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Bücherkolumne
Auserlesen! Nr. 2

„Was kann ich denn mal lesen?“ Ob sprachgewandte Deutschlehrende oder lesehungrige Deutschlernende: die Frage stellt sich allen, die geeignete deutschsprachige Lektüre suchen. Spannend soll das richtige Buch sein, gut geschrieben und interessant. Aber wie findet man sich zurecht im Bücherwald? Auserlesen! hilft mit einer bunten, eben auserlesenen Mischung!

Von Karen-Susan Fessel

Kindisches und Verspieltes

Duden: Versunkene Wortschätze © Duden Verlag Duden: Versunkene Wortschätze – Wörter, die uns fehlen werden

Was haben das Eisenbahncoupé, der Vatersbruder und der Mantelsack gemein? Sie werden bald verschwinden – aus der deutschen Sprache nämlich. Aber die Rettung naht in Gestalt dieses kurzweiligen Nachschlagewerkes, das gleich Hunderte dieser bedrohten Wörter nicht nur auflistet, sondern auch erklärt. Damit lässt sich eine lange Wartezeit beim Arzt oder an der Bushaltestelle überbrücken, und hinterher hat man nicht nur seinen Wortschatz so ganz nebenbei aufpoliert, sondern kann hie und da seine Mitmenschen überraschen und zum Staunen bringen.
Das richtige Werk also für Deutschlernende und -lehrende, Angeber und Sprachliebhaberinnen.


Junge Welten

Kirsten Boie: Ich ganz cool © Verlag Friedrich Oetinger Kirsten Boie: Ich ganz cool 

In Steffens Leben gibt es Mutjoggen, Kawasakis und geile Videos, aber auch die ätzende Schule und doofe Eltern, vor allem der Vater, ein totaler Loser, obwohl er Filialleiter ist. Und Süße, die kleine Schwester, nervt auch ständig rum. Aber zum Glück kann Steffen sich wegträumen, in eine glänzende Zukunft, in der er alles kann und sein wird, vor allem cool … Kirsten Boies bereits 1993 erstmalig erschienener Jugendroman, der seinerzeit als eines der ersten Bücher umgangssprachliche Ausdrücke verwendet hat, ist in Stil und Thematik immer noch brandaktuell, auch wenn es jetzt Handys gibt und die sogenannten „Ausdrücke“ sich seither sehr verändert haben. Ein wahrer Klassiker der Jugendliteratur, den ich heiß und innig empfehlen kann!
 

Deutsche Geschichte(n)

Mirjam Pressler: Dunkles Gold © Beltz & Gelberg Verlag Mirjam Pressler: Dunkles Gold

Nur wenige Wochen nach Fertigstellung dieses spannenden Romans ist sie gestorben: Mirjam Pressler, Autorin unzähliger eindringlicher Kinder- und Jugendbücher und vielseitige Übersetzerin aus dem Hebräischen und Niederländischen, hielt zeitlebens wenig davon, Kinder und Jugendliche vor Schrecken und Schwierigkeiten literarisch zu bewahren – zu unserem großen Glück! Ob Magersucht, Depression, Mobbing oder Außenseitertum, Pressler verpackte diese Themen stets in wunderbar lesenswerte Bücher, die eins wie das andere dazu beitrugen, diese Welt ein bisschen besser zu machen, davon bin ich überzeugt. Ihr leider letztes Werk steht ganz in dieser Tradition – und greift einen Themenkomplex auf, dem Pressler, uneheliches Kind einer Jüdin und aufgewachsen bei Pflegeeltern, sich immer wieder neu gewidmet hat: der Geschichte des Judentums und dem modernen Judentum heute. Das Schicksal zweier Jugendlicher, die 1349 vor dem Pestpogrom fliehen müssen, wird verwoben mit der in heutigen Zeiten spielenden Liebesgeschichte zwischen der christlich aufgezogenen Laura und dem jungen Juden Alexej. Was bedeutet es heute in Deutschland, jüdisch zu sein? Mit dieser Frage lässt Pressler uns zurück. Eine Antwort darauf aber finden wir in ihren wunderbar eindringlichen und fantastisch erzählten Büchern, besonders in diesem. 
 

Jetzt und hier – Deutschland heute

Daniel Schreiber: Zuhause © Suhrkamp Verlag Daniel Schreiber: Zuhause

Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen. // Ein Zuhause – danach sehnen sich vermutlich alle Menschen, aber nicht alle haben eines. Und manch einer fühlt sich dort, wo er lebt, dann doch nicht zuhause. Was brauchen wir also, um uns zuhause zu fühlen, und wie gelingt es, an einem fremden Ort heimisch zu werden? Viele Fragen lassen sich um dieses Thema stellen, der Berliner Autor und Journalist hat sich ihnen angenommen und einen brillant geschriebenen Essay geliefert, der manch neue Erkenntnisse bringen kann. Am meisten interessiert hat mich persönlich dabei eher Schreibers Blick auf Gewalterfahrungen von Kindern in der DDR. Das war sehr spannend und aufschlussreich. Auf die eigentliche Fragestellung aber – wo ist mein Zuhause? - muss ich wohl doch meine eigene Antwort finden! 
 

Lebenswege

Olav Meyer-Sievers: Diffuses Licht © Männerschwarm Verlag Olav Meyer-Sievers: Diffuses Licht 

Mit der eigenen Mutter in einer
Wohngemeinschaft wohnen? Eine ungewöhnliche Konstellation, aber Toms Familie ist sowieso ungewöhnlich – der Vater, bekannter Modefotograf, hat neu geheiratet, und Toms Mutter hat die Hippiezeit voll ausgekostet. Aber als der Siebzehnjährige von einem Kurztripp zurückkommt, ist sie nicht mehr da, und sein Leben gerät komplett aus den Fugen. Dieser berührende Debütroman mit autobiographischen Zügen schlägt einen großen Bogen zwischen den siebziger Jahren und heute und erzählt einfühlsam von Verlust und Hoffnung. Von diesem Hamburger Autor, der erst in seinen Fünfzigern mit dem Schreiben begonnen hat und inzwischen ein weiteres, sehr lesenswertes Buch über seine Arbeit als Notfallseelsorger veröffentlicht hat, erhoffe ich mir noch viele weitere Romane.  
 

Achtung, Hochspannung!

Stefan Holtkötter: Landgericht © Piper Verlag Stefan Holtkötter: Landgericht. Ein Münsterland-Krimi.

Im sechsten Band der durchweg gelungenen Münsterland-Krimireihe des Berliner Autors muss Hauptkommissar Bernhard Hambrock tief in die Niederungen allzu menschlicher Regungen wie Missgunst und Neid hinabtauchen: Ein unbescholtener Bürger ist mitten auf dem platten Land ermordet worden – hat die betrunkene Jugendgang, die noch Stunden zuvor den abgelegenen Bahnhof unsicher machte, damit etwas zu tun? Holtkötters atmosphärisch dichte Krimis zeichnen immer auch ein leicht schräges, tiefgründiges und zugleich amüsantes Bild der Landbevölkerung im Nordwesten Deutschlands. Wer diesen Landstrich kennen lernen will, ist mit Holtkötters kurzweiligen Krimis gut beraten!

Lesetipp des Monats

Wolf Haas: Das ewige Leben © dtv Wolf Haas: Das ewige Leben. 

Hier kommt er, der erste Tipp des Monats von einer Auserlesen!-Leserin aus Nordmazedonien. 
Biljana ist Deutschlehrerin in Skopje und empfiehlt uns die Krimi-Reihe um den Ex-Polizisten Simon Brenner des österreichischen Autors Wolf Haas. Sie schreibt:

„Ich habe das erste Buch von Wolf Haas auf einem Deutschlehrer-Seminar in Wien kennengelernt. Das war der Roman `Das ewige Leben`. Seitdem bin ich ein großer Fan der Krimis von Wolf Haas und seinem Helden Simon Brenner, der immer wieder in neue Mordgeschichten verwickelt wird. Nach dem Einleitungs-Satz "Jetzt ist schon wieder was passiert" erzählt ein allwissender Erzähler das, was passiert ist, in einer Weise, dass sich einer Deutschlehrerin wie mir zunächst die Haare sträuben. Die Sätze sind selten vollständig, es fehlen meistens die Prädikate, die "weil"-Sätze sind immer falsch. Man braucht einige Zeit, sich an diese Sprache zu gewöhnen. Der Erzähler spricht so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, ohne Rücksicht auf Grammatik oder Deutschlehrerinnen. Aber interessant: Wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, dann muss man bei jedem neuen Satz schmunzeln oder lachen und will immer weiter lesen."
 
Diesen Lese-Tipp gebe ich gerne weiter. Mittlerweile gibt es 8 Krimis rund um den kleinen, dicklichen "Kantschädel" Brenner, die sich allesamt durch ihre originelle Sprache, das österreichische Lokalkolorit und ihren oft schwarzen Humor auszeichnen. 

Für diesen gelungenen Leserinnen-Tipp bekommt Biljana auch unseren ersten Buchpreis zugeschickt. Herzlichen Glückwunsch!

Liebe Leserinnen und leser...

Buchtipp des Monats © adobe.stock ...an dieser Stelle kann in der nächsten Ausgabe Ihr Buchtipp stehen! Haben Sie ein interessantes, spannendes, lehrreiches oder unterhaltsames Buch auf Deutsch gelesen, das Sie gerne anderen weiterempfehlen möchten?
Dann schreiben Sie eine E-Mail an:
magazin-sprache@goethe.de 
Betreff: Auserlesen!

Nennen Sie uns den Namen des Autors/der Autorin, den Titel des Buches und vor allem, was Ihnen an dem Buch gefällt.
Wenn Sie Glück haben, gewinnen Sie dabei ein Buchpräsent!
 

Auserlesen! Nr. 2

  • Duden: Versunkene Wortschätze – Wörter, die uns fehlen werden (2016): Berlin, Duden
  • Boie, Kirsten (2009): Ich ganz cool. Hamburg: Verlag Friedrich Oetinger.
  • Pressler, Mirjam (2019): Dunkles Gold. Weinheim: Beltz & Gelberg Verlag.
  • Schreiber, Daniel (2018): Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.
  • Meyer Sievers, Olav (2015): Diffuses Licht. Hamburg: Männerschwarm Verlag.
  • Holtkötter, Stefan (2013): Landgericht. München: Piper Verlag.
  • Haas, Wolf (2011): Das ewige Leben. München: dtv

Alle Bücher sind auch als E-Books erhältlich, zumeist auch über die Onleihe des Goethe-Instituts.

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