Reporter Alfons
„Ich bleibe, bis ich die Deutschen verstanden habe“

Kabarettist Emmanuel Peterfalvi alias Alfons
Kabarettist Emmanuel Peterfalvi alias Alfons | Foto (Ausschnitt): Pasquale D'Angiolillo © SR

Orange Trainingsjacke und ein übergroßes Puschelmikro – wenn Kabarettist Emmanuel Peterfalvi seine Arbeitskleidung trägt, erkennt man ihn schon von Weitem. Als Reporter Alfons hat sich der Franzose in Deutschland einen Namen gemacht.

Fragt Alfons auf dem Wochenmarkt nach Gleichberechtigung oder Multikulti-Gesellschaft, tragen die Menschen ihr Herz auf der Zunge. Gekonnt hält er den Deutschen den Spiegel vor, aber auch die Franzosen bekommen ihr Fett weg.

Der faule Franzose

„Allô! Isch vorgestellö misch: Isch bin Alfons aus Fronkreisch“, sagt Peterfalvi, legt die Hand schützend über die Augen und blickt ins Scheinwerferlicht. „Und wer seid ihr?“ Da hat er das Publikum schon gewonnen. „Dieser Akzent ist einfach so nett“, kommentiert eine Frau hinter vorgehaltener Hand in Reihe sechs. „Den muss man doch mögen.“ Dabei entlockt niemand den Deutschen besser, was sie wirklich denken. Zum Beispiel für seine Sendung Puschel-TV. Auf dem Wochenmarkt in Hamburg-Eidelstedt fragt er nach, ob man eine Multikulti-Gesellschaft lieber mit Ausländern hätte oder lieber nur mit Deutschen. Die Antwort kommt prompt zurück: lieber nur mit Deutschen. Ein älterer Herr auf die Frage, welches Tier ihm beim Anblick seiner Frau einfalle? Pottwal. Was soll die Regierung mit Zuwanderern machen? Antwort: gleich ausweisen. Wer ist fauler – der Franzose oder der Deutsche? Ganz klar: der Franzose.
 

„Ich bin nur für die Fragen zuständig“, sagt Alfons und grinst. Und die Fragen sind gut. Aber bemerkenswert sind vor allem die offenherzigen Antworten. Wie macht er das? „Das hat sich ergeben“, sagt Alfons alias Peterfalvi. „Ich war oft auf dem Markt und habe mit Leuten gesprochen. Und ich fand einfach toll, was sie gesagt haben. Dann haben wir die Kamera mitgenommen und es war sofort viel schwieriger, an die Leute heranzukommen. Die Hemmschwelle war viel größer, vor der Kamera etwas zu sagen. Dann kam ich wieder mit meiner komischen Jacke und meinem Puschelmikrofon. Und auf einmal – die Leute haben sich geöffnet, die waren authentisch.“

„Eine rote Ampel ist für uns Franzosen ja eher ein Vorschlag“

Genau das ist Peterfalvi selbst auch. Ganz besonders in seinem Programm Wiedersehen macht Freunde, das auf einer wahren Geschichte beruht. Auf der Bühne im St. Pauli Theater auf der Reeperbahn in Hamburg beschreibt Alfons dem Publikum, wo das 13. Arrondissement in Paris zu finden ist. Er legt den rechten Arm über den Kopf, bildet mit dem linken eine Art Kreis und tippt mit dem Zeigefinger in die Luft neben seinem Ohr. „Ungefähr hier. Sehen Sie?“ Dort also, im übertragenen Sinne, ist Alfons aufgewachsen und sozialisiert worden. Zum Beispiel in Bezug auf rote Ampeln. „Eine rote Ampel ist für uns Franzosen ja eher ein Vorschlag“, sagt Alfons. „Wir sind da nicht so wie ihr Deutschen. Bei euch muss immer alles seine Ordnung haben. Deshalb heißt es bei euch ja sogar organisierte Kriminalität.“ Das würde es in Frankreich nicht geben.

Alfons erzählt von seiner Kindheit: In der Schule lernt er beim Nachsitzen seine zwei besten Freunde kennen. Jean-François, der immer alles in der U-Bahn vergisst und Jérôme, der immer alle Frauen küsst. Alfons erzählt, wie es den drei Franzosen in Paris ergeht und entpuppt sich dabei als wunderbarer Geschichtenerzähler: Wie er sich als kleiner Junge im Fußballstadion in Paris eine blutige Nase holt und mit dem signierten Spielball wieder nach Hause geht. Wie er im Rathaus vom 13. Arrondissement das Tor des Monats von Stürmerlegende Dominique Rocheteau vom AS Saint-Étienne nachspielt und seitdem Hausverbot hat. Und wie Clochard Archimedes ihm und seinen zwei Freunden immer wieder Lektionen fürs Leben beibringt.

Erfolgreiche Fernsehkarriere in Deutschland

Peterfalvi hat als Franzose in Deutschland seine Berufung gefunden. „Ich wollte schon immer Fernsehen machen“, sagt er. Und dieses Ziel hat der Kabarettist längst erreicht: Nach seinen Karriereanfängen bei Premiere folgten Gastauftritte beim Satiremagazin Extra 3 und bei ZAK. Inzwischen hat er mit Puschel-TV und Alfons und Gäste zwei eigene Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Seit 22 Jahren ist Peterfalvi inzwischen in Deutschland. Dabei wollte er eigentlich nur seinen Ersatzdienst in Hamburg ableisten. „Aber ich habe gesagt, ich bleibe, bis ich die Deutschen verstanden habe.“