„Ticket nach Berlin“ Spanische Küsse, ägyptische Impressionen

Die beiden Teams von „Ticket nach Berlin“
Die beiden Teams von „Ticket nach Berlin“ | Foto: Daniel Pasche

„Ticket nach Berlin“ ist eine neue Video-Reihe für Deutschlerner. Zwei Teams, sechs Kandidaten: Ob Seifenkisten-Rennen, Stehpaddeln oder typisch deutsch kochen – auf ihrer Reise quer durch Deutschland mussten junge Deutschlerner spannende Abenteuer bestehen.

Almudena aus Spanien und Nasser aus Ägypten sprechen im Interview über ihre persönlichen Eindrücke des Projektes „Ticket nach Berlin“ und geben ungewohnte Einblicke.

Almudena aus Barcelona

Almudena, um welche Themen ging es bei „Ticket nach Berlin“?

Manchmal ging es um Kultur, manchmal um Sport, manchmal um Kochen. Jeden Tag mussten wir eine Aufgabe lösen und dafür waren wir fast jeden Tag an einem anderen Ort. Die Mannschaft, die die Aufgabe richtig gelöst hatte, bekam einen Punkt. Stand Up Paddling in Hamburg war für alle eine sportliche Herausforderung. Man steht mit einem Paddel auf einem Brett und darf nicht runterfallen – sonst hätte es keinen Punkt gegeben. Die Aufgabe war, eine Flasche aus dem Wasser zu holen und zurückzubringen. Das hat mir großen Spaß gemacht und auch die Leute, die uns das beigebracht haben, waren sehr nett.

Eine meiner Lieblingsaufgaben war in Köln – dort haben sich beide Teams getroffen. Wir waren außerhalb und sollten zurück in die Stadt bis zum Dom fahren. Die Devise lautete: Je mehr Verkehrsmittel dabei zum Einsatz kämen, desto besser. Es gab keine Einschränkung, wir durften alles benutzen: ein privates Auto, einen Bus, einen Traktor …

… einen Traktor?

Ja, es gab eine Baustelle auf der Straße und wir sind ein ganz kurzes Stück mit einem Traktor mitgefahren. Das war sehr lustig. (lacht)

Könntest du dir vorstellen in Deutschland zu leben?

Ja, ich war schon ein Jahr in Tübingen und es hat mir dort sehr gut gefallen. Auch in München war es schön, wo ich für ein Praktikum fünf Monate verbracht habe. Aber Obst und Gemüse habe ich zum Beispiel ziemlich vermisst. Das gibt es zwar auch in Deutschland, aber nicht in dieser Fülle und Vielfalt wie in Spanien. Außerdem ist es auch viel günstiger hier.

Welches deutsche Essen war neu für dich?

Zwiebelkuchen und Hamburger Krabbenbrot. Das hat mir auch gut geschmeckt. Und auf einem Weihnachtsmarkt habe ich das erste Mal in meinem Leben Lebkuchen gegessen und Glühwein getrunken. Anfänglich war ich irritiert, heißer Wein, das geht doch nicht … aber dann fand ich es gut. Weihnachten in Deutschland ist wunderschön, ich mag diese Stimmung sehr.

Was hat dich an Deutschland überrascht?

Mit der Wirtschaftskrise in Spanien hat sich unsere Wahrnehmung von Deutschland verändert. Ich denke, dass dort in der gleichen Zeit viel effizienter gearbeitet wird. Es gibt weniger kleine Pausen zwischendurch.

Zuerst dachte ich auch, dass Deutschland einheitlicher ist. Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass es aus vier Ländern besteht: dem Süden, Norden, Westen und Osten. Durch Ticket nach Berlin hatte ich die Gelegenheit, die regionalen Unterschiede kennenzulernen und das war sehr interessant. Die Landschaften sind anders und auch die Menschen.

… und an den Deutschen?

Am Anfang sind sie sehr kühl, reserviert und distanziert. Aber das ist nur der erste Eindruck. Denn wenn man eine Freundschaft aufbaut, werden sie zu sehr guten Freunden. Was ich auch mag, ist, dass man sich in Deutschland nicht immer gleich küssen muss, wenn man einander vorgestellt wird. Wenn ich in Barcelona in ein Restaurant zum Essen gehe und dort zehn Personen an einem Tisch sitzen, muss ich 20-mal küssen – auf die linke und rechte Wange. Es ist fast wie eine Pflicht. Und man kennt diese Leute oft auch gar nicht. Das gefällt mir gut, dass das in Deutschland nicht üblich ist.
 
 

Nasser aus Kairo

Nasser, was hat dich an Deutschland und den Deutschen überrascht?

Ich war von der Umweltfreundlichkeit sehr beeindruckt. Grüne Landschaften, von der Natur geschaffen, durchziehen das ganze Land. Ich konnte mir vorher nicht einmal vorstellen, dass die Farbe Grün so schön ist. Ich lebe nämlich in Ägypten, wo es zwar auch grüne Flächen gibt, aber die sind von Menschen gemacht.

Auch lernte ich früher von einem Deutschlehrer in Ägypten, dass die Deutschen sehr ernst sind und nicht lachen können. Aber das stimmt nicht: Ich habe es wirklich erlebt, wie man sich mit den Deutschen vor Lachen den Bauch hält.

Was war eine Herausforderung für dich?

In Deutschland war natürlich das Wetter eine große Herausforderung für mich. Es war wechselhaft und gleich am ersten Tag bekam ich eine Erkältung. Das Essen zählte auch dazu, da es wenige türkische Läden gab, wo ich koscheres Fleisch essen konnte. Mit der Sprache hatte ich keine Probleme, auch die verschiedenen Dialekte kann man schon verstehen – außer bayerisch.

Wo hat es dir in Deutschland besonders gut gefallen?

Ich war einen Monat in Freiburg, dort ist es wunderschön. Es ist eine kleine Stadt mit vielen Fahrrädern und weniger Autos, mit viel Grün und ruhigen Straßen. Aber fasziniert war ich von Berlin. Es gibt tagsüber viele Ablenkungen und nachts Leute, die bis in die frühen Morgenstunden unterwegs sind. Man sagt hier, dass Kairo die einzige Stadt in der Welt ist, die nie schläft. Ich würde diesen Spruch weiter ergänzen: Berlin ist die Schwester von Kairo!

Könntest du dir vorstellen in Deutschland zu leben?

Ja, und es war immer mein Traum, einmal nach Deutschland zu kommen. Aber ich hatte auch Angst davor … zum ersten Mal weg von meiner Familie und meiner Heimat. Ich dachte, dass ich Heimweh bekommen würde. Es kam anders und ich bin froh, dass ich diese neue Lebenserfahrung gemacht habe.

Welche Meinung haben die Ägypter über Deutschland?

Die einen, dass es dort sehr schöne Frauen gibt. Die anderen sind große Fans vom FC Bayern München. Wir schauen uns gern die Spiele dieses Fußballclubs in Cafés an, das kann dann schon mal laut werden. Wenn ein fremder Mensch vorbeiläuft, denkt er, dass es das Finale von Ägypten in der Weltmeisterschaft sei …

Wenn es um Politik und Wirtschaft geht, heißt es, dass sich Deutschland in kurzer Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat und jetzt in Konkurrenz zu USA und Japan steht.

Du bist wieder zurück in Kairo. Die politische Lage in Ägypten ist derzeit äußerst angespannt. Was bedeutet das für dich und deinen Alltag?

Seit der Revolution des 25. Januar 2011 habe ich mich in die Politik eingemischt. Es ist eine gute Chance, dass mir eine Fremdsprache wie das Deutsche dabei zu Hilfe kommt. Auf der einen Seite kann ich die deutschen Zeitungen lesen und mich über die Meinung der Deutschen informieren – was sie von bestimmten politischen Situationen wie in Ägypten halten. Auf der anderen Seite kann ich diese Meinungen hier den einfachen Menschen vermitteln, um sie – was das Ausland angeht – auf dem Laufenden halten zu können.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Nach meinem Germanistik-Studium möchte ich in Deutschland einen Master in „Deutsch als Fremdsprache" machen. Längere Zeit dort zu leben ist mein Ziel, um mehr über dieses fantastische Land zu erfahren. Sterben will ich aber in Ägypten.
 

„Ticket nach Berlin“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Welle und des Goethe-Instituts.