Die passende Fortbildung finden Fit für den Unterricht

In Fortbildungen wird man wieder selber zum Lernenden und entwickelt seinen Unterricht weiter.
In Fortbildungen wird man wieder selber zum Lernenden und entwickelt seinen Unterricht weiter. | Foto (Ausschnitt): © Goethe-Institut/Martin Welker

Mal wieder raus aus dem Klassenzimmer, selber lernen und neue Impulse für den eigenen Unterricht erhalten. Dieser Zeit der Fortbildung fiebern die Lehrerinnen und Lehrer weltweit entgegen. Doch die passende Fortbildung auszuwählen, ist bei dem großen und vielfältigen Angebot nicht ganz einfach.

Lebenslang auf dem aktuellen Stand des Fachs und seiner Methodik bleiben, sei ein wichtiges Motiv, sich fortzubilden, sagt der Pädagoge Prof. Frank Lipowsky im Interview. Außerdem möchten sich Lehrkräfte mit den veränderten Rahmenbedingungen des Deutschunterrichts, neuen Lehrplänen und Prüfungen oder auch mit Veränderungen im Lernverhalten ihrer Teilnehmenden auseinandersetzen. Deutschlehrkräfte, die für Fortbildungen aus dem Ausland kommen, freuen sich besonders darauf, die deutschsprachigen Länder, ihre Sprache und Kultur von einer weiteren Seite entdecken zu können. Doch wie findet man die richtige Fortbildung für sich persönlich?

Kompetenzen einschätzen und Ziele definieren

Meistens wissen Sie ja genau, welche Kompetenzen Ihnen noch fehlen, und was Sie erreichen möchten. Wenn Sie hier aber nicht ganz sicher sind, versuchen Sie doch Ihre Unterrichtskompetenzen mithilfe des Europäischen Profilrasters für Sprachlehrkräfte (EPG) selbst einzuschätzen. Das Instrument bietet Ihnen Kann-Beschreibungen in verschiedenen Kompetenzbereichen an. So können Sie Ihr persönliches Kompetenzprofil erstellen und dadurch bestimmen, welche der Kompetenzen Sie ausbauen möchten.

Bei der Einschätzung Ihrer Kompetenzen, können Sie auch Ihre Kolleginnen und Kollegen um Hilfe bitten. Bei der Einschätzung Ihrer Kompetenzen, können Sie auch Ihre Kolleginnen und Kollegen um Hilfe bitten. | Foto (Ausschnitt): Woodapple © Adobe Stock Oder bitten Sie eine Kollegin, einen Kollegen oder Ihre pädagogische Leitung, Ihnen ein Feedback zu Ihrem Unterricht oder am besten zu einem Aspekt Ihres Lehrverhaltens, bei dem Sie Entwicklungsbedarf sehen, zu geben – zum Beispiel hinsichtlich der Leitfrage: Wie wirkungsvoll setze ich digitale Medien zur Präsentation der Lerninhalte ein? Gehen Sie Ihre Fortbildung aktiv an, indem Sie Ihre konkreten Fortbildungsziele bestimmen und festhalten: Welches Wissen möchten Sie sich aneignen? Was möchten Sie nach der Fortbildung besser können? Welche Ihrer persönlichen Haltungen möchten Sie überprüfen?

Inhalte und Lernziele der Angebote prüfen

Wenn Sie Ihre Ausgangslage kennen, sichten Sie mögliche Fortbildungsangebote. Lesen Sie die Beschreibung der Inhalte und vor allem auch die Lernziele der einzelnen Angebote sehr genau. Versuchen Sie einzuschätzen, ob die jeweilige Fortbildung Ihnen die Möglichkeit bietet, sich auf allen drei Kompetenzebenen (Wissen, Können, Haltung) weiterzuentwickeln.

Informationen zum Fortbildungskonzept einholen

Die Anbieter von Fortbildungen veröffentlichen auf ihren Webseiten in der Regel Informationen zum Konzept und Aufbau ihrer Fortbildungen und zur Art und Weise, wie die Teilnehmenden die Ziele erreichen. Diese Transparenz ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal: Dadurch können Sie im Voraus die Aktivitäten und Arbeitsformen, die die Anbieter zum Erreichen Ihrer Fortbildungsziele einsetzen werden, ermessen:
  • Werden Sie Vorträge hören und aktuelle Fachtexte lesen? Werden Sie Ihren Fragen aus der Praxis nachgehen können und diese im Kontakt mit Expertinnen und Experten selbst beantworten?
  • Wird die Stadt, in der die Fortbildung stattfindet, oder die Institution, die sie anbietet, ein „Erfahrungsraum“ sein, den Sie aktiv erkunden können und in dem Sie reale Kontakte knüpfen?
  • Ist die Präsenzfortbildung von Onlinephasen flankiert, in denen Sie Aktivitäten zuhause und berufsbegleitend erledigen können?
  • Ist das Lernmaterial für Sie bereits einsehbar? Ist es fachlich aktuell, vielseitig, motivierend?
  • Gibt es Möglichkeiten zur Reflexion, Diskussion und Erprobung des Gelernten?
Fortbildungen bieten die Möglichkeit, neue Gruppenarbeitsformen kennenzulernen und auszuprobieren.   Fortbildungen bieten die Möglichkeit, neue Gruppenarbeitsformen kennenzulernen und auszuprobieren. | Foto (Ausschnitt): contrastwerkstatt © Adobe Stock Durch eine Internetrecherche lassen sich nicht alle diese Fragen klären. Aber spätestens, wenn Sie das Programm Ihrer Fortbildung erhalten, sollten Sie Antworten darauf bekommen.

Praxisbezug der Fortbildung analysieren

Gute Fortbildung setzt direkt im Unterrichtsgeschehen an. Dies kann beispielswiese über eine Simulation erfolgen: Eine Gruppe der Teilnehmenden führt eine Unterrichtssituation vor, die anderen beobachten und kommentieren anschließend. Oder es gelingt mit einem Videoausschnitt, in dem Sie bestimmte Aspekte vom Unterricht mithilfe eines Beobachtungsbogens analysieren und mit Ihren Kolleginnen oder Kollegen besprechen.
Besonders plastisch wird Unterricht in Fortbildungen dann, wenn Teilnehmende eigene Videos aus ihrem Unterricht präsentieren: Eine Lehrerin lässt sich beispielsweise von einer Kollegin dabei filmen, wie sie Arbeitsanweisungen für eine A1-Lernergruppe auf Deutsch formuliert. Eine andere zeigt, wie sie mit Lernplakaten arbeitet.

Anregungen der Fortbildung im Unterricht erproben

Haben Sie auch schon selbst erfahren, dass kurze, einmalige Fortbildungen selten zu Veränderungen im eigenen Unterricht führen? Dies würde die Erkenntnisse von Prof. Lipowsky bestätigen. Er rät zu Fortbildungen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken: So kann intensiver gearbeitet werden und Effekte von veränderten Lehrverfahren auf die Lernenden werden sichtbarer.

Entscheidend ist neben der Dauer einer Fortbildung auch ihre Phasierung: Effektiv sind Maßnahmen, in denen Sie als Teilnehmende dazu ermutigt werden, in Ihrem Unterricht etwas Neues auszuprobieren oder zu verändern. Nach einer solchen Erprobungsphase sollten sie Gelegenheit bekommen, über diese Erfahrungen erneut mit Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch zu kommen. Dieses Neue kann ein Lernmaterial, eine gut funktionierende Arbeitsform wie das Gruppenpuzzle oder auch die Art und Weise des Feedbackgebens sein. In solchen zyklisch angelegten Fortbildungen wird schon in der Präsenzphase an der Umsetzung im eigenen Arbeitsumfeld gearbeitet. Auf die tatsächliche Erprobung in der Praxis folgt in einer Onlinephase die Präsentation und Nachbesprechung der Erkenntnisse daraus.

Coaching oder kollegiale Beratung durch Lehrerkolleginnen und -kollegen wären weitere Möglichkeiten, eine Fortbildungsphase zu ergänzen und dadurch ihre Wirksamkeit zu erhöhen.

Unser Tipp: Erstellen Sie anhand der genannten Kriterien eine Checkliste zur Einschätzung Ihrer nächsten Fortbildung, ergänzen Sie diese mit eigenen Kriterien. Mit dieser Liste fällt es Ihnen leichter, eine für Sie passende Fortbildung auszuwählen.
 

Literatur

Ziebell, Barbara/Schmidjell, Annegret (2012): Unterrichtsbeobachtung und kollegiale
Beratung (= Fernstudieneinheit ;32).