Digitale Kompetenz Welche digitalen Kompetenzen brauchen Lehrkräfte heute?

Digitale Kompetenz der Lehrerkraft
© adobe.stock

Sicher ist, dass wir alle in einer Welt leben, in der digitale Medien eine große Rolle spielen. Wir kommunizieren, wir informieren uns, wir konsumieren und wir vergnügen uns im Internet und via soziale Medien. In der Arbeitswelt sind die digitalen Medien ein Muss, in der Schule wird ihr Einsatz aber immer noch kontrovers diskutiert.
 

Die deutsche Politik hat gerade große Investitionen in den Bereich der digitalen Medien an Schulen beschlossen. Umso dringlicher stellt sich daher die Frage, wie Lehrkräfte in Zukunft mit diesem Thema umgehen sollen.

DIGITALPAKT SCHULE

Durch den vom Bundestag verabschiedeten DigitalPakt Schule mit einem Budget von 5 Milliarden Euro werden die Schulen in Deutschland bald technisch besser ausgerüstet. Die Klassen sollen mit WLAN, neuen Laptops und interaktiven Tafeln ausgestattet werden. Über Online-Plattformen soll „kollaboratives Lernen“ gefördert werden.

Aber auch das Bundesbildungsministerium weiß: „Kein Medium alleine erzeugt gute Bildung.“ Hier kommt es also wieder auf die Lehrerinnen und Lehrer an, die „gut qualifiziert sein [müssen], um digitale Medien nutzen und digitale Kompetenzen vermitteln zu können." 

Wenn Sie den Begriff „Digitale Kompetenz Lehrkräfte“ in eine Suchmaschine wie z.B. Google eingeben, erhalten Sie zwischen 750.000  bis 2.8 Millionen vorgeschlagene Seiten angezeigt. Woran können wir uns also orientieren?
 

EUROPÄISCHER RAHMEN FÜR DIE DIGITALE KOMPETENZ LEHRENDER

Die Europäische Kommission hat 2017 den „Europäischen Rahmen für die digitale Kompetenz Lehrender“ (DigCompEdu) veröffentlicht. Er liegt bislang auf Englisch vor und wurde nun vom Goethe-Institut ins Deutsche übersetzt. Digitalkompetenz © European Union 2017 Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) beschreibt die Ziele des DigCompEdu wie folgt:
 

„Der digitale europäische Kompetenzrahmen für Lehrkräfte soll dazu dienen, dass Lehrende ihren Kompetenzstand im digitalen Bereich ermitteln und so ihren persönlichen Weiterbildungsbedarf ermitteln können. Außerdem gibt er darüber Aufschluss, welche digitalen Kompetenzen an die Bürger von Morgen weitergegeben werden müssen. (…) Dass sich auch Lehrkräfte in einer immer digitaler werdenden Welt an die neuen Gegebenheiten anpassen müssen, sollte selbstverständlich sein. Doch handelt es sich bei den meisten der zu erwerbenden Kompetenzen nicht nur um eine neue Methodik, sondern auch das traditionelle Lehrerbild selbst wird dadurch durchaus in Frage gestellt. Dies stellt für nicht wenige Lehrkräfte eine erste Hürde dar, die es zu überwinden gilt. Erst wenn sie überwunden ist und Neugier auf das Neue und eine Bereitschaft, sich darauf einzulassen, vorhanden ist, kann der Lernprozess beginnen. Um dieses Stadium zu erreichen ist es zwingend notwendig, dass man sich der Tatsache bewusst wird, dass es um eine zeitgemäße Bildung für die nächste Generation und die Zukunft der Gesellschaft geht und man sich der Veränderung der Gesellschaft nicht verweigern kann.“

LMZ
 

Lehrkräfte sind also gefordert, ihre digitalen Kompetenzen einzuschätzen und aufzubauen.
 
 

DIE KOMPETENZBEREICHE DES DIGCOMPEDU

Der DigCompEdu unterscheidet drei Kompetenzbereiche für Lehrkräfte im digitalen Bereich:
  • die berufliche Kompetenz der Lehrenden
  • die pädagogische Kompetenz der Lehrenden
  • die Kompetenzen der Lernenden.

DigCompEdu Kompetenzrahmen © European Union 2017 Die DigCompEdu Matrix zur Selbsteinschätzung soll es Lehrenden ermöglichen, ihren Kompetenzstand zu ermitteln und besser zu verstehen, in welchen Bereichen sie ihre Kompetenz weiter entwickeln sollten.

 Digitalkompetenz im Überblick
Digitale Kompetenzen im Überblick/Ausschnitt © European Union 2017


Um die Selbsteinschätzung zu erleichtern werden für die sechs unterschiedlichen Kompetenzniveaus motivierende Rollenbeschreibungen vorgeschlagen, die sich an den sechs Stufen (A1/A2/B1/B2/C1/C2) des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) orientieren:
 
Einsteigerinnen und Einsteiger (A1) hatten bisher nur sehr wenig Kontakt mit digitalen Medien und brauchen Hilfe, um ein Repertoire an digitalen Strategien aufzubauen.

Entdeckerinnen und Entdecker (A2) haben digitale Medien für sich entdeckt und angefangen diese in ihrem beruflichen Umfeld einzusetzen, ohne jedoch einen umfassenden oder konsistenten Ansatz zu verfolgen.

Insiderinnen und Insider (B1) setzen digitale Medien in verschiedenen Kontexten und zu unterschiedlichen Zwecken ein. Sie entwickeln ihre digitalen Strategien stetig weiter, um besser auf unterschiedliche Situationen eingehen zu können.

Expertinnen und Experten (B2) nutzen eine Vielfalt digitaler Medien kompetent, kreativ und kritisch. Sie erweitern kontinuierlich ihr Repertoire an digitalen Praktiken.

Leaderinnen und Leader (C1) haben ein breites Repertoire an flexiblen, umfassenden und effektiven digitalen Strategien. Sie sind eine Quelle der Inspiration für andere.

Vorreiterinnen und Vorreiter (C2) stellen – als Experten auf dem Gebiet – die Angemessenheit üblicher digitaler und didaktischer Praktiken in Frage. Sie entwickeln neue und innovative digitale Lehrstrategien und sind ein Vorbild für andere Lehrende.
 

INSTRUMENTE ZUR SELBSTEINSCHÄTZUNG

Zur schnellen Selbsteinschätzung gibt es einen Selbsttest, den DigCompEdu Quick Check, der bislang nur in einer älteren Version auf Deutsch vorliegt. Eine aktuellere Version befindet sich gerade in der Fertigstellung.

SELFIE - Tool für Schulen © European Union 2017 Für Schulen und andere Institutionen steht seit Neuestem ein Tool zur Verfügung, das die Nutzung der digitalen Technologien im Unterricht und zu Lernzwecken analysieren kann: SELFIE = Self-reflection on Effective Learning by Fostering the use of Innovative Educational Technologies / Selbsteinschätzung des effektiven Lernens durch die Förderung der Verwendung von innovativen Bildungstechnologien.

SELFIE ist ein kostenloses, benutzerfreundliches und anpassbares Tool, um Schulen zu helfen, ihren aktuellen Stand beim Lernen im digitalen Zeitalter einzuschätzen. SELFIE sammelt – anonym – die Ansichten von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern und Schulleitungen über die Art und Weise, wie Technologien an ihrer Schule eingesetzt werden.
 

ANGEBOTE FÜR DAF-LEHRKRÄFTE AN SCHULEN IM AUSLAND

Wie fördert das Goethe-Institut die digitalen Kompetenzen der Deutschlehrkräfte im Ausland? Zwei Beispiele:
 
DIP IN SOE

DIP in SOE © Goethe-Institut
Das Projekt förderte im Zeitraum von 2015 bis 2017 mediengestütztes Lernen und Lehren an Schulen in der Region Südosteuropa (SOE). Unter dem Motto "digital-interkulturell-projektorientiert (DIP)" entstanden innerhalb dieser drei Jahre in den Ländern Bulgarien, Bosnien und Herzegowina, Griechenland, Kroatien, Rumänien und Serbien Kompetenz- und Fortbildungszentren, an denen ausgebildete Lehrkräfte (DaF- und Medien-Multiplikator(inn)en) ihre Kolleg(inn)en im Bereich des multimedialen Unterrichts unterstützen und fortbilden. Das Ziel des Projekts war die Einführung eines mediengestützten Unterrichtsmodells an insgesamt 12 Pilotschulen.
Nähere Informationen zu den Ergebnissen des Projekts finden Sie hier.
 
EDDU

Projekt EDDU Thailand © Goethe-Institut „Erfolgreich digital Deutsch unterrichten“ - Das Projekt EDDU der Region Südostasien (SAN) stellt Unterrichtsideen vor, wie Lehrkräfte digitale Medien in ihrem Unterricht einfach und erfolgreich einsetzen können, und zwar passend zu den technischen Voraussetzungen an ihren Schulen und mit allen Materialen, die sie brauchen. Bei EDDU finden Lehrkräfte konkrete Unterrichtsideen zum Einsatz von Chat-Apps, sozialen Medien, Videos, Fotos und anderen digitalen Tools zu den Themen, die in ihrem Lehrwerk vorkommen und die ihre Schüler und Schülerinnen interessieren.
Projekt EDDU © Goethe-Institut
Nähere Informationen zu EDDU finden Sie hier.