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Yael Bartana
Die Bildaktivistin

Die Videotrilogie „And Europe will be stunned“ sorgte für Bartanas Durchbruch in der internationalen Kunstszene.
Die Videotrilogie „And Europe will be stunned“ sorgte für Bartanas Durchbruch in der internationalen Kunstszene. | Foto (Zuschnitt): © picture alliance/KEYSTONE

Die Videokünstlerin Yael Bartana sprengt die Grenzen zwischen Fiktion und Fakten: Ihre Arbeiten sind bildstarke Dokumentationen mit poetischem Anklang und Gedankenexperimente mit aktivistischem Anspruch.

Von Romy König

In ihren Filmen, Fotografien und Theaterperformances erforscht Yael Bartana die „Bildsprache von Identitäten“ und „die Politik der Erinnerung“, wie sie selbst es nennt. Ihre Arbeiten, die in internationalen Museen und auf Filmfestspielen gezeigt werden, fordern zu Perspektivwechseln und zu Was-wäre-wenn-Gedankenspielen auf. 

Identitäten im Blick

Geboren 1970 in einer nordisraelischen Arbeitersiedlung, waren es über Jahre vor allem Themen der jüdischen Identität, die Bartana in ihren Arbeiten behandelte. In ihrem Video Inferno (2013) inszenierte sie den Nachbau des Salomonischen Tempels in São Paolo durch eine evangelikale Freikirche, der tatsächlich stattgefunden hat, und seine fiktive spätere Zerstörung. Verweisen wollte sie damit auf die Zerstörung des ersten jüdischen Tempels in Jerusalem 586 v. Chr. und den Ausgangspunkt der jüdischen Diaspora, sagt sie. Dieses methodische Vermengen von Fiktion und Fakten, von Voraussage und Vergangenheit, bezeichnet Bartana als „historical Pre-Enactment“ – eine künstlerische Umkehrung der gewohnten Nachstellungen historischer Ereignisse. 
 
In der Videotrilogie And Europe Will Be Stunned von 2011 thematisierte sie die Geschichte der polnisch-jüdischen Beziehungen und fragte nach deren Einfluss auf die gegenwärtige polnische Identität. Die Videos drehen sich um die Frage: Was wäre, wenn die Nachkommen der Juden, die vor dem Holocaust ins Ausland geflohen sind, nach Europa zurückkehrten? Die Arbeit sorgte für ihren Durchbruch in der internationalen Kunstszene. 
Was ist Fakt, was ist Fiktion? Die israelische Videokünstlerin Yael Bartana beschäftigt sich in ihren Werken gerne mit Gedankenexperimenten. Was ist Fakt, was ist Fiktion? Die israelische Videokünstlerin Yael Bartana beschäftigt sich in ihren Werken gerne mit Gedankenexperimenten. | Foto: © picture alliance/ZUMA Press

Provokation durch Manipulation

Die israelische Tageszeitung „Haaretz“ bezeichnet Bartana als provokative Künstlerin mit dem „Talent zur Manipulation von Fotografien, Worten und Symbolen“. Ein Beispiel dafür seien die fotografischen Selbstporträts Stalag, gezeigt in Ausstellungen in Berlin und New York, in denen sich Bartana als Leni Riefenstahl inszeniert: in SS-Uniform, die Filmkamera und den Blick auf den Betrachter gerichtet. Die in Berlin lebende Bartana arbeitet hier sehr bewusst mit dem Tabu von Nazi-Symbolen, verriet sie der „Haaretz“: Es sei wie „die Rückkehr zum Tatort, der Versuch, einen Abschluss zu finden“. 

Frauen am runden Tisch der Weltmacht 

Ihr jüngstes Werk beschäftigt sich mit der Identität von Frauen: What if Women ruled the world? fragt ihr Theaterstück mit gleichnamigem Titel. Schauspielerinnen treten darin – etwa in einer Inszenierung an der Berliner Volksbühne – ebenso auf wie Aktivistinnen und Politikerinnen. Nicht so sehr die Metoo-Debatte habe Bartana zu der Performance inspiriert, sondern vielmehr das Gedankenexperiment, ob Konflikte friedvoller ausgetragen würden, wenn ausschließlich Frauen an der Macht wären, sagte sie gegenüber dem Kunstmagazin Monopol anlässlich der Berliner Aufführung: „Es war immer mein starker Wille, dem System nicht zu gehorchen oder es zu verändern.“ Sie bekennt: „Ich bin eine Aktivistin, die Bilder herstellt.“

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