Arbeitsblätter für den Unterricht Struktur, Form und Inhalte

Arbeitsblätter im Unterricht
Arbeitsblätter im Unterricht | © Goethe-Institut/Kai-Uwe Oesterhelweg

Arbeitsblätter helfen Lernenden, Themen in einer Fremdsprache zu vertiefen – im Unterricht und zu Hause. Das klappt allerdings nur, wenn die Arbeitsblätter gut gestaltet sind. Mit der richtigen Struktur und einigen Tricks geht das ganz leicht.

Braucht man für Deutsch als Fremdsprache überhaupt Arbeitsblätter? Sollten die Schülerinnen und Schüler nicht viel mehr ein Maximum an gesprochener Sprache hören und produzieren? Tatsächlich weisen linguistische Studien darauf hin, dass reines Hören und Sprechen nicht ausreicht, um die Grammatik einer Fremdsprache zu lernen (Swain 1988).  Ergänzend benötigen Lernende strukturierte Aufgaben mit konkreten grammatischen Themen. Arbeitsblätter sind hierfür das ideale Lernmittel. Allerdings nur, wenn das Arbeitsblatt gut konzipiert ist. Dafür sollten Lehrende einige allgemeine Regeln beachten, die im Prinzip für alle Fächer gelten.

Die ideale Struktur

Ein gutes Arbeitsblatt folgt einer bestimmten Struktur:
  • Ein Header mit allgemeinen Infos, die das Arbeitsblatt in den Unterricht einbetten.
  • Eine klare Arbeitsanweisung.
  • Die Aufgabe, einschließlich Illustrationen, Hervorhebungen und genügend Platz für Antworten.
  • Eventuell weitere Aufgaben mit je eigener Arbeitsanweisung.
Der Header bildet dabei die Grundlage für organisiertes Lernen mit Informationen zum Fach; zu Stufe, Klasse oder Level; zum Thema und zur Unterrichtseinheit; zu weiteren Materialien, beispielsweise zum Lehrbuch und eventuell zu Quellenangaben. So können die Lernenden die Arbeitsblätter leichter sortiert aufbewahren, gezielter nacharbeiten und Inhalte einfacher wiederholen.

Mit Inhalten motivieren

Auch bei den Inhalten gilt es einige Punkte zu beachten – im Idealfall auch bei grammatischen Themen: Die Inhalte sind aktuell. Das bezieht sich sowohl auf Technologie (keine Telefonzellen) als auch Lebens- und Beziehungskonstellationen (mehr als nur Ehe, Kinder, Haus und Hund) und Landeskunde (aktuelle Entwicklungen oder Nachrichten aus Deutschland). Die Inhalte haben einen Bezug zur Lebenssituation der Lernenden, d.h. die Inhalte sind für die Schülerinnen und Schüler oder die Studierenden relevant. Und: Sie sind altersgerecht.
 
Beinhaltet ein Arbeitsblatt mehrere Aufgaben, sollten die Aufgaben zum gleichen Thema sein. Und zwar am besten sogar in doppelter Hinsicht: Das gleiche grammatische Thema und das gleiche inhaltliche Thema. So werden die Lernenden nicht durch zu viel neues Vokabular überfordert und abgelenkt. Und durch die intensive Beschäftigung mit einem Thema werden die Inhalte besser im Gedächtnis verankert.

Nicht zu vernachlässigen: die Form

Doch fantastische Inhalte nützen wenig, wenn schlechte Lesbarkeit oder andere formale Eigenschaften die kognitiven Kapazitäten der Lernenden beanspruchen – denn gute Lesbarkeit ist wichtig. Lehrende sollten daher Kopiervorlagen in schlechter Qualität vermeiden. Auf den Arbeitsblättern sollte genügend Platz für die Antworten vorhanden sein, sodass die Schüler und Schülerinnen nicht zum unleserlichen Schreiben gezwungen sind. Wenn möglich, sollten Inhalte durch Illustrationen verdeutlicht werden. Die zu lernenden Formen können durch Unterstreichen oder Fettdruck hervorgehoben werden. Empirische Versuche belegen, dass insbesondere Illustrationen (Carney et al. 2002) und Hervorhebungen (Schmidt 1992) das Lernen erleichtern und beschleunigen.

Besonderheiten im Fremdsprachenunterricht

Da der Fremdsprachenunterricht meist nicht in der Muttersprache von Lehrenden und/oder Lernenden stattfindet, müssen die Anweisungen auf den Arbeitsblättern besonders einfach und klar formuliert sein. Die einfachere Sprache im Fremdsprachenunterricht verleitet wiederum schnell zu kindlichen Themen. Häufig sind die Lernenden aber Teenager oder junge Erwachsene, für die andere Themen relevant sind als für Kinder. Generell gilt: Landeskunde ist wichtig (vgl. Salomo) und die eigenen Erfahrungen der Lernenden sollten mit einbezogen werden.

Arbeitsblätter mit spezieller Software erstellen

Wenn Lehrende Arbeitsblätter erstellen, können sie dafür auch spezielle, zum Teil kostenpflichtige, Software verwenden. Ein solches Programm ist der Worksheet Crafter, mit dem die Beispielarbeitsblätter erstellt wurden.
  Arbeitsblattsoftware bietet den Vorteil, dass durch vorgegebene Strukturen und Funktionen Zeit gespart werden kann. Und für digital erstelltes Material gilt allgemein: Es ist lesbarer, übersichtlicher und platzsparender, da Lehrende eine digitale Vorlage statt einer Kopiervorlage verwenden können. Mit den entsprechenden Programmen wie beispielsweise dem Worksheet Crafter lassen sich eine klare Struktur, Illustrationen, Hervorhebungen, Textmanipulationen wie Lückentexte oder Silbeneinfärbung leicht realisieren. Auf diese Weise können Lehrende schnell und effektiv Arbeitsblätter erstellen, von denen ihre Schülerinnen und Schüler profitieren.
 

Literatur

Carney, Russell N.; Levin, Joel R.: “Pictorial illustrations still improve students' learning from text.Educational psychology review 14(1) 2002, 5-26.

Salomo, Dorothe: Deutschlandbezug ist entscheidend. Magazin Sprache, Goethe-Institut, November 2014.

Schmidt, Richard: “Awareness and second language acquisition.” Annual review of applied linguistics 13/1992, 206-226.

Swain, Merrill: “Manipulating and complementing content teaching to maximize second language learning.” TESL Canada Journal 6(1) 1988, 68-83.