Jazz-Labels in Deutschland

Die deutsche Label-Landschaft ist bunt und trotz anhaltender Krise der Musikwirtschaft vielfältig. Das hat mehrere Ursachen. Zum einen sind die meisten Firmen Ein-Personen-Betriebe oder kleine Teams, die mit Tendenz zur Selbstausbeutung als Independent-Labels der musikalischen Leidenschaft frönen.

Auf der anderen Seite legen das föderale System und die Förderung etwa durch Rundfunkproduktionen dezentrales Engagement nahe. Vor allem aber ist Deutschland neben den USA, Japan, Skandinavien und Frankreich einer der führenden Absatzmärkte und eine der wichtigen Konzertregionen für Jazz. Zur einheimischen Szene stoßen internationale Musiker, die hier Station machen und in renommierten Studios wie den Bauer Studios in Ludwigsburg oder bei Walter Quintus in Zerkall in der Eifel produzieren.

Major Companies

Die vier Major Companies Universal Music Group, Sony BMG, Warner Music Group und EMI haben sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte nahezu vollständig aus der nationalen Labellandschaft zurückgezogen. Nur in Ausnahmefällen nehmen sie deutsche Künstler wie Jessica Gall, Lyambiko (Sony BMG) oder Till Brönner (Universal) unter Vertrag. Wichtig sind sie aber bei der Katalogauswertung wie im Fall des Schwarzwälder Labels MPS (1968-1983), dessen umfangreiches, jazzrockgeprägtes Repertoire von Universal Classics & Jazz ediert wird.

ACT Music & Vision

Das Label ACT mit Sitz in München wurde 1992 von Siegfried Loch, dem früheren Europa-Chef der Warner, gegründet. Der musikalische Schwerpunkt liegt auf der europäischen und skandinavischen Szene, Reihen wie „Young German Jazz“ mit Künstlern wie Michael Wollny und Matthias Schriefl widmen sich der deutschen Szene. Im Sommer 2009 waren bei ACT rund 235 Titel lieferbar, bekannteste Künstler des Labels sind Esbjörn Svensson und Nils Landgren.

ECM

ECM Records wurde 1969 in München von Manfred Eicher als Forum für zeitgenössischen Jazz ins Leben gerufen. Es entwickelte sich rasant zu einer internationalen Plattform, die mit Aufnahmen von Künstlern wie Keith Jarrett und Jan Garbarek Maßstäbe setzte. Seit 1984 kümmert sich ECM New Series außerdem um klassische und experimentelle Musik. Rund 1.000 Veröffentlichungen sind erhältlich, deutsche Künstler wie Julia Hülsmann sind Teil, aber nicht Schwerpunkt des Repertoires.

Enja

Im Jahr 1971 produzierten Horst Weber und Matthias Winkelmann gemeinsam ein Album mit dem Pianisten Mal Waldron. 1972 wurde daraus Enja Records mit Sitz in München, das sich mit Künstlern von Abdullah Ibrahim bis Atilla Zoller als Independent-Jazz-Label für Modern Mainstream und gemäßigte Avantgarde etablierte. 1986 trennte sich Horst Weber mit einer eigenen Dependance von der Firma, die inzwischen von Werner Aldinger fortgeführt wird (Enja Weber/Yellow Bird). Enja Records hat insgesamt rund 700 Alben veröffentlicht und von Rabih Abou-Khalil bis Florian Weber zahlreiche deutsche Künstler im Repertoire.

Double Moon

Unter dem Dach der "Deutschen Media Productions GmbH & Co Kg" in Köln sammeln sich mehrere Jazzlabels, neben Between The Lines (Gründung 1999, 46 Titel) vor allem Double Moon (Gründung 1998, 91 Alben) unter der Ägide von Volker Dueck mit einem klaren Schwerpunkt auf jungem deutschem Jazz. Vor allem die Reihe „Next Generation“ in Zusammenarbeit mit dem Magazin Jazz Thing hat sich um die aktuelle Szene von Cyminology bis Max Frankl verdient gemacht.

Skip

Skip Records existiert seit 1999 unter der Leitung des Ex-Minor-Music-Managers Bernd Skibbe. Mit Sitz in Hamburg kümmert sich das Label um gehobenen Mainstream, hat bislang rund 100 Alben veröffentlicht und zählt Omar Sosa, Peter Fessler und das Tingvall Trio zu seinen wichtigsten Künstlern.

Traumton ist Heimat unkonventioneller Jazzprojekte vom Urban Fusion à la Johnny La Marama über Experimentelles mit Michael Schiefel bis zum Obertongesang Christian Zehnders. Gegründet 1992 in Berlin sind unter der Leitung der Bassistin Stephanie Marcus inzwischen rund 120 jazzaffine Alben ohne stilistische Festlegung erschienen.

Winter & Winter

Winter & Winter entstand 1995 aus den Scherben von JMT, einem Label, mit dem der Produzent Stefan Winter die New Yorker Szene seit Mitte der 1980er-Jahre dokumentiert hatte. Durch auffälliges Art Design und eigenwillige Projekte wie Uri Caines Mahler-Bearbeitungen etablierte sich das Label als Sammelbecken für metastilistisches Crossover von Klassik über Jazz bis hin zu sogenannten Hörfilmen, die mit Musik in authentisch inszenierten Klangräumen arbeiten.

Weitere Labels

Damit ist das Spektrum an Jazzlabels in Deutschland noch lange nicht erschöpft. Regelmäßig aktiv und mit einheimischen Künstlern im Programm sind außerdem Firmen wie Compost Records, FMP, GLM, Herzog Records, Intuition/Tuition, Jardis Records, Jazzhausmusic, Jazz4ever, Jazz'n'Arts, Minor Music, Ozella, Pirouet Records oder auch Rodenstein Records.