DAF an Hochschulen Deutsch als Motor der Internationalisierung

Mit Deutsch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben
Mit Deutsch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben | Foto (Ausschnitt): © Jacob Lund - Fotolia.com

Wer global denkt, spricht Englisch? Nicht unbedingt! Auch eine Fremdsprache wie Deutsch zu erlernen, eröffnet Studierenden einen besseren Zugang zu Kulturen und Arbeitsmärkten. 

Forschungskooperationen, Austauschprogramme, interkulturelle-Kompetenz-Trainings – von der großen Universität bis hin zur familiären Fachhochschule gibt es hierzulande wohl keine Alma Mater, die ihre globalen Vernetzungen nicht zum Aushängeschild für die Qualität von Forschung und Lehre macht. Internationalität gilt als Schlüssel zur Innovation. Deshalb werben deutsche Hochschulen für den Austausch von Studierenden, Wissenschaftlern und Verwaltungsmitarbeitern. Sie pflegen die Kontakte zu ihren internationalen Alumni und richten den Blick bei der Gestaltung ihrer Curricula über die Ländergrenzen hinweg.

Starke Wirtschaft, starke Wissenschaft

Dabei haben die deutschen Hochschulen wissenschaftlich gut aufgestellte Partner in wirtschaftlich attraktiven Ländern im Visier. Die wiederum verfolgen aus ähnlichen Motiven heraus die gleichen Strategien. „Vor allem angelsächsische Länder wie die USA, Großbritannien und Australien gelten als begehrte Partner. Aber auch Deutschland ist seit einigen Jahren in zunehmendem Maße attraktiv“, betont Ulrich Ammon, Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Duisburg-Essen. Wirtschaftlicher Erfolg werde mit wissenschaftlicher Qualität in Verbindung gebracht, so dass beispielsweise deutschen Ingenieuren ein hohes Prestige zukomme.
 
Auch an deutschen Hochschulen im nicht-deutschsprachigen Ausland erfolgt der Kontakt zu Deutschland zwar teilweise über die Arbeitssprache Englisch. Dennoch begünstigen vorhandene Deutschkenntnisse und das Interesse an der deutschen Sprache das  Einrichten deutschsprachiger Studiengänge. „In Ungarn gibt es etwa eine relativ große Minderheit, die Deutsch als Muttersprache spricht, und eine lange Tradition des DaF-Erwerbs. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass die deutschsprachige Universität in Budapest errichtet wurde. Und die Schaffung deutscher Universitäten und Studiengänge in Städten wie Kairo und Amman ist sicher auch dadurch bedingt, dass die Nachfrage nach Deutschkenntnissen in diesen Regionen groß ist, weil immer mehr Personen sich davon Bildungs- oder berufliche Vorteile versprechen“, sagt Ulrich Ammon. Verstärkt wird das Interesse an der deutschen Sprache, wenn deutschsprachige Publikationen zur Verfügung stehen oder Auslandsaufenthalte an deutschen Partnerhochschulen möglich sind.

„Englisch allein reicht nicht aus“

Gerade in den technischen und naturwissenschaftlichen Publikationen war das Englische ein Sinnbild für eine internationale Ausrichtung. Inzwischen ist aber auch ein gegenläufiger Trend zu beobachten: Um die internationale Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden sicherzustellen, bieten ausländische Hochschulen Fachdeutsch sogar in Studiengängen an, die sonst keine deutschsprachigen Anteile haben. Im nicht-deutschsprachigen Ausland gibt es deutschsprachige Studiengänge unterschiedlicher Fachrichtungen von Agrarmanagement bis Umwelttechnik und von Rechtswissenschaften bis Informatik. Bei Studiengängen mit Doppel- und Mehrfachabschluss findet die Alltags- und Wissenschaftskommunikation zudem häufig in zwei oder mehreren Sprachen statt.
 
Die vom Auswärtigen Amt publizierte Studie Deutsch als Fremdsprache weltweit aus dem Jahr 2015 kommt zum Ergebnis, dass „in vielen Regionen das Interesse für die traditionelle Germanistik sinkt, die Nachfrage nach Deutsch in fach- und berufsbezogenen Kontexten jedoch zunimmt“. Dies trifft insbesondere auf Länder zu, die Deutschland als Wirtschaftsstandort schätzen, die akademische Beziehungen zu Deutschland pflegen oder besondere Bildungsangebote mit Deutschlandbezug bieten. Für Annegret Middeke, Geschäftsführerin des Fachverbands Deutsch als Fremd- und Zweitsprache zeigt dies, dass echte Internationalisierung viel mehr als nur Anglisierung bedeuten kann: „Vielleicht sind wir im 21. Jahrhundert so weit, dass wir wissen: Englisch allein reicht nicht aus. Stattdessen erfahren Sprachen wie das Deutsche international wieder mehr Bedeutung, gerade auch weil sie die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.“

Fremdsprachen fördern innovative Lehrformate

Annegret Middeke ist zudem überzeugt, dass der DaF-Unterricht die interkulturelle Kompetenz der Lernenden fördern und Impulse für den Einsatz innovativer Lernformate geben kann: „Im kommunikations- und handlungsorientierten Fremdsprachenunterricht geht es darum, authentische Materialien wie digitale Wörterbücher oder Lernapps zu verwenden. Hier sind kollaborative Arbeitsformen Gang und Gäbe.“ Selbst wenn der DaF-Unterricht mehr oder weniger isoliert stattfindet, können Lernende die dort erworbenen Lerntechniken auch auf andere Studienfächer übertragen. Wird Deutsch als Fachsprache gelernt, können diese Lernformate auch direkt Eingang in Fächer finden, in denen heute noch vor allem der Stoff aus Büchern gebüffelt wird. Idealerweise sollte dieser Transfer von Lernstrategien aus dem Fremdsprachenunterricht in den Fachunterricht begleitet werden – etwa durch die Hochschuldidaktik oder das Sprachenzentrum.
 
Vielleicht werden dann sogar stiefmütterlich behandelte Deutschabteilungen die Internationalisierung als zentralen Baustein ihrer institutionellen Profilentwicklung nutzen, um zum Motor der überfälligen Hochschulreform zu werden. Dabei können deutsche Mittlerorganisationen eine wichtige Rolle spielen. Ein Beispiel dafür ist das DLL-Netzwerk, für das sich vier führende russische Hochschulen und das Goethe-Institut zusammengeschlossen haben, um die Ausbildung zukünftiger Deutschlehrer zu modernisieren. DLL steht für „Deutsch lehren lernen“ und ist ein Programm des Goethe-Instituts. Jede der beteiligten Hochschulen entwickelt ein Rahmenprogramm für eine Einheit daraus und stellt eine Lehrkraft zur Verfügung, um die DaF-Master-Studierenden aller Unis online zu betreuen.

Mit der Integration der DLL-Einheiten in die Curricula können die Hochschulen die DaF-Ausbildung auf den neusten Stand bringen und eine virtuelle Mobilität von Studierenden und Lehrkräften fördern. Das Goethe-Institut tritt als gleichberechtigter Partner im Netzwerk auf, stellt international anerkannte Materialien zur Verfügung und verbindet die Unis mit Partnern. „Die Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut sehen die Hochschulen als eine große Chance für die Internationalisierung“, so Frau Prof. Svetlana Tachtarowa von der Universität Kasan. Ein weiterer Schritt wäre die Einbindung ausländischer Partner.