Initiative „Lesespaß“ Mehr Freude am Lesen

Nur, wer frühzeitig an Bücher herangeführt wird, entwickelt später ein Eigeninteresse an ihnen.
Nur, wer frühzeitig an Bücher herangeführt wird, entwickelt später ein Eigeninteresse an ihnen. | Foto: joingate © 123RF

Die Initiative „Lesespaß“ in Gütersloh möchte Kinder und Jugendliche zum Lesen motivieren und ihre Lesekompetenz stärken. Das Goethe-Institut ist als Partner mit innovativen Projekten dabei.

Zwar lesen Kinder und Jugendliche täglich unzählige Nachrichten auf Facebook und chatten im Minutentakt, komplexe Geschichten in Büchern lesen dagegen nur die wenigsten. Dabei beflügelt das Lesen nicht nur die Fantasie, sondern trägt dazu bei, wichtige kognitive Kompetenzen zu entwickeln. Das frühe Vorlesen von Geschichten ist dabei besonders wichtig. Denn nur, wer frühzeitig an Bücher herangeführt wird, entwickelt später ein Eigeninteresse an ihnen. Doch nur in jedem zweiten deutschen Haushalt lesen die Eltern ihren Kindern regelmäßig vor.

Mehr Freude am Lesen

Die Initiative Lesespaß des Bertelsmann-Unternehmens engagiert sich gemeinsam mit der Stiftung Lesen und dem Goethe-Institut seit August 2010 dafür, mehr Kinder und Jugendliche in Gütersloh für das Lesen zu interessieren und ihre Lesekompetenz zu stärken. Auch Eltern, Erzieher und Lehrer werden einbezogen, schließlich haben sie den größten Einfluss auf das Leseverhalten der Kinder. Ein besonderes Interesse gilt Familien, in denen nur wenig oder gar nicht vorgelesen wird. Rund 25 Leseförderungsprojekte haben seit 2011 stattgefunden und sind auf reges Interesse bei den Kindern und Jugendlichen in Gütersloh getroffen. Bei interaktiven Lesungen konnten sie an den Geschichten teilhaben, in einer Schreibwerkstatt mit einem Fantasy-Autor und einem Sportreporter erste Texte verfassen oder die Filme populärer Kinderbücher sehen. Bei allen Projekten arbeiten die Initiatoren eng mit Schulen, Kindertagesstätten, der Stadtbibliothek, Freizeiteinrichtungen, Kulturvereinen und den Entscheidungsträgern der Stadt zusammen.

„Leseförderung ist interdisziplinär“, sagt Tuğba Talas, Projektreferentin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts. „Sprach- und Leseförderung greifen ineinander. Das Goethe-Institut bringt hierzu vor allem seine jahrzehntelange Erfahrung in der Sprachvermittlung ein.“ Dabei sei es wichtig, an die Interessen der Jugendlichen anzuknüpfen, so Talas. Das tat das Goethe-Institut mit der Musikwerkstatt „Rumpelstilzchen im Hip-Hop-Fieber“. Dabei haben Jugendliche zusammen mit einem professionellen Rapper eigene Texte geschrieben und vor Publikum präsentiert.

Bücher im sozialen Umfeld

Das Projekt Bücher für alle richtete sich an Eltern und Kinder mit ausländischen Wurzeln. „Bei dieser Zielgruppe ist es besonders wichtig, sie in ihrem Umfeld zu begleiten“, bemerkt Tuğba Talas, „an Orte, die Eltern für ihre Kinder vertrauenswürdig erachten“. In zwei Moscheen und einer Kirche wurden Bibliotheken eingerichtet. „Die Vereine bieten jetzt jede Woche Lese- und Bastelstunden an. Das Interesse der Eltern und Kinder an Büchern ist dadurch gestiegen.“ Dass es auch nach dem Ende von Lesespaß so bleibt, ist ein erklärtes Ziel der Initiative. „Wir wollen Nachhaltigkeit erreichen“, sagt Tuğba Talas. Das bedeutet: „Projekte anstoßen und Ideen generieren, die Schulen, Kitas, Eltern und Vereine aufgreifen und dann selbst weiterführen können.“

Lesespaß ist ein Pilotprojekt und beschränkt sich auf Gütersloh. Im nächsten Schritt sollen die Erfahrungen der Initiative auf andere Städte und Gemeinden übertragen werden. „Wir haben hier die einmalige Chance ungewöhnliche und konventionelle Leseförderprojekte miteinander und in großem Stil zu verknüpfen“, so Tuğba Talas. Wie zum Beispiel die Lesungen an ungewöhnlichen Orten: Eine Feuerwehr-Geschichte in einer Feuerwehrwache. Dort saßen die Kinder zwischen den Feuerwehrautos, und ein Feuerwehrmann las die Geschichte vor. „Die Kinder haben viele Fragen gestellt und waren von der realen Kulisse begeistert“, erinnert sich Talas.

Die Fortbildung des Goethe-Instituts Sprache wachsen lassen beschäftigte sich mit Deutsch als Zweitsprache in Kindergärten und Schulen. Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen haben dort Anregungen bekommen, wie sie den Spracherwerb und die Zweisprachigkeit vieler Kinder mit Sprachspielen, Kinderliteratur, Musik- und Kunstprojekten fördern können.

Erste Umfrageergebnisse

Eine Befragung von rund 300 Eltern in Gütersloh im Sommer 2012 ergab, dass der Anteil der Eltern, die selbst zum Buch greifen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen ist – vor allem bei bildungsfernen Eltern sowie bei denen mit Migrationshintergrund. Rund 75 Prozent der Kinder zwischen 10 und 14 Jahren lesen nach Aussage der Eltern gern. 2010 waren es nur 60 Prozent. „Die projektbegleitende Evaluation hat außerdem gezeigt, dass Medien wichtig sind“, sagt Tuğba Talas. Darum möchte die Initiative im dritten Projektjahr verstärkt Medien wie Radio, Internet und Online-TV nutzen. „So erreichen wir leseferne Familien besser, denn Medien spielen eine zentrale Rolle auch in ihrem Alltag.“

Im Herbst 2013 initiiert das Goethe-Institut im Rahmen von Lesespaß den Hörspielwettbewerb LesenHören. Dabei sind Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre aufgerufen ihre eigenen Hörspiele zu produzieren. Die Arbeit mit Hörspielen fordert ein breites sprachliches Können: Die Kinder müssen lesen, ein Skript schreiben und dabei den literarischen Text in Dialoge umsetzen. Doch: Wie gelangt man vom ursprünglichen Text zum Hörspielmanuskript? Wie müssen die Geschichten aufgebaut sein? Wie werden Musik und Geräusche sinnvoll eingesetzt? Das alles lernen sie in begleitenden Workshops.