Emojis Wie Bildzeichen die Kommunikation verändern

Verschiedene Emojis
Verschiedene Emojis | © DigiClack - Fotolia.com

In E-Mails, Chat- und Messenger-Nachrichten werden kleine Zeichensymbole immer wichtiger. Welche Emojis benutzen die Deutschen besonders gerne und wie beeinflussen sie unsere Sprache?

Die Deutschen sorgen sich um ihre Sprache. Warum nur, fragte sich die Journalistin Johanna Adorjan im Juni 2015 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, kommen wir im Alltag kaum ohne kleine Bildchen aus, wenn wir schreiben? Twitter, Facebook, WhatsApp oder SMS: Hier herrscht ein einziges Gemisch aus Texten, Gesichtern und Symbolen. Verlernen wir, uns durch Worte auszudrücken? Trauen wir unseren Sätzen nur noch dann, wenn wir sie mit Mini-Bildern garnieren?

Die Rede ist von Emojis (japanisch für Bilderbuchstaben), kleine stilisierte Bilder, Gesichter, Hände, Fahrzeuge, Lebensmittel – die Liste wird von Jahr zu Jahr länger. Tatsächlich ist deren Präsenz in der Alltagskommunikation mittlerweile so groß, dass man sich fragen kann: Womit haben wir es hier eigentlich zu tun? Mit einer neuen Sprache, oder sogar mit modernen Hieroglyphen, die demnächst vielleicht ganz ohne Text auskommen?

„Wir haben es hier mit einer sehr interessanten Entwicklung zu tun“, findet der Sprachwissenschaftler Michael Beißwenger. Er forscht seit Jahren zu internetbasierter Kommunikation. Für ihn sind die Bildzeichen Ausdruck einer Veränderung im Gebrauch von Texten. „Online-Unterhaltungen nähern sich immer mehr dem mündlichen Dialog an. Gleichzeitig gibt es natürlich einen gewaltigen Unterschied zwischen Schreiben und Sprechen. Beim Texten fehlen Mimik und Gestik. Mit den Bildzeichen versucht man, das zu kompensieren.“

Emojis bereichern das Gespräch

Beißwenger ist nicht verwundert, dass man diese Entwicklung besonders in Deutschland auch kritisch sieht: „Die These vom Sprachverfall geistert schon seit Jahrzehnten durch die Öffentlichkeit.“ Nur habe es für diese Besorgnis eigentlich noch nie triftige Gründe gegeben. „Sprache ist keine abstrakte Einheit, für deren Qualität wir als Sprachanwender verantwortlich sind. Sie steht immer im Dienst der Sprecher.“ Es sei also widersinnig, anzunehmen, dass die Sprache so verändert werde, dass sie weniger leiste als vorher. „Das Gegenteil ist der Fall.“Folgt man dem Sprachwissenschaftler Beißwenger, bereichern Emojis eine digitale Unterhaltung dadurch, dass sie den geschriebenen Text dialogischer machen. Dass man Bildzeichen zu diesen Zwecken verwendet, ist übrigens kein neues Phänomen. Die Idee ist so alt wie der vernetzte Computer selbst.

Die Geburt des Smiley

Als Menschen Anfang der 1980er-Jahre begannen, in Online-Foren zu kommunizieren, merkten sie schnell, dass es ein Problem gab, zum Beispiel ironische von ernsten Nachrichten zu unterscheiden. Der US-amerikanische Informatiker Scott Fahlmann fand die Lösung: Ein auf der Seite liegendes lachendes Gesicht, zusammengesetzt aus Doppelpunkt, Bindestrich und Klammer, sollte als Zeichen für Humor oder Ironie fungieren. Der mittlerweile berühmte Smiley war das erste Emoticon. Die aus Zeichen zusammengesetzten Gesichter stehen für eine bestimmte Emotion – deshalb auch der Begriff, eine Kombination aus Emotion und Icon.

Anders als Emoticons sind Emojis eigenständige Bildzeichen, deren Repertoire sich auf weit mehr als nur Gesichter erstreckt. Entwickelt wurden sie Ende der 1990er-Jahre von einem japanischen Software-Ingenieur als Gimmick für die jugendlichen Nutzer eines Pager-Textprogramms: 176 Pixelbilder, inspiriert von Mangakultur und Kalligrafie, darunter ein Kussmund und eine Glühbirne. 2010 wurden die Symbole in den sogenannten Unicode aufgenommen, eine weltweiten Normierung von Schriftzeichen und Textelementen, die für eine plattform- und geräteunabhängige Kommunikation sorgen soll. Seither tauchen vor allem in Chats, E-Mails oder Onlineforen Jahr für Jahr immer mehr davon auf. Auch Werbeagenturen, Zeitungsredaktionen und Verlage experimentieren mit den neuen Zeichen.

Länderspezifische Vorlieben

Für Michael Beißwenger sind Emojis ein faszinierendes Forschungsgebiet. Der Sprachwissenschaftler gehört zum Projekt-Team von Whats up, Deutschland?. Dieses Forschungsvorhaben der Technischen Universität Dortmund untersucht unter anderem die Verwendung von Emojis in Texten des Kurznachrichtendienstes WhatsApp. Erste Ergebnisse werden für das Frühjahr 2016 erwartet.

Schon erschienen hingegen ist eine Studie des britischen Software-Unternehmens Swiftkey. Im April 2015 veröffentlichte der Entwickler von Tastatur-Apps für Smartphones und Tablets die Emoji-Nutzung von rund einer Million User aus 16 Ländern. Die Medien deuteten die Daten als ersten weltweiten Emoji-Report, der vor allem auch länderspezifische Vorlieben erkennen ließe – wenn auch mit einem gewissen Spielraum für Interpretationen. Laut Swiftkey-Analyse verschicken Deutsche – wie alle anderen Länder – am meisten positive Emojis, nämlich lachende Gesichter. An zweiter Stelle folgen Herzen in allen Variationen, schließlich traurige Symbole. Ganz hinten liegen bei den Deutschen Handgesten wie Klatschen oder das Peace-Zeichen. Auch wenn es um Geld-Icons geht, bilden deutsche Nutzer zusammen mit den Franzosen die Schlusslichter. Außerdem verschicken die Deutschen in der Kategorie Säugetier am liebsten eine Maus. Doch welche Aussagekraft haben diese Ergebnisse? Sind wir also alle gut gelaunte Langweiler, fragte man sich, leicht amüsiert, in der deutschen Presse.

Michael Beißwenger nimmt die Swiftkey-Studie durchaus ernst. „Natürlich wäre jetzt noch weitere Analysearbeit zu leisten.“ Wer wissen wolle, was die Daten wirklich bedeuten, müsse die Kontexte der Emoji-Verwendung analysieren. „Erst zusammen mit sprachlichen Äußerungen, als Teile eines digitalen Gesprächs, entfalten Emojis ihr volles Potenzial.”