Cosplayer „Beim Cosplay steht Kreativität im Mittelpunkt“

Cosplayer verkleiden sich als Charaktere aus Filmen, Serien, Büchern, Comics oder Computerspielen. Da die Cosplaykultur in den 1970er-Jahren in Japan entstanden und von dort aus nach Deutschland geschwappt ist, erfreuen sich vor allem Anime- und Mangacharaktere immer noch großer Beliebtheit. Kostüme und Accessoires stellen die Cosplayer oft in monatelanger Feinarbeit selbst her, wobei sie sich im Internet austauschen und sich gegenseitig Tipps geben. Die Kostüme kommen auf offiziellen Conventions und Wettbewerben zum Einsatz. Auch den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig verleihen Cosplayer den Glanz eines Maskenballs. Yossi, Videros und Britt erzählen, wie Cosplay ihr Leben nicht nur als Hobby sondern auch als Handwerk bereichert hat.

Yossi, 28

  • Princess Sapphire (Ribon no Kishi / The Princess Knight) Foto: Andy Kämmer
    Princess Sapphire (Ribon no Kishi / The Princess Knight)
  • Wonder Woman (Odyssey) Foto: Andy Kämmer
    Wonder Woman (Odyssey)
  • Batwoman (Kate Kane) Foto: Ningyuan Sun
    Batwoman (Kate Kane)
  • Terra / Tina Branford (Final Fantasy VI) Foto :Frank-Sebastian Sievert
    Terra / Tina Branford (Final Fantasy VI)
Wenn ich einen Charakter mag und überzeugt bin, ihn optisch gut darstellen zu können, fange ich mit der Recherche an. Ich sammle Vor-, Rück- und Detailansichten des Kostüms und eventueller Requisiten. Dann kalkuliere ich die nötigen Materialien und ziehe mit Liste und Referenzbildern bewaffnet zum Wochenmarkt. Was ich bei den Stoffhändlern nicht finde, kaufe ich im Fachhandel oder Internet, wo ich außerdem Schuhe, Perücken und farbige Kontaktlinsen bestelle. Getragen werden die Kostüme zu Conventions oder privat organisierten Fotoshootings. Bei Fotoshootings muss aber erst eine gute Location gefunden werden, weil der Charakter in einer möglichst passenden Umgebung eingefangen werden soll. Auf Conventions sollte man auch nicht jede Art von Kostüm anziehen. Bei der Leipziger Buchmesse tue ich mir und meinen Mitmenschen zum Beispiel einen großen Gefallen, wenn ich keine ausladenden Reifröcke oder Flügel trage. Beim Cosplay steht für mich die Kreativität im Mittelpunkt, aber ich genieße es auch einmal richtig eitel sein zu dürfen. Als kleines Mädchen wollte ich zum Fasching immer eine hübsche Prinzessin sein – als Studentin habe ich mir den Traum mit wallenden Ballkleidern und prächtigen Perücken jedes Jahr selbst erfüllt. Wenn mir der Sinn danach steht, kann ich jetzt auch ein Prinz sein! Oder eine Superheldin! Oder Geheimagentin! Wann kommt man im Alltag dazu ein Empire-Kleid oder einen hautengen Catsuit zu tragen?

Videros, 28

  • Alucard Foto: Frank-Sebastian Sievert
    Alucard
  • Adam Jensen Foto: Andy Kämmer
    Adam Jensen
  • Lucky Luke Foto: Andy Kämmer
    Lucky Luke
Beim Treffen meines Rollenspielforums lernte ich zum ersten Mal aktive Cosplayer kennen. Sie haben mich davon überzeugt, zur nächsten Leipziger Buchmesse ebenfalls im Kostüm zu erschienen. Die gesamte Community war sehr herzlich, so dass ich schnell weitere Conventions besuchen wollte. Mich fasziniert Cosplay, weil es in meinen Augen nicht nur ein Hobby, sondern auch ein Handwerk ist. Es vereint kreative Bereich wie Nähen, Modellieren und Schauspielern, so dass man sich gut darin austoben kann. Auf Conventions versuche ich zum Beispiel meinen Charakter in Gestik und Mimik möglichst wirklichkeitsgetreu darzustellen. Introvertierten Leuten helfen Cosplayen und die Community außerdem dabei, ein vernünftiges Maß an Selbstbewusstsein zu entwickeln. Es kann sich aber auch sonst jeder in diesem Hobby wiederfinden – sowohl der Perfektionist, der Wettbewerben gewinnen will, als auch Manga- und Animefans, die miteinander cosplayen einfach weil es ihnen Spaß macht.

Britt T., 23

Britt T. Britt T. | Foto: privat Cosplay ist für mich ein Hobby, das ich, anders als andere Freizeitbeschäftigungen, eher selten betreibe. Besonders im Winter finden nur wenige Treffen statt. Zwischen diesen Pausen gibt es aber immer wieder ein bis zwei Wochen panischer Aktivität und hektischer Bastelei vor den jeweiligen Conventions. Die meisten Cosplayer haben nämlich ein grottenschlechtes Zeitmanagement und das Nähen in der Nacht vor dem Festival ist schon eine Art Running Gag in der Szene. Aber das gemeinsame Planen von Kostümen macht immer wieder Spaß! Ebenso Gruppen-Cosplays, bei denen mehrere Cosplayer verschiedene Figuren aus derselben Serie darstellen. Besonders spannend finde ich, wie Gegenstände und Kleidungsstücke, die eigentlich nur auf dem Papier existieren und funktionieren, mit einem begrenzten Budget nachgebaut und geschneidert werden. Da ist Erfindungsreichtum und Experimentierfreude gefragt! Mich beeindruckt auch, wie viel Mühe in den Kostümen steckt. Auf den Festivals ist eine Begeisterung und Energie zu spüren, die ich im Alltag manchmal vermisse. Dort kommt es selten vor, dass Menschen für ein Projekt Feuer und Flamme sind und gemeinsam etwas erschaffen, obwohl sie nicht einmal dafür bezahlt werden.