Sexualität

Jugend Sexualität © Colourbox

Wie gehen Jugendliche heutzutage mit ihrer Sexualität um?

Ein Blick auf die aktuelle Studie Jugendsexualität 2015 zeigt, dass nur die wenigsten Jugendlichen bereits mit 14 Jahren sexuell aktiv sind, mit 17 Jahren ist es etwa jeder zweite Jugendliche. Auch in Sachen Verhütung sind die Jugendlichen sehr verantwortungsbewusst: Nur acht Prozent der Jungen und sechs Prozent der Mädchen treffen keine Verhütungsvorkehrungen beim „ersten Mal“, 1980 beliefen sich die Zahlen noch auf 29 bzw. 20 Prozent.

Wo informieren sich die Jugendlichen?

Die wichtigsten Bezugspersonen für die Jugendlichen bei der Aufklärung sind Eltern, Lehrer und Freunde; Beratungsstellen hingegen spielen nur eine kleine Rolle. Möchten sich die Jugendlichen mit ihren Fragen aber nicht an diese Personen wenden, so stellt das Internet das am häufigsten genutzte Informationsmedium dar, gefolgt von Jugendzeitschriften, die von den Mädchen noch regelmäßig zu Rate gezogen werden. Im Internet bewegen sich die Jugendlichen auf Aufklärungs- oder Beratungsseiten, sind aber auch in Chats aktiv, in denen sie ihre Fragen austauschen können.

Anders als die anderen: LSBT-Jugendliche

Lesbische, schwule, bisexuelle oder transsexuelle (abgekürzt als LSBT) Jugendliche sehen sich vielen Schwierigkeiten ausgesetzt. Aber wie gehen Jugendliche damit um? Dieser Frage widmete sich das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und führte eine Befragung von 14 bis 27-jährigen LSBT-Jugendlichen durch. Diese erzählten in Interviews vom Prozess des Coming-Outs, sowohl dem inneren, als auch dem äußeren, und wie ihr Leben danach weiter ging.

Das Bewusstwerden einer anderen Sexualität beginnt häufig im Jugendalter. Die Befragten gaben, wenn sie dies zeitlich einordnen konnten, an, zwischen 13 und 16 Jahren ein Bewusstsein für ihre nicht heterosexuelle Neigung bekommen zu haben. Dieses Bewusstwerden, auch inneres Coming-Out genannt, stellt für die Jugendlichen selbst meist einen langen und schwierigen Prozess dar. Häufig fühlen sich die Jugendlichen durch die Frage, wie sie mit ihrer Sexualität umgehen sollen, belastet. Daher kommt gerade hier dem Internet eine besondere Bedeutung zu, da Jugendliche dort die Möglichkeit haben, sich heimlich und anonym informieren zu können, ohne sich Bekannten zu offenbaren. Mit anderen darüber zu sprechen ist beim Coming-Out für die Jugendlichen nämlich besonders wichtig, ebenso wie der Kontakt mit anderen LSBT-Jugendlichen.

Mit durchschnittlich 16,9 Jahren, also etwa 1,7 Jahre nach dem inneren Coming-Out, gehen die Jugendlichen dann den nächsten Schritt, das äußere Coming-Out. Bei Transgender-Coming-Outs ist das Durchschnittsalter etwa 18,3 Jahre. Meist kommt es zum Coming-Out, da die Jugendlichen über ihre Gefühle reden wollen und sich nicht mehr verstecken möchten. Insgesamt sind die Reaktionen der Bezugspersonen positiv. Insbesondere im Freundeskreis empfinden die Jugendlichen das Coming-Out am unproblematischsten. Zwar akzeptiert auch ein Großteil der Eltern die sexuelle Neigung ihrer Kinder, jedoch kommt es häufig vor, dass die Eltern „geschockt“ reagieren und für sich selbst Zeit brauchen, um mit der neuen Situation klar zu kommen. Generell wird das Coming-Out bei den Eltern von den Jugendlichen aber negativer empfunden, als bei den Freunden. Das Coming-Out an der Schule wird häufig ganz zu vermeiden versucht, da Ablehnung und Mobbing erwartet wird.

Neben Websites, die über das Thema informieren, sind 95 Prozent der Jugendlichen jährlich stattfindende Straßenfeste wie z. B. der Christopher-Street-Day bekannt, sowie LSBT-Cafés, Bars und Partys, die etwa 86 Prozent kennen oder LSBT-Jugendgruppen oder -beratungsstellen (76 Prozent). Wenn auch die Angebote relativ bekannt scheinen, so werden sie trotzdem nicht von allen LSBT-Jugendlichen angenommen. Etwa die Hälfte der Jugendlichen hat schon einmal eine LSBT-Party oder Bar oder den Christopher-Street-Day besucht, nur ein Viertel geht in LSBT-Jugendzentren und nur 15 Prozent haben schon einmal eine Beratungsstelle aufgesucht. Bei jedem Dritten hängt die Nicht-Nutzung damit zusammen, dass keine Angebote vor Ort sind, was insbesondere in ländlichen Regionen der Fall ist, ansonsten stellt die Möglichkeit, „gesehen zu werden“ ein Problem für die Jugendlichen dar.

 
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