Serious Games Spielend Sprachen lernen

Lernabenteuer Deutsch – Ein rätselhafter Auftrag für fortgeschrittene Deutschlerner
Lernabenteuer Deutsch – Ein rätselhafter Auftrag für fortgeschrittene Deutschlerner | © Goethe-Institut

Im Sprachunterricht wurden immer schon spielerische Mittel genutzt. Serious Games tragen das Fremdsprachenlernen in die digitale Welt und bringen Lerneffekte ganz nebenbei hervor.

Seit jeher suchen Lehrer und Dozenten nach idealen Bedingungen für müheloses, beiläufiges Lernen. Das geflügelte Wort vom „Nürnberger Trichter“ treibt diese Wunschvorstellung auf die Spitze. Nicht ganz so mechanisch, dafür aber wirkungsvoll und unterhaltsam sind digitale Spiele, die wie nebenbei Information und Bildung vermitteln, sogenannte Serious Games (ernsthafte Spiele). Sie geben dem Lernvorgang einen spielerischen Rahmen.

Gute Computerspiele erfüllen einen großen Teil der Anforderungen an Lernangebote: Sie sind interaktiv, geben direktes Feedback und erlauben die jederzeitige Erfolgskontrolle. Weil sie Versuch und Irrtum zulassen, ermöglichen sie erfahrungsbasiertes Lernen, das zudem problem- und handlungsorientiert erfolgt. Weil Computerspiele Spaß machen und unterhaltsam sind, begründen sie zudem auch da Lernmotivation, wo diese beim herkömmlichen Lernen fehlt.

Abenteuer Fremdsprachen lernen

Angesichts dieser Kraft von Spielen, ein lernförderliches Umfeld zu schaffen, liegt der Einsatz von Digital Game-based Learning, also des Lernens mittels Computerspielen, auch beim Erwerb von Fremdsprachen nahe. Denn so selbstverständlich Kinder ihre Muttersprache lernen, so schwer fällt das Erlernen einer Zweitsprache im fortgeschrittenen Alter. Weil Kommunikationskompetenz am besten über den kreativen Sprachgebrauch erworben werden kann, haben beispielsweise Rollenspiele im Fremdsprachenunterricht eine lange Tradition. Auch Brett-, Karten- und Würfelspiele kamen immer schon zum Erlernen von Sprachstrukturen oder Vokabeln zum Einsatz, weil sie stets interaktive Elemente beinhalten und damit einen Sprechanlass bieten. Serious Games gehen noch einen Schritt weiter: Sie lassen die Lernenden in Spielwelten eintauchen, in denen Sprache das Mittel zum Spielzweck ist und sich Lerneffekte quasi nebenbei einstellen.

Eine solche immersive Lernumgebung zu schaffen, strebt das deutsch-französische Projekt Eveil-3-D an. Weil der beste Weg, eine Fremdsprache zu lernen, immer noch ist, sich im betreffenden Land mit der Sprache zu umgeben, arbeitet das Forscherteam aus Sprachdidaktikern, Linguisten und Ingenieuren an einem Spiel in der virtuellen Realität. In einer künstlichen Umgebung können Spieler so interagieren, als ob sie tatsächlich im Ausland wären. So erkunden die Spieler beispielsweise die Geschichte des Straßburger Münsters und befreien den in den Dommauern eingeschlossenen Steinmetz, und das alles ausschließlich in der ihnen fremden Sprache.
Video: Lernabenteuer Deutsch - Ein rätselhafter Auftrag

Wie ein klassisches Adventure-Game mit Puzzles, Kombinationsrätseln und interaktiven Dialogen mutet hingegen das SeriousGame Lernabenteuer Deutsch – Das Geheimnis der Himmelsscheibe an, mit dem das Goethe-Institut deutsche Landeskunde und Sprache vermittelt. Dabei begeben sich die Spieler auf eine aufregende Reise quer durch Deutschland, um herauszufinden, ob die 4.000 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra gestohlen wurde. Nach dem gleichen Muster funktioniert Lernabenteuer Deutsch – Ein rätselhafter Auftrag für fortgeschrittene Deutschlerner. Ein mysteriöser Brief ihres Onkels bringt die Protagonistin nach Deutschland, wo sie in einen Kriminalfall verwickelt wird. Beide Lernabenteuer sind nur zu bestehen, wenn die verschiedensten Kommunikationssituationen gemeistert werden.
 

Serious Games sind mehr als Spielerei

Das Eintauchen in das spielerische Handlungsgeschehen schärft die sinnliche und kognitive Wahrnehmung und bietet Möglichkeiten der Interaktion. So eröffnen Serious Games völlig neue, wirkungsvolle Formen des Fremdsprachenlernens. Nicht zuletzt weil Spiele die Motivation fördern, haben sie herkömmlichen Lernmethoden einiges voraus. Der technologische Fortschritt wird künftig eine Vielzahl an Sprachlernspielen hervorbringen, die unterschiedlichste Lernerfahrungen ermöglichen. Ortsbasierte Serious Games, die Kenntnis über den aktuellen Aufenthaltsort des Spielers haben, nutzen etwa Augmented Reality, um die Grenze zwischen realer und virtueller Welt verschwimmen zu lassen und personalisierte, soziale Lernerfahrungen zu schaffen. Dazu gehören Spiele wie Mentira, bei dem der Nutzer durch simulierte Dialoge einen Mord aufzuklären hat, und Chronoops, in dem der Spieler in die Rolle eines Agenten schlüpft und ökologische Technologie zur Rettung der Zukunft finden muss. Der Spieler verlässt hierbei den Bildschirm und muss seine Sprachkenntnisse anwenden, um Missionen in der echten Welt zu erfüllen.

Didaktisch-pädagogische Begleitung

Soweit die technologischen Möglichkeiten auch ausgereizt werden, die Wirkung von Serious Games im Unterricht kann sich immer nur dann entfalten, wenn diese mit den übrigen Lernelementen verknüpft werden und ein Bezug zur nichtspielerischen Welt hergestellt wird. Vor allem setzt das Medium eine aufwendige Vorbereitung und starke Strukturierung des Lernprozesses voraus, denn Spielmechanismen und Handlungsmöglichkeiten müssen abgestimmt, Erfolgskontrolle und Feedback definiert werden. Serious Games können mehr sein als Spielerei, ihr Einsatz muss aber didaktisch-pädagogisch gut begleitet sein. Es bleibt daher abzuwarten, inwieweit sich Serious Games erfolgreich in die Fremdsprachenlehrpläne an Universitäten und Schulen integrieren lassen. Einen Einsatz auf breiter institutionalisierter Basis haben die Sprachlernspiele noch nicht gefunden. Im Rahmen von Eveil-3-D finden zwar Lehrerfortbildungen und Probeeinsätze in Schulen statt. Dennoch richten sich Serious Games zurzeit vorrangig an Selbstlerner.