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Vorintegrationsangebote nun auch in Nordafrika/Nahost und Brasilien
Unterstützung weltweit für die Vorbereitung auf ein Leben in Deutschland

Zwei junge Männer begrüßen sich mit Handschlag.
© Goethe-Institut, Getty Images

Im Juli 2020 hat das neue Projekt „Vorintegration in den Regionen Südostasien, Südosteuropa, Nordafrika/Nahost und Brasilien“ begonnen. Dadurch können die etablierten Angebote für Zuwandernde zur Vorbereitung auf das Alltags- und Arbeitsleben in Südostasien und Südosteuropa ausgebaut und auf weitere Standorte übertragen werden. Heute umfasst das Projekt 18 Standorte auf vier Kontinenten mit 47 Projektmitarbeitenden.

Von Janna Degener-Storr

Sie leben im Irak, haben eine deutsche Frau geheiratet und möchten mit ihr in ihrer Heimat leben? Beim Goethe-Institut in Erbil bekommen Sie künftig kostenlos Informationen zur Vorbereitung auf die Migration – sowohl auf Kurdisch, als auch auf Arabisch. Sie sind Serbe und wollen wissen, was es bedeutet, in Deutschland beruflich Fuß zu fassen? Auf der Website des serbischen Goethe-Instituts finden Sie Videos, in denen Serb*innen  vonihren Erfahrungen auf diesem Weg berichten. Sie sind in São Paulo zuhause und werden nach Deutschland migrieren, weil ihr Ehemann dort eine Arbeitsstelle gefunden hat? Sie können beim Goethe-Institut Brasilien Beratungen, Informationsveranstaltungen sowie Seminare nutzen, um sich auf das neue Leben vorzubereiten.

Migrationsvorbereitung in der Heimat

Die Vorintegrationsarbeit des Goethe-Instituts soll weltweit ausgerollt werden. So steht es im Nationalen Aktionsplan Integration der Bundesregierung, den die Bundeskanzlerin im März 2020 auf dem Integrationsgipfel vorstellte. „Ein Jahr später haben wir bereits wichtige Schritte in diese Richtung getan“, sagt Andrea Hammann, Projektreferentin in der Zentrale des Goethe-Instituts. Schon jetzt profitieren Teilnehmer*innen auf vier Kontinenten von vielfältigen Unterstützungsangeboten: Die Publikation Mein Deutschlandheft wurde in großer Auflage für die Goethe-Institute in der Region Subsahara-Afrika sowie in Kolumbien bereitgestellt. In Indien, Mexiko und Südkorea können Interessierte nicht nur auf diese Broschüre zugreifen, sondern auch auf Video-Testimonials, in denen Personen aus dem jeweiligen Kulturkreis von ihren Erfahrungen und Emotionen im Laufe der Migration nach Deutschland berichten.
Zwei junge Männer reden miteinander auf der Straße. © Goethe-Institut, Getty Images

Fokus Brasilien

In den Regionen Südamerika und Nordafrika/Nahost soll demnächst wie an den bewährten Projektstandorten in Südosteuropa und Südostasien eine Vielfalt an Beratungsmöglichkeiten, Veranstaltungen und Schulungen zur Verfügung stehen. Und es ist schon viel passiert: In Südamerika konzentriert sich das Goethe-Institut in seiner Vorintegrationsarbeit zunächst auf das Pilotland Brasilien. Hier wurden von September bis Dezember 2020 durch ein Filmteam acht Videos produziert, in denen Brasilianer*innen von ihrem Leben in Deutschland berichten. Ende Januar ging es dann richtig los mit einer Beratungswoche als Auftaktveranstaltung, die auf große Nachfrage stieß. „Wir hatten nur einen Post in unseren sozialen Medien platziert, woraufhin sich über 200 Personen mit ihren Fragen an uns wandten“, erzählt Carla Pereira, die das Projekt im Goethe-Institut São Paulo koordiniert. Die ersten 30 Beratungen führten die drei Mitarbeiterinnen im Team durch, um eine gemeinsame Routine zu entwickeln. Jetzt sollen Themen für weitere Angebote identifiziert und Partnerschaften vor Ort weiterentwickelt werden. „Wir möchten beispielsweise Referent*innen einladen, die unseren Teilnehmenden in Webinaren erklären, wie die Krankenversicherungen und das Steuersystem in Deutschland funktionieren“, erzählt Carla Pereira.

Neues aus Nordafrika/Nahost

Am Goethe-Institut Kairo wurde das Vorintegrationsangebot im Rahmen des Projekts bereits seit August 2020 aufgebaut. In einem Informationsseminar haben Ägypter*innen nun regelmäßig die Möglichkeit, Antworten auf ihre Fragen zum Vorintegrationsangebot des Goethe-Instituts zu bekommen. Interkulturelle Trainings bieten ihnen die Chance, sich intensiv damit auseinanderzusetzen, welche Herausforderungen sie in Deutschland erwarten und wie sie damit umgehen können. „Wir haben immer deutlich mehr Anmeldungen als Plätze. Das zeigt uns, dass viele Leute sich für unsere Angebote interessieren“, freut sich die Projektkoordinatorin Katharina Karpa. In Seminaren zu Lern- und Prüfungsstrategien sowie zum Portal Mein Weg nach Deutschland können Interessierte demnächst weiteren Input bekommen, um sich für die Migration zu rüsten. Je nach Anliegen leiten die Mitarbeiter*innen des Goethe-Instituts die Interessierten auch an entsprechende Angebote von Partnerorganisationen weiter.
Junge lächelnde Frau steht an einem Hauseingang. © Goethe-Institut, Getty Images

Kairo: Alle an einem Tisch

Ein Highlight der ersten Monate der Vorintegrationsarbeit in Ägypten war ein Round Table, der Ende Februar erstmals in Kairo stattfand. Hier kamen unterschiedliche Akteur*innen aus der Region zusammen, um sich besser kennenzulernen und Zuständigkeiten zu schärfen. Vertreter*innen des Projekts ProRecognition der Auslandshandelskammer berichteten etwa von ihren Erfahrungen in der Zeugnisanerkennung und von ihren Bewerbungstrainings. Die Deutsche Botschaft stellte aktuelle Informationen zum Thema Visum bereit. Und die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung informierte darüber, welche Fachkräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt derzeit besonders gefragt sind. „Unsere 2020 veröffentlichte Studie Annäherung, die im Heimatland beginnt machte noch einmal deutlich, dass die Netzwerkarbeit in den Regionen weiter verstärkt werden müsste, um die Qualität der Vorintegrationsarbeit zu optimieren. Der Runde Tisch in Kairo ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie dies künftig auch an anderen Standorten umgesetzt werden kann“, findet Andrea Hammann.
Seit November 2020 werden die Vorintegrationsangebote auch auf andere Goethe-Institute in der Region übertragen:  In Tunesien gab es bereits erste Einführungsangebote. Sowohl dort als auch im Irak und im Libanon werden nun weitere Konzepte für die standortspezifische Vorintegrationsarbeit entwickelt.

Die Folgen der Pandemie

Die Vorintegrations-Arbeit an den neuen Standorten stand von Beginn an unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Das Goethe-Institut São Paulo hatte z. B. schon Kontakt zu mehr als fünfzig Brasilianer*innen in ganz Deutschland geknüpft, musste sich in seinen Videos dann aber auf Testimonials aus Berlin konzentrieren, weil das Filmteam die Hauptstadt während der zweiten Welle nicht verlassen durfte.
Und natürlich finden die  Angebote an den meisten Standorten des Gesamtprojekts bis auf Weiteres in digitaler Form statt. Viele Beratungsgespräche an allen Standorten des Projekts drehen sich um die Frage, wer zurzeit überhaupt ein Visum bekommt und wie sich Covid-19 auf den Arbeitsmarkt in Deutschland auswirkt.
 

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