Spaß an Rechtschreibung Eine Liebesgeschichte zwischen zwei Buchstaben

Das Bilderbuch „ich & er“ hilft den Kindern, die Verbindung „ie
Das Bilderbuch „ich & er“ hilft den Kindern, die Verbindung „ie" zu verinnerlichen. | © Kirchler/Rauter

Die Rechtschreibung der deutschen Sprache ist für junge Lernende herausfordernd. So wird nach einem lang gesprochenen i ein e dazu geschrieben. Tiger wird aber nur mit i geschrieben. Das Sprachlern-Bilderbuch „ich & er“ versucht mit einer liebevollen Geschichte dieser Thematik auf den Grund zu gehen.
 

Das Bilderbuch „ich & er“ ist eine Liebesgeschichte zwischen zwei Buchstaben und nimmt die Schreibweise ie unter die Lupe. Dabei werden die beiden Buchstaben i und e als Persönlichkeiten dargestellt.
Die lange Ilse wohnt in der Stadt und ist anders als alle anderen. Sie ist allein und traurig. Erich wohnt auf dem Land mit vielen Tieren und ist sehr schüchtern. Er ist ebenso allein und traurig. Ein Brief, der von einem Windstoß verweht wird, landet bei Erich. Er verändert die Situation der Beiden und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Die Erzählung und die personifizierte Darstellung helfen den Schülerinnen und Schülern in ihren kognitiven Prozessen. Durch das Sehen und Lesen werden Lernprozesse initiiert, die den Lernenden helfen sollen, die Verbindung ie besser in Erinnerung zu behalten.
Der Text ist in Reimform verfasst und es kommen Wiederholungen vor, die das Lesen und Verstehen erleichtern sowie beim Merken und Erkennen helfen. Die Illustrationen versuchen das Wesentliche darzustellen. Dennoch sind sie aussagekräftig und wirkungsvoll.

Die Einführung von ie

Das „lange i“ kommt in der deutschen Sprache unterschiedlich vor und zwar als -ieh wie im Wort Vieh, als -i wie in Tiger, als -ie wie in Biene und -ih wie in den Pronomen ihm, ihn, ihr, ihnen. Diese Vielfalt der i-Schreibweise kann für die Schülerinnen und Schüler sehr herausfordernd sein. Mehr als die Hälfte der Wörter mit langem i-Laut werden mit -ie geschrieben und dies ist somit auch die Thematik des Sprachlern-Bilderbuches „ich & er“.

Es gibt unterschiedlichste Methoden zur Einführung der ie-Schreibung. Im Primarbereich bevorzugen einige Lehrpersonen das genaue Hinhören und Üben der Unterscheidung von langen und kurzen Vokalen. Andere führen das ie anhand der Silbentrennung ein. Es wird darauf hingewiesen, dass das i bei einer offenen Silbe mit ie geschrieben wird. Zusätzlich gibt es die Silbenanalytische Methode nach Röber (2009). Hierbei stehen die Merkmale der Silben und deren Anwendbarkeit auf das schriftliche Regelwerk im Mittelpunkt. In diesem Sprachlern-Bilderbuch werden alle drei Methoden berücksichtigt. Bei den unterschiedlichen Methoden ist eine angemessene Begleitung von Seiten der Lehrperson wichtig. Von Beginn an sollten Lehrkräfte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern die Sprache zur Förderung des metasprachlichen Wissens reflektieren. Dadurch kann die korrekte Schreibweise gesteigert werden. Die Einführung des ie-Lauts bleibt für deutschsprachige Kinder trotzdem komplex; für Kinder mit anderen Muttersprachen meist abstrakt und verwirrend.

Hier kann dieses Bilderbuch zum Einsatz kommen und als Ergänzung zu Lehrwerken dienen. Durch die Persönlichkeiten Ilse und Erich gelingt es den Lernenden auch die Rechtschreibregeln besser in Erinnerung zu behalten. Schülerinnen und Schüler erleben das Wissen über Rechtschreibung auf diese Weise nicht monoton, sondern auf eine angenehme und lustvolle Art und Weise. 

„ich & er“ im Unterricht

Die Illustrationen machen die Erzählung lebendiger und bieten die Grundlage für weiterführende Aufgaben. Die Illustrationen machen die Erzählung lebendiger und bieten die Grundlage für weiterführende Aufgaben. | © Kirchler/Rauter Das Bilderbuch eignet sich sowohl zur Einführung des ie-Lauts als auch zur Ergänzung der Thematik. Zum Einstieg kann das Buch vorgelesen oder erzählt werden. Eventuelle Fragen und Bemerkungen von Kindern werden aufgegriffen. Das Buch enthält in seinen Bildern Schriftelemente, welche von den Schülerinnen und Schülern entdeckt werden können. Auch der Text selbst, bietet die Möglichkeit das ie zu suchen und zu kennzeichnen. Eine Unterscheidung zur Lautverbindung ei wäre ebenso eine fortführende Aktivität. Das Sprachlern-Bilderbuch kann auch als Bilderbuchkino oder Theater präsentiert werden. Zur Vertiefung bieten sich Reime, Rätsel, Sortier- und Differenzierungsspiele an.

Warum Bilderbücher im DaZ/DaF-Unterricht?

Bilderbücher eröffnen neue Perspektiven. Die Schülerinnen und Schüler finden einen emotionalen Zugang zu Geschichten und ihren Helden. Deshalb bleiben sie in Erinnerung.
Als didaktisches Medium greifen Bilderbücher die sprachliche, kulturelle und kognitive Vielfalt auf und schaffen spannende Momente des Lernens. Sie regen zum Nachdenken und Fragen an, also zum Sprechen in der zu lernenden Sprache oder auch in der Eigenen. Die Bilder unterstützen den Text und helfen, den Inhalt zu verstehen.

Außerdem laden Bilderbücher zum Verweilen ein. Die Kinder können sich das Buch immer wieder anschauen, vor- und zurückblättern, selbst lesen, anderen vorlesen, zu Bildern eigene Texte schreiben oder zu Texten eigene Bilder malen. Aber vor allem machen sie Spaß!
 
Unsere Erfahrungen im Kindergarten und in der Grundschule haben gezeigt, dass Erzählungen beim frühen Sprachenlernen einen äußerst positiven Aspekt haben. Deshalb eignen sich sorgfältig ausgewählte Bilderbücher und Geschichten hervorragend für den Unterricht.
 

Literatur

Hering, Jochen (2016): Kinder brauchen Bilderbücher. Seelze: Kallmeyer in Verbindung mit Klett.
 
Kirchler, Daniela/Rauter, Renate (2015): „Punkto und Punktino“. Literale Sprachbildung im DaZ-Unterricht. In: Eder, Ulrike (Hg.): Sprache erleben und lernen mit Kinder- und Jugendliteratur I. Wien: Praesens Verlag, S. 81-94.
 
Röber, Christa (2011): Die Leistungen der Kinder beim Lesen- und Schreibenlernen. Grundlagen der Silbenanalytischen Methode. Ein Arbeitsbuch mit Übungsaufgaben. Hohengehren: Schneider Verlag.
 
Bardola, Nicola, Hauck, Stefan/Jandrlic, Mladen/Wengler, Susanna (2009): Mit Bilderbüchern wächst man besser. Stuttgart/Wien: Thienemann.