Theaterzeitschrift für Jugendliche Antigone als Comic

„Junge Bühne“, Ausgabe 2; © Junge Bühne
„Junge Bühne“, Ausgabe 2 | Foto (Ausschnitt): © Junge Bühne

Seit 2007 erscheint die „Junge Bühne“ jährlich im September. Das Jugendmagazin der „Deutschen Bühne“ ist kostenlos und wird offenkundig gern gelesen.

Detlev Baur ist Redakteur und Gründer der Jungen Bühne, der bundesweit ersten Theaterzeitschrift für Jugendliche. Die aktuelle Ausgabe heißt Mädelsheft. Da berichtet eine junge Tanzpädagogin über ihre Zeit am Freedom Theatre Jenin, eine Dramaturgie-Hospitantin interviewt den Regisseur Sebastian Nübling und Baur selbst schreibt über den Spielzeitrenner Tschick – ein Stück nicht nur für Jungs. Die Gestaltung ist bunt, die Themen sind anspruchsvoll und abwechslungsreich, die Texte ehrlich und informativ. Und wem einmal im Jahr nicht genug ist: Auf der dazugehörigen Website veröffentlichen Baur und seine Mitarbeiterin Elisa Giesecke monatlich neue Artikel, aktuelle Kritiken, Blogs und Videos.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Theaterzeitschrift speziell für Jugendliche zu machen?

Es gab diverse Anlässe. Zum einen war ich in Jugendvorstellungen und in Schultheater- und Jugendclubaufführungen, die ich klasse fand. Die sollte man mehr in die Öffentlichkeit bringen, dachte ich. Zum anderen wurde damals ästhetische Bildung wichtiger, Theater sollte nicht mehr nur alteingesessene Leute ansprechen. Meine Idee war, für Jugendliche eine Zeitschrift zu machen, die auch von Jugendlichen gemacht wird. Eine Zeitschrift, die Theater spannend erklärt, die aber nicht von oben herab so tut, als wüssten wir genau, wie Theater geht. Es geht uns darum, die jungen Leute ernst zu nehmen als Theatermacher und als Theaterzuschauer.

Die „Junge Bühne“ ist aber keine Zeitschrift primär für Kinder- und Jugendtheater.

Nein, es gibt manchmal so ein Missverständnis. Aber die Junge Bühne behandelt alle Theaterformen, auch Oper und Tanz. Natürlich geht es uns auch um die Vermittlung schwerer Schauspielstoffe. Angefangen haben wir 2007 mit dem Thema Klassiker. Für das erste Heft habe ich den Duisburger Jugendclub getroffen, dessen Emilia Galotti-Aufführung gesehen und mit den Jugendlichen darüber geredet, was die Beschäftigung mit Lessing bei ihnen verändert hat. Das war ein unglaublich tolles Gespräch, weil sie voller Begeisterung gesprochen haben. So klug, und dabei natürlich auch naiv. Das war für mich spannender als manches Gespräch mit einem renommierten Regisseur oder Schauspieler.

Die Autoren der „Jungen Bühne“ sind professionelle Theaterkritiker, aber auch Studenten, Schüler oder Theatermacher. Sie selbst arbeiten als Redakteur für die „Junge Bühne“ und für die „Deutsche Bühne“. Schreiben Sie für die Jugendlichen anders?

Ein bisschen. Wenn ich für die Junge Bühne schreibe, versuche ich, weniger vorauszusetzen an Wissen, versuche auch, witzig und leicht zu schreiben. Aber ich denke nicht, dass man so tun sollte, als wäre man 20.

Es gab in den vergangenen Ausgaben Antworten auf Fragen, die sicherlich auch manchen Erwachsenen noch beschäftigen, zum Beispiel zum Dresscode im Theater oder zur Herstellung von Theaterblut. Trotzdem würde man solche Artikel wohl nicht in der „Deutschen Bühne“ lesen.

Ja, wahrscheinlich nicht in dieser Art. Bei den jungen Lesern kann man nicht zu viele Erfahrungen im Theatergucken voraussetzen. Dadurch ergeben sich grundsätzlichere Fragen, die im Alltag einer Monatszeitschrift wie der Deutschen Bühne auch schon mal verloren gehen. Und ganz bewusst gibt es in der Jungen Bühne mehr Platz für Fotos und für Grafik.

Auch für Comics. In der dritten Ausgabe haben Sie „Antigone“ als spannende Bildergeschichte veröffentlicht. War das schon immer mal Ihr Traum, die Comic-Version eines Sophokles-Dramas zu schreiben?

Eigentlich nicht. Ich habe auch griechische Philologie studiert, antikes Theater ist mein „Steckenpferd“. Diese Tragödien eignen sich deswegen gut dafür, weil sie so knapp sind. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Es gab sogar einige Rückmeldungen von Lehrern: Viele haben den Comic im Unterricht benutzt.

Die „Junge Bühne“ erscheint einmal im Jahr. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen die Leser in der Zwischenzeit verloren gehen?

Es geht um grundsätzlichere Themen oder Porträts von Leuten. Da ist es egal, ob das ein halbes Jahr früher oder später erscheint. Einzelkritiken zum Beispiel gibt es weniger. Aber als aktuelle Ergänzung zum Jahresheft haben wir ja die Website.

Printmedien haben es zurzeit nicht leicht. Ist es nicht kühn, Jugendlichen heute noch mit einer auf Papier gedruckten Zeitschrift zu kommen?

Ich glaube, es ist der richtige Weg. Es ist nicht grundsätzlich so, dass es für Printmedien nicht gut aussieht. Die Tageszeitungen haben sehr zu kämpfen, aber bei Zeitschriften wird ja eher gesagt, dass qualitativ hochwertige und spezialisierte Produkte eine Zukunft haben. Die Junge Bühne ist ein Jahresheft, das im September, also zum Schul- und Semesterstart rauskommt. Es wird über Theaterpädagogen verteilt, die es an interessierte Jugendliche oder an Lehrer weitergeben. Oder wir schicken es direkt an engagierte Schullehrer.

Deshalb die hohe Auflage von 70.000. Wie wird die „Junge Bühne“ finanziert?

Herausgeber und großzügiger Unterstützer ist der Deutsche Bühnenverein. Die Hälfte der Kosten kommt ungefähr durch Anzeigen wieder rein.

Was ist Ihr Ziel? Haben Sie einen Auftrag, den Sie mit der „Jungen Bühne“ verfolgen?

Mein persönliches Ziel und der unausgesprochene Auftrag des Bühnenvereins treffen sich: Ich will die Faszination von Theater vermitteln, und das möglichst unterhaltsam und auf einem hohen Niveau. Ich will Hintergründe interessant erklären. Theaterberufe vorstellen. Klar machen, dass ein Roman als Textgrundlage etwas anderes ist als ein Dramentext. Zeigen, dass Klassiker interessant sein können. Vielleicht auch ein bisschen Lehrern helfen, das spannend zu vermitteln.

Hier können Sie ein kostenloses Heft der Jungen Bühne bestellen.