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Von Teilnehmerbegrenzungen bis zu WhatsApp-Freundschaften
Vorintegrationsarbeit in Zeiten von COVID-19

Kursteilnehmende mit Mundschutz zeigen ihre Zertifikate
© Gülseren Güleryüz-Karahan, Goethe-Institut Istanbul

Die Corona-Pandemie prägt den Alltag der Menschen in aller Welt. Was das konkret für die Vorintegrationsarbeit bedeutet, unterscheidet sich von Standort zu Standort und von Region zu Region.

Von Janna Degener-Storr

Hände waschen, Masken tragen, Abstand halten und auf den digitalen Austausch bauen – Hygieneregeln und Kontaktverbote waren für die Projektmitarbeitenden und für die Teilnehmenden in den Regionen Nordafrika/Nahost und Südamerika nichts Neues mehr, als diese im aktuellen Projektzeitraum dazugekommenen Standorte ihre Vorintegrationsarbeit begannen. Die Kolleg*innen in Südosteuropa und Südostasien dagegen, die schon länger dabei sind, mussten ihre Angebote im Frühjahr 2020 schnell an die Pandemie-Bedingungen anpassen.

Um den Teilnehmer*innen das Lernen von Zuhause aus zu erleichtern, wurde etwa der Onlinekurs „Mein Deutschlandkurs“ früher als ursprünglich geplant entwickelt. Und viele Angebote konnten plötzlich nicht mehr in Präsenz stattfinden, sondern mussten auf Online-Formate umgestellt werden. Das brachte durchaus auch Vorteile mit sich, was die Reichweite angeht. „Wir erreichen an den meisten Standorten mit den digitalen Angeboten die Zielgruppen auch außerhalb der Metropolen, in denen sich die Goethe-Institute meist befinden“, betont Andrea Hammann, Projektreferentin in der Zentrale des Goethe-Instituts. Digitale Angebote verbessern also zumindest für Teilnehmer*innen mit den notwendigen Medienkompetenzen den Zugang zur Vorintegration. Das entspricht einer Handlungsempfehlung der Studie Annäherung, die im Heimatland beginnt, die im letzten Projektzeitraum erstellt wurde. Online-Angebote sind somit ein großer Gewinn für die Ziele des Projekts – und inzwischen überall zur Selbstverständlichkeit geworden.
Ein Mädchen nimmt an einem Online Kurs teil. © Goethe-Institut, Getty Images

Türkei: Profis im digitalen Raum

Gülseren Güleryüz vom Goethe-Institut Istanbul beispielsweise beobachtet eine neue Normalität und Professionalität im Umgang mit dem digitalen Lernen. „Die Seminarleiter*innen sind scharfsinniger geworden und können die Stille, die bei Videokonferenzen manchmal entsteht, inzwischen besser deuten.“ Die Teilnehmenden seien jetzt auch autonomer: „Sie stehen intensiver per WhatsApp in Kontakt. Wenn sie sich dann bei den Sprachprüfungen des Goethe-Instituts zum ersten Mal persönlich treffen, haben sie trotzdem oft das Gefühl, schon dicke Freunde zu sein.“ Außerdem, fügt die Projektmitarbeiterin augenzwinkernd hinzu, sei es inzwischen für alle normal, in Jogginghose zu arbeiten. „Wir genießen es jetzt auch, mit geschminkten Lippen vor der Kamera zu sein, damit das Gesagte besser fokussiert wird und die Mimik nicht hinter der Maske verborgen bleibt.“

Serbien: Virtuelle Angebote immer beliebter

In Serbien scheinen sich die Teilnehmenden so sehr an die digitalen Angebote gewöhnt haben, dass die Präsenzangebote, die hier nun wieder möglich sind, inzwischen auf weniger Resonanz stoßen. Projektkoordinator Dr. Nemanja Vlajkovic kann über die Ursachen nur spekulieren: „Wir werden jetzt immer wieder nach Online-Angeboten gefragt. Vielleicht liegt es daran, dass die Leute bequemer geworden sind. Vielleicht haben einige auch Angst, sich mit dem Virus anzustecken. Wir sehen das jedenfalls als Problem, weil bestimmte Austauschformate unserer Erfahrung nach besser in Präsenz funktionieren und auch weil viele Leute, die sich zu Online-Angeboten anmelden, schließlich doch nicht erscheinen, was die Planung erschwert.“

Ferner Osten: Neue Normalität in Pandemiezeiten

Auch in Thailand bringt die Pandemie für die Präsenzangebote neue Herausforderungen mit sich. Die Teilnehmer*innen müssen sich nämlich inzwischen online für die Veranstaltungen anmelden, damit die Maximalbelegung der Räume und damit die Sicherheitsabstände gewährleistet werden können. Das kann gerade für lernungewohnte und wenig technikversierte Teilnehmer*innen eine Hürde darstellen. Felix Warneke vom Goethe-Institut Bangkok hat damit vielfach Erfahrungen gemacht: „Manche sind verunsichert, wenn sich beim Scannen eines QR-Codes statt des vertrauten Messengers die ungewohnte E-Mail-App öffnet, die zudem auf eine schriftliche Kommunikation begrenzt ist. Doch seitdem die Kontaktbeschränkungen weitgehend gelockert und Präsenzangebote wieder möglich sind, können wir den Menschen zum Glück auch bei diesen Schritten wieder persönlich helfen“.
In Vietnam dagegen laufen die Präsenzveranstaltungen inzwischen schon wieder fast wie gewohnt, während die während des Lockdowns entwickelten Online-Angebote teilweise ergänzend weitergeführt werden. „Wir entscheiden jetzt nach Bedarf, ob ein Angebot in Präsenz oder digital stattfindet“, erklärt Projektkoordinatorin Huong Thanh Nguyen und gibt zwei Beispiele: „Die Prüfungsvorbereitungen dauern nur zwei Stunden und werden weiterhin als Online-Angebote realisiert, weil wir im Netz mehr Teilnehmer und Teilnehmerinnen erreichen. Das Interkulturelle-Kommunikation-Training dagegen ist in Präsenz effektiver, weil es mit den vielfältigen Übungen und Spielen einen ganzen Tag in Anspruch nimmt und wir von den Teilnehmenden nicht erwarten möchten, eine so lange Zeit vor dem Computer oder dem Handy zu verbringen.“
Eine junge Frau ist in der Bibliothek. Sie trägt eine Schutzmaske. © Goethe-Institut, Getty Images

Gemeinsame Arbeit über Grenzen hinweg

Die Bedingungen für die Vorintegrationsarbeit unterscheiden sich also von Kontinent zu Kontinent, von Region zu Region und von Standort zu Standort. Und doch profitieren alle vom gegenseitigen Austausch, der allerdings in Zeiten der Corona-Pandemie ebenso online stattfinden muss. Bis sie wieder persönlich zusammenkommen können, treffen sich die insgesamt 47 Mitarbeiter*innen der Vorintegrations-Arbeit des Goethe-Instituts nun alle zwei Wochen für eine Stunde im Netz. Bei jeder Zusammenkunft haben dann die Mitarbeitenden eines Standortes die Möglichkeit, ihre Arbeit zu präsentieren. Darüber hinaus ist für April ein Fortbildungsseminar geplant, bei dem das Goethe-Institut seinen Mitarbeitenden des Vorintegrationsprojekts in aller Welt ein aktuelles Bild über die Corona-geprägte Migrationslandschaft in Deutschland vermitteln möchte.

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