich für den Master entschieden, weil sie gerne an ihrer Uni bleiben wollte und weil sie hier auf einen neuen Markt vorbereitet wird, der gerade erst im Entstehen ist. Sie hofft, später bei einer Untertitelungsfirma oder in der Unternehmenskommunikation eine Anstellung zu bekommen.

Das Masterprogramm richtet sich aber auch an Absolventen anderer Bachelorstudiengänge, die sich mit Sprache oder Medien beschäftigen. Fundierte Kenntnisse in Englisch, Französisch oder Spanisch werden vorausgesetzt, denn dies sind die Arbeitssprachen für die Übersetzungen ins Deutsche. Isabelle Schneider hat zuvor Nordistik und Anglistik in Kiel studiert und dann einen Masterstudiengang gesucht, der die Elemente Sprache und Medien verbindet und darüber hinaus konkrete Berufsfelder aufzeigt. Besonders gut gefällt ihr hier, dass man schon im ersten Semester in einer Schreibwerkstatt seine Kreativität einbringen kann und gleichzeitig das technische Know-how erwirbt, das man unter anderem zum Untertiteln braucht. Sie selbst träumt davon, später Drehbücher zu übersetzen. Im Oktober 2012 begann der zweite Jahrgang des Masters. Auf die 25 Plätze bewarben sich 70 Absolventen der verschiedensten Bachelorstudiengänge.