Exzellenzinitiative Leuchttürme der Wissenschaft

Bekanntgabe der Ergebnisse zur Exzellenzinitiative; © DFG
Bekanntgabe der Ergebnisse zur Exzellenzinitiative | Foto (Ausschnitt): © DFG

Sie hat das Wissenschaftssystem enorm aufgerüttelt: die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Jetzt allerdings geht sie in die – vorerst – letzte Runde.

Monatelang waren die Uni-Rektoren landauf, landab nervös. Mitte 2012 erfuhren sie dann, wer das Rennen in der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern gemacht hatte. Insgesamt 2,4 Milliarden Euro werden auf 45 Graduiertenschulen, 43 Exzellenzcluster und elf Zukunftskonzepte für die universitäre Spitzenforschung verteilt – Voraussetzung für den inoffiziellen Titel als „Exzellenz-Universität“. Diese Exzellenz-Universitäten bekommen auch den Großteil des Geldes. 142 Millionen Euro fließen jährlich in die Zukunftskonzepte. Zum Vergleich: Die Graduiertenschulen bekommen zwischen ein und 2,5 Millionen Euro pro Jahr, die Exzellenzcluster zwischen drei und acht Millionen Euro.

Kein Wunder also, dass die Aufsteiger-Universitäten Köln, Bremen oder Dresden enorm stolz auf ihre Leistung sind. „Für uns ist das ein Riesenerfolg“, sagt Axel Freimuth, Rektor der Kölner Universität. Die Kölner konnten mit je zwei Graduiertenschulen und Exzellenzclustern punkten. Am meisten Geld und Prestige bringt aber der Erfolg in der dritten Förderlinie: das Zukunftskonzept Meeting the Challenge of Change and Complexity. Rund 120.000 Euro aus der Exzellenzinitiative gehen in den nächsten fünf Jahren an die Universität. Eine Chance, verkrustete Mechanismen aufzubrechen und ganz neue Wege einzuschlagen.

Von dieser Entwicklung profitiert nicht nur die Universität, sondern die ganze Region, ist sich Axel Freimuth sicher: „Wenn man sich die erfolgreichen Projekte der Rheinland-Universitäten ansieht, braucht man sich vor anderen Regionen nicht zu verstecken.“ Die RWTH Aachen konnte ihren Sieg in der dritten Linie vom letzten Mal bestätigen: Sie darf sich nun weiter Elite-Universität nennen. Dazu kommen die Universitäten Bonn und Düsseldorf, die mit neuen Clustern überzeugen konnten: „Das erhöht die Attraktivität und bringt viele Arbeitsplätze in die Region“, so Axel Freimuth.

Nicht überall wird gefeiert

Doch nicht überall gab es Grund zum Jubeln. Einige Hochschulen, Cluster und Graduiertenschulen konnten nicht an den Erfolg aus der ersten Programmphase anknüpfen. Die Exzellenzuniversitäten Freiburg und Göttingen müssen für andere Platz machen. Und auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) stieg überraschend ab. Für diese Hochschulen dürfte es schwer sein, die Aufbruchstimmung, die durch die Exzellenzinitiative aufkam, aufrechtzuerhalten. Schließlich sprechen viele Hochschulrektoren von einem besonderen Spirit, den der Wettbewerb ausgelöst hat. Steigt man aber ab, kommt wohl eher die Katerstimmung.

Es war immer klar, dass nicht alle Projekte über zehn Jahre gefördert werden. Mit einem Bundesliga-System vergleichen die Verantwortlichen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat den Wettbewerb gerne. Wenn es also neue Förderungen gibt, müssen andere absteigen. Überhaupt können längst nicht alle Hochschulen profitieren. Nur 44 Universitäten von über 100 bekommen ein Stück vom Förderkuchen ab.

DFG-Präsident Matthias Kleiner ist aber mit den Anstrengungen der Hochschulen zufrieden: „Wir hatten sehr viele hervorragende Anträge.“ Das Niveau aus der ersten Runde habe sich fortgesetzt.

Wichtige Impulse

Im Jahr 2005 fiel der Startschuss für die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Ziel war es, sogenannte Leuchttürme der deutschen Wissenschaftslandschaft zu finden und zu fördern. Um insgesamt 1,9 Milliarden Euro ging es beim ersten Mal. Die zweite Phase wurde auf 2,7 Milliarden Euro aufgestockt. Weil aber auch Geld in die Auslauf- oder Übergangsfinanzierung einiger Projekte floss, stehen jetzt für die nächsten fünf Jahre 2,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Und weil viele Hochschulen ihre Anträge am obersten Limit des möglichen Budgets angesetzt haben, müssen sie jetzt mit weniger Geld auskommen als ursprünglich gedacht. So können immerhin mehr Projekte von dem Geld profitieren.

Matthias Kleiner ist sicher, dass die Forschungslandschaft in Deutschland vom Wettbewerb enorm profitiert: „Wir konnten die internationale Sichtbarkeit unserer Forschung deutlich erhöhen“, sagt der DFG-Präsident. Tatsächlich berichten viele Uni-Rektoren, dass sie Glückwünsche aus dem Ausland bekommen und bessere Chancen haben, Forscher aus dem Ausland zu gewinnen.

Doch jetzt gilt es, diesen Erfolg beizubehalten. Schließlich läuft die Exzellenzinitiative 2017 aus. Und bislang hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) nur angekündigt, den Projekten, die jetzt zum ersten Mal in der Exzellenzinitiative überzeugen konnten, eine weitere Förderung von fünf Jahren zu ermöglichen: „Eine nachhaltige Förderung ist enorm wichtig, um an die positiven Effekte anzuknüpfen“, sagt Matthias Kleiner.

Die Ankündigung von Bundesbildungsministerin Schavan stimmt Kleiner aber „sehr hoffnungsfroh“. Es sei vorteilhaft, wenn sich der Bund stärker an der Finanzierung der Hochschulen und ihren Forschungprojekten beteiligen könne: „Der Bund sollte dauerhaft Projekte und Einrichtungen an Hochschulen fördern können“, sagt Kleiner. Doch dafür müsse das Grundgesetz geändert und das Kooperationsverbot abgeschafft werden.

Wie es weitergeht, ist noch offen

Kritiker der Exzellenzinitiative befürchten allerdings, dass die zur Verfügung stehenden Mittel nach 2017 schlicht umverteilt werden könnten. Studentenvertreter kritisieren schon lange, dass das Geld hauptsächlich in die Forschung fließt und die Lehre vernachlässigt wird – und dass die Bemühungen für die Exzellenzinitiative so raumgreifend sind.

„In den Monaten vor der Entscheidung waren viele Professoren enorm mit den Anträgen beschäftigt“, sagt Erik Marquardt, Vorstandsmitglied des Freien Zusammenschlusses von Studentenschaften. „Wenn 2017 Mittel aus der Grundfinanzierung in die auslaufenden Projekte fließen würden, wäre das eine Katastrophe.“