Deutsch für Kinder
Frühe Mehrsprachigkeit

Luftballons © © Beate Widlok Luftballons © Beate Widlok

Kinder sind in der Lage, sich in einer für sie fremdsprachlichen Umgebung pragmatisch zu verhalten. Auch wenn sie noch nicht in der neuen Sprache kommunizieren können, spüren sie, dass sie über Sprache eine Situation herstellen können und mit anderen interagieren können. Wenn ihr Interesse an einer Interaktion mit anderen Kindern zum Beispiel geweckt wird, lernen sie schnell und steigen in den Bildungsprozess ein. Sie lernen eine neue Sprache. Sprachliche Vorbilder und interessante und kindgerechte Angebote können dieses Interesse wecken und die Kinder inspirieren.

Unabhängig davon, wie Kinder fremden Sprachen begegnen und ihnen ausgesetzt sind, stellt sich die Frage nach dem Begriff der Mehrsprachigkeit allgemein, was darunter zu verstehen ist, warum das Erlernen anderer Sprachen sinnvoll und unterstützenswert ist und wie sich zum Beispiel in Europa die sprachliche Situation darstellt.
 


Mehrsprachigkeit ist die Fähigkeit von Gesellschaften, Institutionen, Gruppen und Individuen sich im täglichen Leben mit mehr als einer Sprache auf einer normalen Ebene zu engagieren.
 
Britta Hufeisen:
„Mehrsprachigkeit heißt, in mehr als zwei Sprachen oder Varianten von Sprachen handlungskompetent zu sein. Zweisprachigkeit ist nur eine Unterform von allgemeiner Mehrsprachigkeit und nicht die weltweite Norm. Dabei zählen zum Sprachbegriff auch regionale Sprachen, Dialekte und Zeichensprachen.“
 
Und hier geht's zu kontroversen Meinungen zum Thema:
Bundeszentrale für politische Bildung: 
Sprachenvielfalt


Mehrsprachig sind:
  • Menschen, die eine Nationalsprache + 1 Minderheiten – oder Regionalsprache sprechen
  • Menschen, die eine Migrantensprache + die Sprache ihres Gastlandes sprechen
  • Menschen, die in Familien oder Gegenden aufwachsen, in denen mehrere Sprachen benutzt werden
  • Gruppen/Gesellschaften, die mehrere unterschiedliche Sprachen für möglicherweise unterschiedliche Situationen verwenden

Nach Hans-Jürgen Krumm gibt es drei Argumente für eine systematische und aktive Sprachenpolitik zugunsten von Mehrsprachigkeit:
  1. Das Argument der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Dominanz
  2. Das „heritage and biodiversity“-Argument: Vielfalt als Reichtum
  3. Das „democratic citizenship“-Argument: Teilhabe und sozialer Zusammenhalt

Darauf versucht die Publikation der EU-Kommission aus dem Jahre 2005 eine Antwort:
Sprachen

Informationsbeschaffung, Kommunikation und Interaktion passieren heute auf allen Ebenen über sprachliche und kulturelle Grenzen hinaus.

Der virtuelle und globale Austausch erfordert ein tiefes interkulturelles Verständnis, das durch Sprachenkenntnisse überhaupt erst möglich ist.
Lesen Sie hierzu einen Beitrag von Dieter Dräxler: 

Wenn Kinder erkennen, dass Ihnen eine andere Sprache echte Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet und sie die Motivation aufbringen, diese Sprache zu erlernen, bringen junge Kinder schon allein auf Grund ihres frühen Entwicklungsstadiums bessere Voraussetzungen für diesen Lernprozess mit als Jugendliche oder Erwachsene. Hierzu eine Beitrag von Reinhard Roth, Managementdirecor der Primarschule der JFK-schule Berlin.

Mehrsprachige Kinderbücher machen es Eltern leicht, ihren Kindern vorzulesen, zunächst in der Muttersprache – und dann eignet sich das übersetzte Äquivalent zum Selberlesen oder für andere Muttersprachler oder auch für die Eltern selbst, wenn sie die fremde Sprache schon gut beherrschen.

Es gibt inzwischen viele Verlage, die mehrsprachige Kinderbücher herausgeben. Die jährlich aktualisierte Broschüre des bi:libri-Verlags fasst zusammen, um welche Verlage es sich handelt.
bi:libri-Verlags

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