Wissenschaftsjahr Plastikpiraten auf Umweltkurs

Einige der „Plastikpiraten“
Einige der „Plastikpiraten“ | Foto (Ausschnitt): © BMBF/Wissenschaftsjahr 2016*17

Das  Wissenschaftsjahr 2016/17 stellt Meere und Ozeane in den Mittelpunkt. Im Rahmen einer Mitmach-Aktion erforschen Jugendliche, wie stark Gewässer von Plastikmüll belastet sind.

Schildkröten, deren Panzer von Plastikfäden eingeschnürt sind. Tote Seevögel mit aufgeschnittenen Mägen voller bunter Kunststoffteilchen. Es sind solche Bilder, die eindringlich vor den Folgen der Verschmutzung der Meere warnen. Jährlich landen bis zu 12,7 Millionen Tonnen Plastikabfall im Meer. Fast zwei Drittel des Plastikmülls in Europa stammen von Einwegverpackungen, wie sie im Alltag verwendet werden. Eine handelsübliche Getränkeflasche braucht im Wasser rund 450 Jahre, bevor sie zersetzt ist.

Die Verunreinigung der Meere hat schwere Folgen für die Tierwelt. Mehr als eine Million Seevögel und rund hunderttausend andere Lebewesen sterben jährlich an Plastikmüll. Ganz zu schweigen von den noch unbekannten Folgen für den Menschen, wenn Fische, Muscheln und Garnelen Mikroplastik aufnehmen. Das sind Plastikteilchen von weniger als fünf Millimetern Größe. Sie kommen von verwitterten Gegenständen oder aus der Kosmetikindustrie.

„Das Meer beginnt hier!“

Um die Belastung der Meere durch Plastik umfassend zu erforschen, investiert die deutsche Bundesregierung 28 Millionen Euro in ein großangelegtes Programm. Und auch das Wissenschaftsjahr 2016/17 widmet sich dem Thema.  Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD) haben die Wissenschaftsjahre im Jahr 2000 initiiert. Sie sollen den Dialog zwischen Forschung und Öffentlichkeit über aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen fördern. Jedes Jahr steht ein anderes Thema im Mittelpunkt, begleitet von zahlreichen Mitmachaktionen. Dazu gehört diesmal das Projekt Plastikpiraten: Kinder und Jugendliche haben dafür Gewässer in Deutschland in den Blick genommen. Sie untersuchten Bäche, Flüsse und Flussufer, die Daten wurden auf einer digitalen Karte dokumentiert. Motto: „Das Meer beginnt hier!“
 
Denn neben Meeren und Ozeanen sind die europäischen Flüsse in den Fokus von Umweltschützern gerückt. Das lernen auch die Zehntklässler der Integrierten Gesamtschule Volkmarode in Braunschweig im Fach Ökologie. Auf Initiative ihrer Lehrerin Jana Gömmer haben die Jugendlichen an der Aktion Plastikpiraten teilgenommen und einen Abschnitt der Oker genauer unter die Lupe genommen. Die Oker ist ein 128 Kilometer langer Fluss in Niedersachsen. Erst über Umwege, nämlich über Aller und Weser, gelangt die Verschmutzung von hier in die Nordsee. Die Schüler fanden Kronkorken mit Plastikeinlage, Flaschen, eine CD.  Zusammen mit dem Netz, das eine Stunde lang Mikroplastik aus dem Wasser der Oker filterte, schickten sie alle Funde nach Kiel.

Forschungspartner aus Kiel und Coquimbo

Das Schülerlabor an der Universität Kiel und die Arbeitsgruppe Meeresbiologie der chilenischen Universität Católica del Norte in Coquimbo werten die Proben der Teilnehmer gemeinsam aus. „Plastikmüll in und an Fließgewässern ist vielerorts noch unerforscht. Die Plastikpiraten helfen uns dabei, diese Lücke zu schließen“, erklärt die Meeresbiologin und Laborleiterin Katrin Knickmeier. „Wir erhoffen uns Antworten auf Fragen wie: Welche Flüsse in Deutschland sind besonders verschmutzt? In welchem Bundesland gibt es den meisten Müll am Fluss? Sind große Flüsse belasteter als kleine – und wie gefährlich ist der Plastikmüll?“
 
Weil sie dazu beitragen, dass die Wissenschaft Ideen zum Schutz der Meere entwickeln kann, seien die Schüler besonders motiviert, sagt Lehrerin Jana Gömmer: „Sie sind begeistert, weil ihre Aktion nicht im Sande verläuft, sondern einen echten wissenschaftlichen Nutzen hat.“ Von der Kieler Forschungswerkstatt erfahren sie auch, wie sie im eigenen Alltag Plastikmüll vermeiden können. „Es stärkt das Bewusstsein der Jugendlichen, dass viele kleine Dinge am Ende ein Großes ergeben.“