Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das Goethe-Institut
Jakob Racek

1. Welche drei Dinge schätzt du an deinem Arbeitgeber?

Integrität: Das Goethe-Institut ist ein verlässlicher und transparenter Arbeitgeber. Leistung wird wertgeschätzt, aber ohne Konkurrenzdenken und Maximalisierung. Gerade jetzt – in Zeiten von Corona – zeigt sich auch, wie wichtig das unsichtbare Band der Fürsorge untereinander ist. Als Institutsleiterfühle ich mich derzeit sehr stark beansprucht, aber man bekommt auch Unterstützung und Zuspruch, sei es vom Regionalinstitut bzw. von der Zentrale, oder auf kollegialem Wege. 

Offenheit für Neues: Zugegeben, das Goethe-Institut hat sicher nicht den Innovationsgrad eines Tech-Startups. Aber wir stellen uns den Fragen der Zeit. Diese Offenheit ist auf ganz unterschiedlichen Ebenen zu erkennen – im Streben um den Bürokratieabbau ebenso wie in der Kultur-, Sprach- und Informationsarbeit. Wichtig erscheint mir, dass an solchen Innovationsprozessen alle Mitarbeiter*innen mitwirken können. 

Unabhängigkeit: Im Vergleich mit anderen nationalen Kulturinstituten haben wir durch unseren besonderen Status sowohl in der strategischen Entwicklung unserer Ziele, als auch in der Projektarbeit und Kommunikation mit Partnern vor Ort ein hohes Maß an Souveränität. Darum beneiden uns sicher viele andere Länder. 

2. Was macht deine jetzige Stelle aus? Welche deiner Fähigkeiten kannst du hier voll einbringen?

Als Institutsleiter*in hat man über vieles den Überblick und verliert auch manches aus dem Blick. Man lernt zu akzeptieren, dass man nicht alles wissen, steuern und kontrollieren kann. Und genau dieses Unkontrollierbare muss man in seinen Entscheidungen immer mit berücksichtigen. Dirk Baecker nennt das „postheroisches Management“ und meint damit eine manageriale Intelligenz, die den Zusammenbruch des Systems immer schon mitdenkt. Ich stelle mir gerne vor, dass alles, was ich über ein Problem, einen Prozess nicht weiß, zugleich meine potenzielle Ressource ist. Ich kann darauf bei der Lösung des Problems zurückgreifen.

3. Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen auf einer Institutsleiterstelle?

Ganz konkret: Unterschiedliche Standards und Ansprüche im Gastland und in Deutschland bzw. der eigenen Institution. Das fängt bei den Wertvorstellungen an und endet bei konkreten Vertragsabschlüssen. Dabei entstehen unentwegt Fragen und Probleme, für die es keine klaren Regeln gibt und die letztendlich nur durch Entscheidung der Leitung abzuschließen sind. Damit nimmt man viel Verantwortung auf sich. 

In Belarus ist auch die Erwartungshaltung zivilgesellschaftlicher Partner sehr hoch, da wir neben dem Polnischen Institut die einzige Kulturvertretung eines Europäischen Mitgliedstaates sind. Ich mache mir sehr viele Gedanken darüber mit welchen Angeboten wir besonders eine neue Generation von Influenzer*innen, sozialen und kulturellen Start-ups und Aktivist*innen adressieren können. 

4. Was war für dich bislang die schönste Erfahrung am Goethe-Institut?

Meine schönste Erfahrung ist eine alltägliche. Ich gehe jeden Morgen gerne ins Institut. Ich freue mich auf die Menschen, die mir dort begegnen werden. Gerade in den letzten Wochen habe ich festgestellt, wie sehr mir dieser Austausch mit Kolleg*innen vor Ort und mit der Welt fehlt. Das kann keine App ersetzen. In Minsk vermissen wir den Austausch inzwischen so sehr, dass wir letzte Woche einen virtuellen Chor gegründet haben. Bei der ersten Probe haben sich fast 100 Menschen zugeschalten, darunter auch Kursteilnehmer*innen und Freunde.. Ich glaube, der Gesang war nicht nur wohlklingend. Aber wir hatten einfach eine gute Zeit miteinander. Dieser Mikrokosmos um unser Institut herum ist wirklich einmalig.

5. Fällt dir ein Bild/ eine Metapher für das Goethe-Institut ein? Beschreib mal!

Ich habe ein Hobby: das Pilzesammeln. Da lernt man viel über Netzwerke und wie Organismen zusammenwirken. Für mich ist das weltweite Netzwerk der Goethe-Institute so ein Rhizom aus Fäden, Körpern und Stoffen, die alle untereinander kommunizieren. In letzter Zeit drängt sich mir neben dem Myzel noch eine weitere Analogie aus der technologischen Welt auf: die Blockchain. Auch sie ist ein heterogenes Netz, allerdings mit einem gemeinsamen Protokoll, sagen wir mal: unserem institutionellen Gedächtnis, an dem wir alle gemeinsam fortschreiben. 
 
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