Jazz-Clubs und Festivals in Deutschland

Die Jazzclubs sind in Ost und West historisch unterschiedlich gewachsen. Trotz eines deutlichen Schwundes seit den 1990er-Jahren, trotz Wirtschaftskrise und finanzieller Ausdünnung der kulturellen Ränder ist es bemerkenswert, wie groß die Dichte an Jazzclubs und Spielorten mit nennenswertem Jazzanteil immer noch ist.

Betrachtet man ihre Verteilung auf der Deutschlandkarte, gibt es kaum weiße Flecken, wobei es im ländlichen Raum im Laufe der Jahre ähnlich viele Jazzclubs entstanden sind wie in den Großstädten.

Clubs und Vereine

Struktur und Angebot der Jazzclubs sind sehr unterschiedlich. Nur wenige Bühnen wie etwa die Münchner Unterfahrt können ein täglich wechselndes Live-Programm bieten, so dass sich gerade in kleineren Städten die oft auf Vereinsbasis organisierten Jazzclubs an einen Veranstaltungsort anschließen, für den der Jazz nur einer von mehreren Schwerpunkten ist. In diesen Liebhaber-Clubs, die häufig von kommunale Förderung und Sponsoren abhängig sind, genießen regionale Künstler meist den Vorrang. Weltoffener orientiert sind zumeist Jazzclubs in Universitäts- und Hochschulstädten, die allerdings oft an ihrer schlechten finanziellen Ausstattung und der Fluktuation ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter leiden.

Clubs in den Großstädten

Je größer die Stadt, desto besser ist in der Regel auch die Situation der Jazzclubs. In Berlin beispielsweise gibt es mehr als ein Dutzend Bühnen deren Programm von Dixieland (Yorck-Schlösschen) über Jazz mit Nähe zum Varieté (Kalkscheune), hochkarätigen Mainstream (Quasimodo, A-Trane, B-Flat) oder die lokale Szene (Schlot, Badenscher Hof) bis zu Free Jazz (Aufsturz, veranstaltet vom Jazzkeller 69 e. V.) und Avantgarde (Ausland) reicht. In Köln wiederum gibt es das Jazzhaus, das Loft und das Alte Pfandhaus, in Hamburg den Cotton Club, den Jazzclub im Alten Stellwerk und das Birdland.

Allerdings werden die Jazzclubs allein nicht reichen, um dem Jazz dauerhaft ein Publikum zu sichern. Hörgewohnheiten und musikalische Sozialisation haben sich gewandelt und nicht jeder Jazzhörer fühlt sich auch im typischen Club-Ambiente wohl. Künftige Generationen von Jazzmusikern werden sich neue Spielgelegenheiten erschließen müssen, um ihr Publikum zu finden. In vielen Städten gibt es bereits solche genreübergreifenden Veranstaltungsorte wie die Fabrik in Hamburg, das Berliner Radialsystem V, die Alte Feuerwache in Mannheim, die Münchner Muffathalle oder die Centralstation in Darmstadt.

Festivals

Die Dichte der Jazzfestivals ist noch größer als jene der Clubs. Kaum eine größere Stadt, die nicht ein oder mehrere Jazzfestivals unterhält. Das hat Tradition, denn die deutschen Festivals sind seit Jahrzehnten ein beliebter Umschlagplatz des internationalen Jazzgeschehens und ermöglichen es einzelnen Orten wie etwa Moers, sich dadurch in der kulturellen Landschaft zu profilieren. Es gibt eine Reihe von Festivals, die den Bestand des Jazz wahren und Künstler präsentieren, die ohnehin auf Tour sind. Die Bedeutung dieser Festivals ist nicht zu unterschätzen, denn sie halten die Begeisterung für den Jazz auch jenseits seiner Zentren aufrecht. Jedes dieser Events hat sein eigenes Gesicht, steht für ein unverwechselbares Kolorit, einen bestimmten Zugang zum Jazz. Nicht wenige werden von den jeweiligen lokalen Jazzclubs organisiert und spiegeln deren Profil in gebündelter Form wider.

Die großen Jazzspektakel von internationalem Renommee unterteilen sich in Höhepunkte großstädtischer Kulturkalender und ländliche Festivals mit Magnetcharakter. Das JazzFest Berlin, das Deutsche Jazzfestival Frankfurt, das Enjoy Jazz in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen oder die Leipziger Jazztage decken ein möglichst breites musikalisches Spektrum ab, weil sie ein jazzaffines Publikum anziehen, das über Fans und Spezialisten hinausreicht. Jenseits der Metropolen sind stilistisch fokussierte Festivals zuweilen auf eine spezielle Gefolgschaft zugeschnitten, die eigens zu dem jeweiligen Event aus ganz Deutschland anreist.

So richtet sich das Moers Festival an den Jazz-Entdecker, der Genregrenzen als Anachronismen betrachtet, das Jazz Baltica in Salzau an Gourmets, die gemäßigten Jazz gern in gediegener Umgebung genießen, und das European Jazztival auf Schloss Elmau an Jazzkenner, die sich jenseits amerikanischer Vorgaben orientieren. Ausnahmen wie das Total Music Meeting in Berlin oder das Dresdener Dixieland Festival bestätigen die Regel von der Funktionsaufteilung zwischen Stadt und Land. Seit 2006 hat sich außerdem die jazzahead! in Bremen als Mischveranstaltung aus Fachmesse, Kongress und Festival nicht nur zum Seismografen deutscher Jazzbefindlichkeit, sondern auch zum Knotenpunkt vieler Jazzaktivitäten in Deutschland entwickelt.