Deutsche Spuren in aller Welt
Bilder und Geschichten

  • Litkowka © Goethe-Institut/Jörg Müller
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Der Hamburger Fotograf Jörg Müller folgt bei seinen Nachforschungen für sein Fotoprojekt "Fünfmal Deutschland" mehreren deutschen Spuren weltweit. Es ist ihm gelungen, auf seinen Entdeckungsreisen deutsches Leben auf fünf Kontinenten fotografisch festzuhalten.


Jörg Müller porträtiert in „Fünfmal Deutschland“ die Orte Litkowka in Russland, Oberwischau/ Vișeu de Sus  in Rumänien, Pomerode in Brasilien, Manitoba-Kolonie/Mexiko und Wartburg/Südafrika, in denen die Nachfahren von Auswanderern leben, die Deutschland in den letzten Jahrhunderten verlassen haben. Das Fotoprojekt zeigt das alltägliche Leben in den fünf sehr unterschiedlichen Orten und vermittelt dem Betrachter einen Eindruck, wie die Nachfahren der deutschen Auswanderer heute noch deutsche Kultur leben, in dem sie deutsche Feste feiern, deutsche Gottesdienste abhalten und in der Schule die Sprache ihrer Vorfahren lernen. Die ausgestellten Bilder zeigen aber auch, dass die Nachfahren der deutschen Auswanderer sich in den jeweiligen Orten integriert haben, in einer ursprünglich unwirtlichen Landschaft einen wirtschaftlichen Aufschwung erreicht haben und für die Zukunft gerüstet sind.
 
Das Fotoprojekt soll ein Plädoyer für internationales Zusammenleben sein und in der aktuellen Zuwanderungssituation die Auswanderungsströme der Vergangenheit in Erinnerung rufen. Die Fotos verdeutlichen zudem, dass Migration, sprachliche und kulturelle Pluralität kein neues Phänomen sind.

Anhand dieser Spuren lässt sich vieles erzählen, Alltagsgeschichten, Vergangenes, Emotionen, Träume. Wir gehen diesen Spuren nach…

 

Litkowka – Die, die niemals aufgeben

In den Weiten Sibiriens auf halber Strecke zwischen Moskau und der Mongolei, 300 km nördlich von Omsk, liegt der kleine, abgeschiedene russlanddeutsche Ort Litkowka/Литковка. Ein entlegener Winkel der Welt. Umgeben von einem Sumpfgebiet, ist die ca. 500 Einwohner zählende Siedlung, davon etwa 380 Russlanddeutsche, nur schwierig zu erreichen. So ist die Dorfgemeinschaft fast ausschließlich auf sich selbst gestellt. Jede Familie betreibt eine eigene Landwirtschaft. Hühner und ein kleiner Acker, auf dem Gemüse selbst angebaut wird, gehören dazu. Kartoffeln, Karotten, Kohl und Rote Beete zählen zu den Grundnahrungsmitteln. Eine kleine Kooperative betreibt Milchviehwirtschaft.
 
Im Vergleich zu vielen anderen sibirischen Dörfern, ist es den Russlanddeutschen gelungen, die Kolchose durch die Wirren der Nachsowjetzeit zu führen, den auch in Russland viel zu niedrigen Milchpreisen zu trotzen und den Wegzug der Einwohner zu verhindern. Seit einigen Jahren bringen zwei Sendemasten Fernsehen und Mobilfunk nach Litkowa. Und mit dem Mobilfunk in 3G-Qualität hat auch das Internet seinen Einzug in den abgeschiedenen Ort gehalten.
 
Im Gegensatz zum Leben in Deutschland, gibt es in dem Dorf kaum persönliche Beschränkungen. Was der Wald hergibt, wird geholt: Holz (Birken, Tannen, Zedern, Espen). Auf der Jagd erlegen die die Männer des Ortes Elche, Wölfe, Bären, Füchse, Wildschweine und Hasen. Das Klima ist rau. Der Winter dauert sieben bis acht Monate. Die Temperaturen sinken dann auf bis zu –50°C Celsius. Im Sommer wird es häufig über 30° Celsius heiß. Neben einer schmucken evangelischen Kirche, die auch der Ortsmittelpunkt ist, gibt es eine Krankenstation, einen Kindergarten und eine Mittelschule, in denen Deutsch unterrichtet wird.
 
Das Dorf wurde 1899 von Wolhynien Deutschen gegründet. In den 20er (s. 1. Weltkrieg, Sowjetunion, Entkulakisierung) und 30er Jahren  waren die deutschen Siedler aufgrund ihrer Religion als auch ihrer Volkszugehörigkeit einer starken Repression ausgesetzt, bis sie 1941 (s. 2. Weltkrieg) schließlich der Sonderverwaltung (wöchentliche Meldepflicht, Trudarmee) unterstellt wurden. Einigen emigrierten nach Amerika, deportierte Wolgadeutsche und Schwarzmeerdeutsche zogen hinzu. In den 90er Jahren sind viele Bewohner nach Deutschland ausgesiedelt. Nachgezogen sind Russlanddeutsche aus Kasachstan, ehemals deportierte Wolgadeutsche.
 

Ein Bild und seine Geschichte – Der Milchwagen

Der Milchwagen Der Milchwagen | © Goethe-Institut/Jörg Müller Eine echte Herausforderung ist die tägliche Tour des Milchwagens von der Kolchose in Litkowka in die über 50 Kilometer entfernte sibirische Kreisstadt Tara in der Oblast Omsk. Ein alter Ural, mit großem Tank auf der Ladefläche, transportiert - im Sommer täglich, im Winter alle drei Tage - die gesamte Milchproduktion der örtlichen Kolchose in die städtische Molkerei.

An trockenen Sommertagen braucht der Fahrer des Urals für diese Strecke gut zwei Stunden. Sobald es mehrere Tage hintereinander regnet und die Piste aufgeweicht und schlammig ist, werden daraus schnell sechs oder sieben Stunden. Im Frühling und im Herbst, wenn es länger anhaltende Regenperioden gibt, schafft es der Ural trotz Vierradantrieb nicht mehr aus eigener Kraft bis nach Tara. Zum Teil über Wochen kommt dann eine Raupe zum Einsatz, die den Milchwagen mühselig, über Stunden im Schritttempo durch das sibirische Moor zieht. Der russlanddeutsche Ort ist komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Einzig die schwer umkämpften Plätze im Milchwagen bieten dann den Dorfbewohnern noch die Chance, Litkowka zu verlassen oder zurück in den Ort zu gelangen.
 
Der Erlös aus dem Milchverkauf reicht gerade aus, um die Kolchose am Leben zu erhalten und den knapp 500 Einwohnern des russlanddeutschen Dorfes ein sicheres, wenn auch geringes Einkommen zu sichern. Da die Gemeinde ausschließlich vom Verkauf ihrer Milch lebt und die Milch schnell verdirbt, muss der Milchwagen immer durchkommen.

Autor:  Jörg Müller
 

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