Kindernachrichten
25 Jahre „Logo!“

Kinderreporterin Sieba und Tim Schreder
Kinderreporterin Sieba und Tim Schreder | Foto (Ausschnitt): Jürgen Detmers © ZDF

Am 9. Januar 1989 ging „Logo!“ auf Sendung. 25 Jahre später ist Deutschlands erstes Kindernachrichtenmagazin eine feste Größe im deutschen Fernsehen. Täglich bringt „Logo!“ jungen Zuschauern von acht bis zwölf Jahren das Weltgeschehen nahe.

Der mögliche Wechsel des Generalsekretärs der Christdemokraten (CDU), Ronald Pofalla, in den Vorstand der Deutschen Bahn sorgte Anfang 2014 für viel Wirbel bei den Erwachsenen. Das sollen auch die Kinder verstehen. Ein ausführlicher Beitrag mit vielen Grafiken erklärt ihnen das grundsätzliche Problem von Lobbyismus in der Politik. Auch das Thema Bundestagswahl ist nicht leicht zugänglich für Kinder. Logo! sucht nach Wegen, ihr Interesse dafür zu wecken.

Harte News kindgerecht erklärt

In einer Sondersendung zur Bundestagswahl 2013 zum Beispiel sollen Kinder Torten, die in den Parteifarben eingefärbte wurden, nach den erreichten Prozenten anschneiden und die Stücke auf einem Teller anrichten, der mit einer 50 Prozent-Marke versehen ist. So können sie sehen, welche Parteien Deutschland künftig gemeinsam regieren dürfen. Und auch, warum das große schwarze CDU/CSU-Stück dafür allein nicht reicht. Interviews von Kinderreportern mit den Parteichefs überbrücken zudem auf unterhaltsame Weise die Distanz zum eigentlich trockenen Thema.

Das Weltgeschehen für Kinder spannend zu machen, ist eine besondere Aufgabe und Herausforderung, der sich Logo! täglich aufs Neue stellt. „Dafür braucht es eine präzise, verständliche Bildsprache und Struktur“, sagt der verantwortliche Redakteur Markus Mörchen. Die Sendung wird vom ZDF produziert und in dem Studio, aus dem auch die heute-Nachrichten gesendet werden, hergestellt und auf dem Kinderkanal KIKA ausgestrahlt. Mehr als 300.000 Kinder schauen die Sendung im Durchschnitt am Tag.

Experten in eigener Sache

Konzeptionell musste in den vergangenen 25 Jahren kaum etwas an der Sendung geändert werden. „Aber vielmehr als damals wird die Kindheit heute von den Medien bestimmt“, sagt Mörchen. Über das Internet zu interagieren wird immer wichtiger, in Form von Live-Chats mit den Moderatoren beispielsweise. Auf der Logo!-Website können Kinder ihr Hintergrundwissen zu den Themen vertiefen, die in der Fernsehsendung aufgrund der kurzen Sendezeit von zehn Minuten nur angerissen werden können. Im Frühjahr 2014 soll ein Blog starten, das den Dialog zwischen Redaktion und Publikum weiter intensiviert. Logo! setzt stark auf die Anregungen und Fragen der jungen Zuschauer“, sagt Mörchen. Die Rubrik Redezeit werde überwiegend aus den Vorschlägen der Kinder generiert. Andererseits können die Inhalte aus Logo! maßgeblich die Weltsicht der Kinder prägen. Bei ganz schwierigen, angstbehafteten Ereignissen wie den Terroranschlägen vom 11. September 2001 werden Psychologen oder Medienpädagogen als Berater hinzugezogen.

Bei der Themenauswahl gibt es keine Einschränkungen, bei Bildern dagegen schon – Gewalt darf nicht zu sehen sein. Regionale, von den Kindern selbst an die Redaktion herangetragene Themen wie ein geschlossenes Freibad finden ebenso Eingang in die Sendung wie der Taifun auf den Philippinen. Bei der Berichterstattung nehmen die Korrespondenten die kindliche Perspektive ein: Was ist mit den philippinischen Kindern passiert und wie können wir ihnen helfen? Kinder sind deutlich emphatischer als Erwachsene und wollen nachhaltig über Krisen informiert werden. „Selbst wenn ein Thema wie das schwere Erdbeben auf Haiti aus der Tagespresse verschwunden ist, wünschen sich die Kinder, dass wir dranbleiben“, erklärt Mörchen. „Mit dem Anheben von regionalen Themen auf die höhere Ebene wollen wir den Kindern auch zeigen, dass man sich für seine eigenen Themen einsetzen kann, und dass Politik schon vor der eigenen Haustür anfängt.“ Debatten von Kindern mit Regionalpolitikern sind festes Element von Logo!.

Aufklärung und Medienkompetenz

Grundsätzlich gilt, dass alles, was die Erwachsenen beschäftigt, auch die Kinder beschäftigt. Kriege, Verbrechen und Katastrophen erreichen die „Digital Natives“ ohnehin auf allen möglichen Wegen, sei es über das Internet oder das Handy. Eine Informationssendung wie Logo! erklärt Hintergründe und Zusammenhänge und räumt damit möglicherweise auch irrationale Ängste aus. „Allerdings werden die Themenauswahl und der Blickwinkel von Logo! auch immer wieder mal von kritischen Eltern in Frage gestellt. Glücklicherweise passiert das sehr selten“, sagt Mörchen.

Internationales Kindernachrichten-Netzwerk

Logo! ist Teil des internationalen Kindernachrichten-Netzwerkes Youth News Exchange. Darunter sind auch die ersten der Branche, die sich das ZDF zum Vorbild nahm: Die britische BBC startete bereits 1972 die Kindernachrichtensendung Newsround. 1981 folgte der niederländische Sender NOS mit dem Jeugdjournaal. Besonders engagiert seien die Benelux-Staaten und die nordeuropäischen Länder auf dem Sektor Kindernachrichten, sagt Mörchen. Die beteiligten Sender tauschen untereinander Erfahrungen und auch Inhalte aus. Logo! zeige ein bis zwei Mal in der Woche einen Beitrag aus einem anderen Land, so Mörchen. Natürlich hat Logo! auch Zukunftspläne: Auf der Website wird es künftig ein Wirtschaftsmodul geben, außerdem will man die Neuen Medien stärker nutzen. Was auf jeden Fall weiterhin fester Bestandteil des Programms bleiben soll: die guten Nachrichten. Die sind für Logo! besonders wichtig.