Gamer „Man ist nicht mehr das Kellerkind, das alleine vor sich hinzockt“

Lichtscheue Stubenhocker, die aus der Realität in bunte Fantasiewelten am Computer flüchten oder eigenbrötlerische Nerds, die mit Egoshootern ihr Aggressionspotenzial vermehren – solche Vorurteile in Bezug auf die Gamer-Kultur sind längst überholt. Junge Gamer verraten, warum sie Computerspiele spielen.

Chris Renger, 21, Einzelhandelskaufmann in einem großen Elektrofachmarkt

Chris Renger Chris Renger | Foto: Selina Nowak Ich bin mit Computerspielen aufgewachsen. Seit ich klein war, habe ich mit meinem großen Bruder gespielt. Hauptsächlich spiele ich World of Warcraft (WoW). In unregelmäßigen Abständen kaufe ich mir auch andere Spiele. Aber nur die herausstechenden, nicht die breite Masse.

Derzeit wohne ich in einer Dreier-Gamer-WG. Unser Freundeskreis rekrutiert sich hauptsächlich aus Spielern. Zusammen mit anderen spielen wir in einer sogenannten Gilde am Tag durchschnittlich drei bis vier Stunden WoW. Für mich ist das Spielen einfach nur ein Hobby, wie für andere der Fußballverein. Ein Ausgleich zum Runterkommen von der Arbeit. Ich habe mir durchaus schon überlegt, berufsmäßig was mit Spielen zu machen. Mehr in Richtung programmieren, weil ich sehr mathematik-begeistert bin.

Philipp Kock, 32, Level Designer, Lehrer für Game Development und Entwickler seines eigenen Spiels „Starbattle“

Philipp Kock Philipp Kock | Foto: Selina Nowak Ich spiele Computerspiele seit ich sechs bin. Über das Spielen hab ich meinen Zugang zu Computern gelernt. Damals musste man sich mit seinem Computer auseinandersetzen, damit die Spiele darauf funktioniert haben.

Auf den neuen Handys und Tablets spielt heute fast jeder. Jede Altersgruppe, jede Sozialschicht. Das Spielen ist heute gesellschaftlich akzeptiert. Man ist nicht mehr das Kellerkind, das alleine vor sich hinzockt, sondern auch beim Spielen durch das Internet mit der Welt verbunden. Man kommuniziert per Headset und Kamera, trinkt nebenbei sein Bierchen und quatscht über alle möglichen Themen.

Ich persönlich spiele am Liebsten Shooter und Strategiespiele. Keine MMOs (Massively Multiplayer Online Games wie etwa World Of Warcraft). Das ist mir zu anstrengend und zeitaufwendig. Ich spiele meist täglich zwei Stunden am Stück. Dafür hab ich keinen Fernseher.

Daniel Renner , 21, WG-Kollege von Chris

Daniel Renner Daniel Renner | Foto: Selina Nowak Ich bin seit kurzem arbeitslos und hätte eigentlich viel Zeit zum Spielen. In den letzten Jahren habe ich bemerkt, dass ich zu viel spiele und andere Sachen zu kurz kommen. Zurzeit mache ich lieber Musik und versuche, mich körperlich fit zu halten. Früher hatte ich nur Kollegen, die spielen. Mittlerweile kenne ich aber mehr Leute, die nicht spielen oder nicht so viel spielen wie wir in der WG. Ich spiele aber nach wie vor verdammt gern.

Warum ich eigentlich angefangen habe WoW zu spielen – der Grundgedanke war, dass ich mit anderen zusammen spielen kann. Alleine würde ich nicht spielen. Ich würde nicht sagen, Spielen sei nicht das echte Leben. Sobald man im Internet spielt, ist es sehr wohl das echte Leben, weil ja trotzdem die echte Zeit vergeht, die man dort verbringt. Man sollte akzeptieren, dass auch das Internet real ist.

Alexis Rebischini, 17, Mediendesign-Schüler/Zweig Game Design

Alexis Rebischini Alexis Rebischini | Foto: Selina Nowak Mit acht habe ich den ersten Gameboy gekriegt habe und so mit Konsolenspielen begonnen. Am Computer spiele ich, seit ich 15 bin.

Momentan spiele ich viel League of Legends (LoL) und nebenbei noch ein wenig WoW. Das habe ich früher sehr intensiv gespielt. Mindestens vier Stunden am Tag plus eine halbe Stunde Vor- und Nachbereitungszeit. Das war verbindlich wie ein Training im Verein. Man wird ja recht ehrgeizig mit diesen Spielen. Es gab Zeiten, da war 37 Stunden durchgehendes Spielen angesagt. Wenn man Spaß dran hat, spricht ja auch nichts wirklich dagegen. Solange man keine Schule hat, geht das super. Aber dann ist irgendwann einmal der Zeitpunkt, wo man auch anfangen muss, zu lernen. Ich habe aber immer selbst ziemlich gut gemerkt, wann Schluss ist und Schule anfängt.

In der Prioritätenliste stehen Spiele ungefähr auf derselben Stelle wie ein Buch. Die meisten Spiele kann man spielen, wie man ein Buch liest. Etwas, das man wirklich gerne liest, das kann man tagelang lesen.