Deutsch für Kinder
Oft gestellte Fragen

Uns erreichen häufig Fragen von besorgten Eltern oder von Lehrenden zum Frühen Fremdsprachenlernen. Die Fragen kommen sowohl aus Deutschland, wo neu eingereiste Kinder schnell Deutsch lernen müssen, weil sie bald in die Schule sollen. Oder aber sie kommen aus verschiedenen Regionen dieser Welt. Dort entstehen DaF-Kinderkurse, weil Eltern sich für die sprachliche Bildung ihrer Kinder einsetzen und solche Kurse aufbauen wollen oder weil die Bildungslandschaft sich über die Behörden an diesen Bedarf anpasst.

Die folgenden Fragen spiegeln einen Teil der Sorgen wider. Wir haben versucht, die Antworten allgemeinverständlich aufzugreifen. Weitere solcher Fragen und Antworten werden folgen. Schrieben Sie uns, was Sie hierzu interessiert!


>> Mein Kind soll demnächst den Deutschen Kindergarten/die Deutsche Schule (im Ausland) besuchen.  Ich selbst spreche kein Deutsch. Wie kann ich mein Kind auf die neue Situation vorbereiten?


Natürlich ist es gut, so früh wie möglich mit dem Fremdsprachenlernen zu beginnen. Allerdings kann eine beim Kind vorhandene Vorfreude durch zu viel Input und Ehrgeiz der Eltern leicht beeinträchtigt werden und so ein negativer Effekt entstehen. Finden Sie heraus, was Ihr Kind gern macht und versuchen Sie vielleicht, über spielerische Angebote wie Mitmachlieder, Abzählreime, kindgerechte Filmangebote, Malprogramme, die sprachlich begleitet werden, Puzzle- oder Memory-Spiele etc. behutsam auf die neue Sprache und die neuen Laute aufmerksam zu machen.

Sie finden auf unserer Webseite dazu auch einige Angebote.

>> Wir leben seit kurzem in Deutschland. Mein Kind soll hier demnächst in die Schule gehen. Wie kann ich es sprachlich fördern?

Hier in Deutschland ist Ihr Kind vielfältigen sprachlichen Einflüssen ausgesetzt, die den Erwerb der zweiten Sprache leichter machen, als das normalerweise beim Fremdsprachenlernen der Fall ist. Aber Ihr Kind spürt natürlich, dass es nicht mehr so leicht in seiner Muttersprache kommunizieren kann wie vorher und ist vielleicht verunsichert. Wenn es eine Motivation hat, zu kommunizieren, wird es selbst Anstrengungen unternehmen und vermutlich schnell Fortschritte machen. Das heißt, wenn es z.B. in einer Kindergruppe ist, in der niemand seine Sprache versteht, ist die Motivation größer als in einer Gruppe, in der einige Kinder sich als homogene Sprachgruppe von deutschsprachigen Kindern absondern können.

Ihr Kind wird aber Ihnen gegenüber das Gelernte vermutlich nicht so deutlich zeigen, sondern es still für sich üben und ausprobieren, bis es sich sicher fühlt. Fordern Sie deshalb keine Resultate, sondern beobachten Sie und machen Sie möglichst viele Angebote.

>> Wir sind Deutsche und leben seit kurzem im Ausland. Unser Kind geht in einen örtlichen Kindergarten, spricht dort aber nicht. Wie können wir es zum Sprechen bringen? Sollen wir zu Hause weiter Deutsch sprechen? Oder die Landessprache zu sprechen versuchen?

Sprechen Sie zu Hause weiter die Muttersprache, denn Ihr Kind soll die ja weiterhin gut beherrschen und sich zu Hause fühlen. Ihr Fremdspracheninput wäre ja auch vermutlich kein gutes Vorbild, und das würde Ihr Kind auch sofort spüren und Sie nicht ernst nehmen. Ermöglichen Sie Ihrem Kind viele Kontakte zu Gleichaltrigen im Land, die ihm ein sprachliches Vorbild sind und an denen es sich orientiert. Geben Sie ihm Zeit, es wird seine Leistungen erst testen, und vermutlich sind die Eltern die Letzten, die die Erfolge vorgeführt bekommen.


>> Ich bin Lehrkraft für die Sekundarstufe und soll nachfragebedingt nun Kinderkurse in Deutsch als Fremdsprache anbieten, bin aber mit den Methoden und Materialien nicht vertraut. Wie kann ich mich schnellstmöglich einarbeiten? Welches sind grundlegende Methoden für frühe Fremdsprachenlernende?

Sie bringen gute Voraussetzungen mit, da Sie vermutlich sicher im Gebrauch der Fremdsprache sind und so ein gutes sprachliches Vorbild für die Lernenden sind. Wir bieten ein paar grundlegenden Information auf dieser Internetseite an (www.goethe.de/kinder), besonders das Schnupperangebot fasst die wichtigsten Methoden und methodischen Prinzipien gut zusammen: Handlungsorientierung, spielerisches Lernen, Lernen mit Musik, szenisches Spiel, Einsatz von Handpuppen. Vor allem ist es wichtig, klar strukturiert vorzugehen,  deutlich zu sprechen und den Kindern gut zuzuhören.


>> Ich spreche ein bisschen Deutsch (A2-Niveau ungefähr), und die Eltern in meinem Dorf haben mich gebeten, ihren kleinen Kindern (3-4 Jährige) Deutschkurse zu erteilen. Halten Sie das für richtig?

Im Prinzip sagen wir: Je jünger die Lernenden, desto besser sollten die Lehrkräfte die Fremdsprache beherrschen. Denn die Kinder orientieren sich sehr stark an ihrem sprachlichen Vorbild, und Fehler z.B. in der Aussprache oder im Satzbau, die sich in diesem Alter einprägen, lassen sich später nur sehr schwer wieder abbauen. Benutzen Sie deshalb für Ihren Kurs möglichst viel authentisches Audio- und Video-Material, arbeiten Sie mit Liedern und Bewegung. Bereiten Sie sich sehr genau vor und prüfen Sie laufend Ihr eigenes Sprachvermögen und versuchen Sie, es sukzessive zu verbessern. Erklären Sie den Eltern dieser noch sehr jungen Lernenden vorab, dass sie keine zu große Erwartungshaltung aufbauen dürfen und dass sie ihre Kinder nicht unter Leistungsdruck setzen sollen.


>> Hier vor Ort entstehen Kinderkurse in Deutsch als Fremdsprache, allerdings nur für eine geringe Schülerzahl. Außerdem ist die Lernergruppe altersmäßig heterogen, das Alter geht von 6-Jährigen bis zu 12-Jährigen. Wie kann ich da vorgehen?

Das ist eine große und entscheidende Altersspanne, in der die Kinder entwicklungs­psychologisch gesehen sehr unterschiedliche Bedürfnisse, Fähigkeiten und Interessen haben. Es empfiehlt sich, den Lernstand und die Lernmotivation genau zu prüfen und mit jedem einzelnen Kind und auch mit den Eltern zu überlegen, was eigentlich angestrebt werden soll. Auf jeden Fall muss differenziert vorgegangen werden; vielleicht lassen sich aber die älteren Kinder schon nach einer kurzen Vorlaufzeit als „Lehrer“ der jüngeren Kinder einsetzen?


>> Ich biete Deutsch als Fremdsprache in einem Kindergarten an. Leider sind manche Kinder total unmotiviert und stören den Unterricht sehr. Wie kann ich diese Kinder zum Sprachenlernen motivieren?

Manche Kinder haben aus gesundheitlichen Gründen Probleme, sich länger zu konzentrieren; diesen Kindern können Sie im Klassenverband vermutlich nicht adäquat begegnen, sondern müssen ihnen gezielt bestimmte Aufgaben geben, um sie einzubinden. Wenn Sie den Eindruck haben, dass es eine allgemeine Unruhe gibt und einzelne Kinder dazu anstiften, sollten Sie prüfen, welche Kinder das sind, einzeln mit ihnen oder auch den Eltern sprechen, um herauszufinden, wofür sie sich interessieren und was ihnen weniger Spaß macht und dann versuchen, Lernaufgaben zu finden, mit denen sie sich über eine gewisse Zeit beschäftigen können. Hören Sie den Kindern genau zu, es gibt sicher Gründe dafür, warum sie nicht mitmachen. Andererseits sollten alle Kinder auch wissen, dass die Lehrerin/der Lehrer den roten Faden vorgibt und alle lernen müssen, sich in einer Gruppe einzufügen.


>> Wenn Kinder in ihrem Land mit einer anderen als der lateinischen Schrift in der Schule beginnen, sie aber schon ab der 1. Klasse die Fremdsprache Deutsch lernen sollen, sollten man sie dann schon mit der Schrift konfrontieren?

Kinder, die gerade erst eingeschult werden, haben in der Regel noch keine sicheren Schriftkenntnisse. Wenn sie also zuerst eine andere als die lateinische Schrift lernen sollen (kyrillisch, arabisch, chinesisch etc.), ist es anzuraten, die Fremdsprache zunächst nur über das Hören und Sprechen einzuführen, und zwar so lange, bis die Kinder in der Muttersprachenschrift einigermaßen sicher sind oder selbst nach Verschriftlichung in der Fremdsprache fragen. Aber auch, wenn Kinder Französisch, Finnisch. Türkisch oder Englisch als Muttersprache haben, empfiehlt es sich beim Fremdsprachenfrühbeginn mit dem Hören und Sprechen anzufangen und mit dem Schreiben und Lesen erst später einzusetzen.


>> Ich kann nur wenig Deutsch, möchte mein Kind aber beim Lernen der deutschen Sprache fördern. Ich habe gehört, dass es hilft, Kindern viel vorzulesen. Soll ich meinem Kind viel auf Deutsch vorlesen, auch, wenn ich sicher mit Akzent vorlese?

Es ist für den allgemeinen Spracherwerb, das Verständnis für Textsorten und Schriftkultur äußerst förderlich, wenn Sie Ihrem Kind viel vorlesen und ihm viele Angebote aus der Schriftkultur machen. Wenn Ihr Kind die Muttersprache auf diese Weise gut und sicher lernt, wirkt sich das allgemein positiv auf das Lernen, auch auf das Fremdsprachenlernen, aus. Aber Sie sollten Ihrem Kinder nicht in der Fremdsprache vorlesen, wenn Sie sich in dieser Sprache nicht wirklich sehr sicher fühlen. Spielen Sie Ihrem Kind dann lieber ein Audiobuch vor.


>> Ab wann ist es sinnvoll, im Fremdsprachenunterricht mit einem Portfolio zu arbeiten?

Die Arbeit mit einem Portfolio soll den Lernenden helfen, den eigenen Lernstand zu erkennen und zu beobachten. Demzufolge kann man schon ganz früh damit anfangen. Das Goethe-Institut hat eine Vorlage entwickelt, die veranschaulicht, wie das auch schon erfolgen kann, wenn die Kinder noch nicht schrieben und lesen können.

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Kinderportfolio für das erste Fremdsprachenlernen

Sobald also das Fremdsprachenangebot einsetzt, z.B. schon in der Vorschule, können Sie die Kinder an den Umgang mit dem Portfolio gewöhnen.


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