Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das Goethe-Institut
Marina May

1. Warum arbeitest du für das Goethe-Institut?

Ich muss ehrlich zugeben, ich bin eher ein bisschen zufällig beim Goethe-Institut gelandet. Es gab die Ausschreibung zum Volontariat, ich brauchte eine Ablenkung von der Promotion und Ausland klang prima. Während des Auswahlprozesses hat mich dann der Ehrgeiz und die Lust gepackt und ehe ich mich versah, saß ich in Hanoi, Vietnam. Es war vor allem dort, dass ich die Arbeit, die das Goethe-Institut weltweit leistet, ungemein zu schätzen lernte. Gerade in Vietnam konnte man direkt die Ergebnisse der eigenen Arbeit sehen, den Nutzen und auch die Notwendigkeit. Meinen heutigen Mann habe ich dort übrigens auch getroffen, er sah seine Zukunft ebenfalls vor allem im Ausland, und so sind wir diesen Weg gemeinsam gegangen. Ich sehe bei meinem Arbeitgeber vor allem die Möglichkeit, meine verschiedensten Fähigkeiten und Kenntnisse einzubringen. Das Goethe-Institut kann da ein sehr befriedigender Arbeitgeber sein, der seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Abwechslung und viel Gestaltungsspielraum bietet.

2. Was sind deine aktuellen Aufgaben und was hast du vorher gemacht?

Ich bin gegenwärtig Institutsleiterin am Goethe-Institut Boston und hier für Programme in ganz Neuengland zuständig. Meine Laufbahn am Goethe-Institut habe ich 2008 mit dem Auslandsvolontariat in Vietnam, Hanoi, begonnen. Im Anschluss habe ich als sogenannte Expertin für Kultur, das Deutschlandjahr in Vietnam gemanaged. Nach meiner Zeit in Vietnam wechselte ich in die Zentrale in den Bereich „Kultur und Entwicklung“, wo ich unter anderem für das Onlineangebot „MOOC- Managing the Arts“ (ein digitales Fortbildungsprogramm für Kulturmanager) zuständig war. Fast auf den Tag genau zum Startschuss für den MOOC kam dann meine Tochter zur Welt. Nach meiner Elternzeit war ich direkt bei der Abteilungsleitung Kultur verortet, wo ich das Projekt „Goethe-Institut Damaskus im Exil“ betreut habe. Von München ging es im Anschluss weiter nach Shanghai als Leiterin der Abteilung Kultur und Bildung am Generalkonsulat Shanghai, was dort die Aufgaben eines Goethe-Instituts wahrnimmt. Dort kam übrigens mein Sohn zur Welt. Ich erwähne das deshalb gerne, um zu zeigen, dass sich eine Institutsleitung im Ausland und Kinder vereinbaren lassen, auch wenn es da sicherlich noch Optimierungsmöglichkeiten gibt.

3. Wie ist das, beim Goethe-Institut zu arbeiten? Welche drei Dinge fallen dir spontan ein?

Aktuell arbeite ich in den USA, deshalb fällt mir zuerst ein Ausspruch aus dem hiesigen Kulturraum ein: „Never a dull moment...“. Das trifft glaube ich weltweit für fast alle Tätigkeiten am Goethe-Institut zu, es kehrt selten Routine ein und man befindet sich in einem stetigen Lernprozess. Als Erfahrung aus China nehme ich sicherlich auch mit, dass die Arbeit für das Goethe-Institut ständige Selbstreflexion beinhaltet. Man wird früher oder später an den Punkt kommen, die eigene Herangehensweise im Spiegel einer anderen kulturellen Identität in Frage zu stellen. Dies bedeutet nicht Anpassung, aber sicherlich bisweilen eine Neuausrichtung.  Das dritte ist eher ein persönlicher Aspekt. Die Arbeit am Goethe-Institut beeinflusst das eigene Privat- und Familienleben sicherlich deutlich nachhaltiger als viele andere Berufe. Deshalb würde ich noch den ständigen Aushandlungsprozess nennen, das Zusammenbringen von familiären, privaten Belangen mit dem Prinzip der Rotation und deren Notwendigkeiten. Da muss man auch mal aus der Komfortzone raus, was aber genau das inspirierende Element ist, das ich an meiner Arbeit schätze.

4. Was war für dich bisher das schönste Erlebnis bei deiner Arbeit am Goethe-Institut?

Das mag jetzt ein wenig verklärend klingen, aber ich muss sagen, dass ich viele wirklich schöne Erlebnisse am Goethe-Institut hatte. Wenn ich wirklich eines herausgreifen müsste, dann vermutlich die letzte Veranstaltung im Deutschlandjahr in Vietnam. Eine Uraufführung von Tankred Dorsts „Parzival“, mit mehr als 100 Beteiligten:  vietnamesischen Schauspieler*innen, Tänzer*innen, Sänger*innen, Bühnenbildern, Kostümbildnern sowie einem deutschen Team. Tankred Dorst hat das Libretto geschrieben und war auch vor Ort. Meine Kollegin Huong und ich haben über Monate die Produktion gemanaged, angefangen von der Finanzübersicht (ein Alptraum), Erstellung aller Verträge (hunderter), die Beschaffung aller Materialien (bis hin zu Großeinkäufen auf dem lokalen Stoffmarkt für die Kostüme), Probenplan, kulturellen Missverständnissen zwischen den deutschen Beteiligten und der vietnamesischen Seite, Wasserschäden, nächtlichen Transportfahrten und Anfragen aus dem deutschen Fernsehen, 20 Minuten vor Premiere...  Am Tag der Aufführung waren kaum noch Emotionen übrig, als sich vor den Augen von Monika Grütters, vietnamesischen Ministern sowie mehr als 700 Zuschauer*innen der Vorhang im eiskalten Hanoier Opernhaus hob. Ich traute mich nicht, hinzuschauen, sondern saß im dunklen Treppeneingang und habe nur zugehört. Aber allein durch die Tonebene war zunehmend offenkundig, wie elektrisiert das Publikum war, dass hier gerade etwas ganz Besonderes passierte, etwas in Vietnam noch nie Dagewesenes. Das sind solche Momente, die alles vergessen lassen und bei denen man glücklich ist, dabei gewesen zu sein.

5. Was bietet dir dein Arbeitgeber?

Das Goethe-Institut bietet seinen Mitarbeiter*innen ein unkonventionelles Berufsleben. Es ist definitiv kein 9-to-5 Job, und regelmäßig lässt man sich überraschen, wo es als nächstes hingeht. Darüber hinaus hat man es mit ungemein spannenden Menschen zu tun, mit denen sich häufig sehr schnell enge Verbindungen aufbauen. Relevante Diskurse unserer Zeit lassen sich direkt in das Wirken integrieren. Man hat das Gefühl, ein klein wenig auch die Zukunft mitzugestalten. Und ganz praktisch bietet mein Arbeitgeber viele Fortbildungsmöglichkeiten, eine gute Absicherung und wirklich ganz wunderbare Kolleginnen und Kollegen weltweit.

6. Was würdest du einem Freund oder einer Freundin raten, der oder die sich beim Goethe-Institut zum Beispiel auf eine Stelle mit weltweiten Einsatzmöglichkeiten bewerben möchte? Wie soll er oder sie sich vorbereiten?

Als erstes würde ich meiner Freundin oder meinem Freund raten, in sich zu gehen, ob die Rotation, also regelmäßig wechselnde Einsatzorte, wirklich das richtige Lebensmodell ist. Denn dies hat viele reizvolle Aspekte, aber auch seine Herausforderungen. Denn das Goethe-Institut hat 159 Standorte weltweit, Klima, Luftverschmutzung, herausfordernde politische Systeme, Krisenherde und die Vereinbarkeit mit Partner und Familie können eine Belastung sein. Wenn da ein klares Ja kommt, würde ich raten, den aktuellen deutschen Diskursen zu folgen, Feuilletons zu lesen, ins Theater, ins Kino, in Ausstellungen zu gehen. Sich mal auf den Goethe-Seiten und Facebookauftritten weltweit herumtreiben, sich ein Bild davon machen, was das Goethe-Institut gegenwärtig bewegt. Zudem sollte man ein bisschen ins sich hineinhören: wie agiere ich im Team, welches Verständnis von Führung habe ich, wie gehe ich mit Stresssituationen um. Dann aber auch ganz selbstbewusst überlegen, was kann ich zur Arbeit des Goethe-Instituts beitragen, was würde ich vielleicht sogar anders machen? Und das allerwichtigste: einfach gelassen bleiben!

 
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