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Das Ankommen in Deutschland beginnt schon vor der Einreise

© Goethe-Institut

Die einen haben sich in einen Deutschen oder eine Deutsche verliebt und möchten sich hier ein neues Leben aufbauen. Die anderen hoffen auf berufliche Perspektiven im Herzen Europas. Wer eine Migration nach Deutschland plant, steht nicht alleine da. Im Rahmen des Projekts „Vorintegration in den Regionen Südostasien und Südosteuropa“ informiert das Goethe-Institut Migrantinnen und Migranten schon im Vorfeld über die Herausforderungen, die ein Umzug von Belgrad nach Berlin oder von Bangkok nach Buxtehude mit sich bringt.

Von Janna Degener-Storr

Es sind Informatiker, die in einer deutschen Firma in Belgrad arbeiten und auf ein Jobangebot in der Zentrale hoffen. Ärztinnen aus Izmir, denen schon eine Stelle in einem deutschen Krankenhaus versprochen wurde. Indonesische Ingenieure, bosnische Krankenschwestern, vietnamesische Altenpfleger, die hierzulande als Fachkräfte anheuern möchten. Und viele Frauen und Männer aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt, die sich hierzulande ein gemeinsames Leben mit ihrem deutschen Ehemann oder ihrer deutschen Ehefrau wünschen.

Tausende von Menschen in der ganzen Welt entscheiden sich Jahr für Jahr, ihren Lebensmittelpunkt nach Deutschland zu verlegen. Sie besuchen Deutschkurse, legen Prüfungen ab, beantragen Visa, buchen Flüge – und haben teilweise gar keine Ahnung davon, welches Leben sie in diesem fernen Land erwarten wird. Wie finden Neuzugezogene in Städten wie München oder Hamburg eine Wohnung? Stimmt es, dass die Menschen in Deutschland sich Fremden gegenüber distanziert verhalten? Wie fühlt es sich an, wenn man dauerhaft tausende von Kilometern von seinen engen Verwandten entfernt lebt? Und an wen können Migrantinnen und Migranten sich wenden, wenn sie Hilfe suchen?

Informationsangebote für Zuwandernde

Das Goethe-Institut liefert Zuwandernden Antworten auf solche Fragen und Unterstützung bei der Vorbereitung ihrer Migration – schon in den Herkunftsländern und lange vor dem Besuch des ersten Integrationskurses. Auf Internetportalen berichten Migrantinnen und Migranten, die bereits in Deutschland angekommen sind, per Video von ihrem Leben hier. Auch andere virtuelle Angebote wie etwa Facebook-Seiten, Blogs, Apps und Webinare entwickelt das Goethe-Institut im Rahmen seiner Vorintegrations-Projekte, um potentiellen Migrantinnen und Migranten auf niederschwellige Art und Weise eine realistische Vorstellung vom Leben in Deutschland zu vermitteln. Darüber hinaus bieten die Projekte diesen Menschen die Möglichkeit, kostenfreie Beratungen, Informationsveranstaltungen sowie Seminare über das Alltags- und Berufsleben in Deutschland in Anspruch zu nehmen – und zwar unabhängig davon, ob sie am Goethe-Institut einen Sprachkurs absolvieren oder sich für eine Prüfung angemeldet haben.

Seitdem nachziehende Ehegatten aus Nicht-EU-Ländern nach einer gesetzlichen Neuregelung im Jahr 2007 vor ihrer Einreise nach Deutschland Sprachkenntnisse auf A1-Niveau nachweisen müssen, bilden sie für das Goethe-Institut in den Herkunftsländern eine neue Zielgruppe, die insgesamt wenig Lernerfahrung und Vorwissen mitbringt. Neben Sprachkursen und Prüfungen finden seit 2008 in Südostasien, aber auch in der Türkei sowie in anderen Ländern in Südosteuropa Projekte zur Vorintegration sowie zur Harmonisierung des Übergangs von der Vorintegration in den Integrationskurs statt, die zunächst durch den Europäischen Integrationsfonds (EIF) und seit 2014 durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) gefördert werden.

Schwerpunkt Südostasien und Südosteuropa

Das aktuelle Projekt „Vorintegration in den Regionen Südostasien und Südosteuropa“ läuft seit dem 1. Juli 2018 und ist auf zwei Jahre angelegt. Die Arbeit in Indonesien, Kambodscha, Myanmar, Philippinen, Thailand und Vietnam wurde bereits im Vorgängerprojekt gestartet und wird nun fortgesetzt. Sri Lanka sowie die Region Südosteuropa mit den Standorten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Serbien und Türkei rücken jetzt erneut in den Fokus. Während der Schwerpunkt in den Vorgängerprojekten eher darauf lag, nachziehenden Ehegatten die Ängste vor der Migration zu nehmen und sie durch Förderunterricht auf Prüfungen vorzubereiten, soll hier nun eine umfassende Migrationsvorbereitung stattfinden, die sich auch verstärkt an Berufsmigrantinnen und –migranten richtet. „Diese Zielgruppe wird immer wichtiger und hat im aktuellen Projekt den gleichen Stellenwert wie die Gruppe der Heiratsmigrantinnen und -migranten“, erklärt Andrea Hammann, Projektreferentin für Vorintegration in der Zentrale des Goethe-Instituts. Auch die inhaltlichen Schwerpunkte – landeskundliche Vorbereitungen, interkulturelle Trainings sowie Migrationsberatungen in den Heimatländern –, die im letzten Projekt begonnen wurden, sollen nun vertieft werden. Und um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür fit zu machen, fand in der Zentrale des Goethe-Instituts Ende 2018 in Kooperation mit den Jugendmigrationsdiensten in Deutschland eine umfassende Fortbildung für die Projektmitarbeitenden aller Standorte statt.

Aurora Killo, die das Projekt am Goethe-Zentrum in Tirana koordiniert, sieht in ihrem Land großen Bedarf an Vorintegrationsangeboten: „In Albanien gibt es derzeit eine starke Nachfrage nach Informationen über das Leben in Deutschland, weil viele Albanerinnen und Albaner sich dort eine berufliche Zukunft wünschen oder Interesse an einer Familienzusammenführung haben“. Nemanja Vlajkovic vom Goethe-Institut Belgrad betont, dass mit der Vorintegration neue Herausforderungen auf ihn und seine Kollegen zukommen: „Bisher haben wir keine Erfahrungen mit Beratungen oder interkulturellen Trainings“. Auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Standorte soll in Zukunft verstärkt werden, wie Felix Warneke vom Goethe-Institut Bangkok betont: „Wir können von dem Erfahrungsschatz unserer Kolleginnen und Kollegen in Vietnam profitieren, indem wir beispielsweise eine dort erstellte Broschüre übersetzen und auf unsere Zielgruppen ummünzen lassen“.

Neben der praktischen Arbeit in den Heimatländern der Migrantinnen und Migranten hat das aktuelle Vorintegrationsprojekt auch eine wissenschaftliche Dimension: In Kooperation mit einer Agentur oder einer Universität wird das Goethe-Institut eine Studie zur Vorintegration von Berufsmigrantinnen und -migranten weltweit erstellen. „Wir möchten auch prüfen, inwieweit sich die Angebote für Heiratsmigrantinnen und –migranten auf den Kontext der Berufsmigration übertragen lassen“, erklärt Andrea Hammann. „Denn das Goethe-Institut hat bereits fast zehn Jahre Erfahrung in der Vorbereitung von nachziehenden Ehegatten, während die Zielgruppe der Berufsmigrantinnen und -migranten für uns noch relativ neu ist. Aber schon jetzt zeigt sich, dass es bei der Vorbereitung der Migration nach Deutschland einige wesentliche Überschneidungen gibt, insbesondere was das Alltagsleben betrifft.“
   

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