Street Food Einmal um den Globus schlemmen

Street Food Thursday, Juli 2014, Berlin Kreuzberg
Street Food Thursday, Juli 2014, Berlin Kreuzberg | Foto (Ausschnitt): © Heike Hucht

Street Food ist viel mehr als der schnelle Happen auf der Straße. Garküchen, Imbissstände und Foodtrucks transportieren auch eine gute Portion Esskultur. Wenn man Glück hat, kann man sich sogar auf wenigen Quadratmetern durch die halbe Welt futtern.

Wortwörtlich übersetzt heißt Street Food schlicht „Essen von der Straße“. Das klingt weder appetitlich noch aufregend, und zu kurz greift es auch. Denn sobald man nach rechts und links schaut, vor allem nach Asien und Amerika, stellt man fest, dass Street Food viele Facetten hat und eine lange Tradition. In Vietnam, Indien und Thailand gehören mobile Garküchen mit schnell zubereiteten lokalen Spezialitäten seit jeher ganz selbstverständlich zum Straßenbild. In Singapur, Hongkong oder Malaysia werden Essensstände in sogenannten hawker centres zusammengefasst. Oder sie treten auf den kunterbunten night markets in Erscheinung. Die Innenstadt einer nordamerikanischen Metropole ohne Hot-Dog-Wägelchen? Genauso wenig vorstellbar wie der Strand von Rio ohne Empanadas-Verkäufer.

Foodtrucks und Mini-Restaurants

Essen, wo man ist, Bedürfnis und unmittelbare, unkomplizierte Bedürfnisbefriedigung – in Deutschland denkt man dabei automatisch an Imbisse. Die Imbissklassiker schlechthin: Bratwurst im Brötchen und Currywurst mit Pommes in der Pappschale. Dass es auch sehr viel fantasievoller, abwechslungsreicher und hochwertiger geht, zeigt die neue Generation mobiler Kleinrestaurants, Foodtrucks genannt. Der Trend wurde vor etwa sieben Jahren in den USA geboren und ist mittlerweile in Europa angekommen. Die Zahl der Nachahmer wächst täglich, von Amsterdam bis Warschau.

Auch der Restaurant Day hat international Karriere gemacht. An diesem Tag ist jeder eingeladen, ein eigenes Restaurant auf die Beine zu stellen, als Pop-up auf der Straße, in den eigenen vier Wänden, im Hof oder im Park. Was in Helsinki im Mai 2011 mit 45 temporären Mini-Restaurants seinen Anfang als rebellische Aktion wider die Bürokratie in der Gastronomie nahm, hat inzwischen weltweit Kreise gezogen. Am Restaurant Day im Mai 2014 haben sich mehr als 140 Städte in über 30 Ländern beteiligt, in Deutschland unter anderem Kiel, Dortmund, Essen, Frankfurt am Main, München und Weimar.

Authentizität, Qualität, Geschmack

Im Berliner Stadtteil Kreuzberg ist jeder Donnerstag ein kleiner Restaurant Day. Die Veranstaltung, die seit April 2013 in der Markthalle Neun unweit vom Görlitzer Bahnhof stattfindet, heißt Street Food Thursday. Ein besonderer Event an einem besonderen Ort. Nachdem die historische Markthalle zuletzt ein Dasein als seelenlose Heimstatt von Supermarktketten und Discountern fristete, soll sie heute wieder ein anspruchsvoller Platz für „Anders essen und Anders einkaufen“ sein, so die Philosophie des neuen Betreibertrios Nikolaus Driessen, Bernd Maier und Florian Niedermeier. Am Street Food Thursday finden dort Menschen zusammen, die sich kulinarisch ausprobieren wollen – entweder vor oder hinter dem Herd, als Koch oder Gast. „Diese Veranstaltung bietet allen eine Plattform, die Essen lieben“, bringt es Mit-Initiatorin Kavita Meelu auf den Punkt. Aufgewachsen in London, lebt die 31-Jährige seit 2009 in der deutschen Hauptstadt und ist dort als leidenschaftliche Netzwerkerin in Sachen Essen unterwegs.

Rund 40 Stände verteilen sich donnerstags in der Markthalle, das Angebot ist so bunt wie die Bevölkerungsvielfalt Berlins. Wer genug Hunger mitbringt, kann sich einmal um den Globus schlemmen: an britischen Pies knabbern, thailändische Tapioka Dumplings naschen, nigerianisches FuFu oder peruanische Ceviche probieren, in koreanische Buns beißen oder Allgäuer Kässpatzen verputzen. Was Street Food so reizvoll macht? „Dass man für wenig Geld viel Authentizität, tolle Qualität und echten Geschmack bekommt“, sagt Meelu.

Erstes deutsches Street-Food-Festival

„Delikatessen von unterwegs“ statt einfach nur „Essen von der Straße“: Wenn man Street Food so übersetzt, wird schnell klar, warum es zurzeit immer beliebter wird, sogar in der Gastronomie – und warum Street-Food-Festivals wie Taste of London, Copenhagen Cooking oder Stragusto im italienischen Trapani Zehntausende Besucher locken. In diesem Jahr soll erstmals ein deutsches Street-Food-Festival in Berlin gefeiert werden. Es ist Teil der viertägigen Veranstaltung Stadt Land Food am ersten Oktoberwochenende, mitinitiiert von Kavita Meelu und den Machern der Markthalle Neun.

Mit dem Bite Club hat die Bundeshauptstadt einen weiteren Anlaufpunkt für Fans von Street Food. Jeden zweiten Freitag wird das Badeschiff Hoppetosse und der benachbarte Uferstreifen an der Spree zum Marktplatz für schnelles, leckeres und preiswertes Essen auf die Hand. Neben vier oder fünf Food-Trucks bieten bis zu neun Imbissstände Köstlichkeiten aus aller Welt. Dazu gibt es Drinks und Musik, live oder vom DJ. Die Idee dazu haben die Initiatoren und gebürtigen Londoner Miranda Zahediah und Tommy Tannock aus anderen Weltmetropolen mitgebracht. „Wir dachten, was in London oder Brooklyn funktioniert, könnte auch in einer so aufgeschlossenen Stadt wie Berlin klappen“, erzählt Zahediah.

Gleich zum ersten Event im August 2013 kamen mehr als 3.500 Besucher. Demnächst soll der Bite Club auf Tour gehen und als eine Art Street-Food-Botschafter auch andere Städte begeistern. Bereits fest im Visier sind Hamburg und München. „Wenn wir und unsere Partner vor Ort alle Genehmigungen zusammen haben, wollen wir noch im August starten“, so die Wahlberlinerin. Das könnte der Beginn einer wunderbaren Street-Food-Bewegung werden.