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Internationalisierung im Lehrberuf
Erste Erkenntnisse aus dem SCHULWÄRTS!-Forschungshub

Ein Mann zeigt auf ein Bild von der Erdkugel.
© Fotolia, Rido

Ein Blick in die Lehrpläne deutscher Hochschulen verrät, dass die Internationalisierung der Lehrkräfteausbildung noch nicht überall angekommen ist. Der SCHULWÄRTS!-Forschungshub zeigt in seiner jüngst erschienenen Sammelpublikation, warum die Internationalisierung im Lehramtsstudium so bedeutsam ist.

Von Seyna Dirani

Warum ins Ausland gehen?

Um die Internationalisierung der Lehrkräftebildung voranzutreiben, gibt es viele Wege - einer davon heißt Mobilität. In der letzten Dekade wurde die Forderung nach einer erweiterten Lehramtsausbildung seitens der Bildungs- und Forschungslandschaft immer lauter. Zahlreiche Untersuchungen belegen: Das Erlernen eines adäquaten Umgangs mit sprachlicher und kultureller Vielfalt ist eine unabdingbare Komponente der Lehrkräftebildung, die es zu fördern gilt. Welchen konkreten Nutzen hat die Mobilität von Studierenden – genauer die Auslandsmobilität – im Hinblick auf die Lehrkräftebildung? In welchem Umfang ist sie wie und wo möglich? Wozu kann und sollte sie bestenfalls beitragen? Decken sich Erwartungen seitens der Lehramtsstudierenden mit dem tatsächlichen Ertrag? Und welche Funktionen erfüllen dabei Programme wie SCHULWÄRTS! des Goethe-Instituts? Dafür liefert der SCHULWÄRTS!-Forschungshub mit seiner Publikation Auslandspraktika im Lehramtsstudium. Erste Erkenntnisse aus dem SCHULWÄRTS!-Forschungshub des Goethe-Instituts erste Antworten.

Das SCHULWÄRTS!-Programm im Überblick

SCHULWÄRTS! wurde 2015 vom Goethe-Institut ins Leben gerufen. Das Programm vermittelt und fördert zwei- bis viermonatige Praktika an vom Goethe-Institut betreuten Schulen in derzeit über 40 Ländern und bietet eine flexible Möglichkeit für angehende Lehrkräfte in Deutschland, internationale Praxiserfahrung zu sammeln. Eine mehrstufige Betreuungsstruktur und die Verzahnung von Theorie und Praxis in den Vor- und Nachbereitungsseminaren sollen einen nachhaltigen Kompetenzgewinn der Teilnehmenden ermöglichen. Die beiden Hauptziele des Programms sind die Unterstützung der Internationalisierung der Lehrkräftebildung in Deutschland sowie die Förderung einer nachhaltigen Beziehung zwischen den betreuten Schulen im Ausland und dem Goethe-Institut. Damit nimmt das SCHULWÄRTS!-Programm eine wesentliche Rolle in der Sprachen- und Bildungspolitik des Goethe-Instituts ein. Die Besonderheit von SCHULWÄRTS! liegt dabei im bidirektionalen Austausch: Durch das miteinander Arbeiten und das Kennenlernen verschiedener Lernkulturen entsteht eine Verbindung zwischen den Ländern mit dem Ziel, die Grenzen zwischen Innen und Außen aufzubrechen und schließlich eine international ausgerichtete Bildungslandschaft anzustreben.

Die Gründung des Forschungshubs

Neben der politischen Dimension zeigt sich auch im wissenschaftlichen Diskurs ein gesteigerter Bedarf an Untersuchungen zur Internationalisierung der Lehrkräftebildung. Eine umfassende Untersuchung zu Auslandspraktika im Lehramtsstudium, die verschiedene Expertisen einbezieht, ist außerdem ein Desiderat in der Internationalisierungsforschung.

Aus diesem Grund wurde im Herbst 2019 der SCHULWÄRTS!-Forschungshub gegründet – ein interdisziplinäres Format, das sich dem Thema sowohl mit theoretischen als auch empirischen Forschungsarbeiten annimmt. Mit Beiträgen zum Diskurs und der Erforschung einer international ausgerichteten Lehrerkräftebildung strebt der Forschungshub die Öffnung von deutschen Hochschulen und Schulen an. Dabei dient der Hub seinen Mitgliedern als eine Diskussions- und Arbeitsplattform und vernetzt Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen miteinander. Das SCHULWÄRTS!-Programm fungiert für die einzelnen Forschungsvorhaben als nützliches Untersuchungsinstrument. Das Programm ermöglicht einen authentischen Einblick in die nationalen Bildungssysteme in über 40 Ländern und die mittlerweile große SCHULWÄRTS!-Community bietet eine große Zahl möglicher Proband*innen. Darum eignet sich SCHULWÄRTS! besonders gut für theoretisch basierte Untersuchungen und zur Gewinnung neuer empirischer Daten im Rahmen qualitativer und quantitativer Forschungsvorhaben.

Gebündelte Expertise in einem Sammelband

Die im Hub entstandenen Forschungsarbeiten betrachten den Internationalisierungsaspekt mehrdimensional und stets mit Bezug zum SCHULWÄRTS-Programm
Cover: Auslandspraktika in der Lehrkräfteausbildung Das Ergebnis nach rund 2 Jahren Hub kann sich sehen lassen: Der SCHULWÄRTS! Sammelband. | Goethe-Institut Untersuchungen aus Kulturtheorie, Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik, Schulpraxis, Internationale Lehrkräftebildung & Bildungsforschung sowie Bildungspolitik geben Einblicke und erste Erkenntnisse über die Signifikanz und Wirksamkeit von Mobilitätsprogrammen wie SCHULWÄRTS! für das in- und ausländische Bildungssystem. Die Publikation steht zum freien Download auf der Website von SCHULWÄTS! zur Verfügung.

Ein konkretes Beispiel: Wann sind Lehrkräfte interkulturell kompetent?

Wenngleich als key outcome (European Commission 2014) von Auslandsaufenthalten eine Förderung von interkultureller Kompetenz angenommen wird, bedarf es einer genaueren Definition, was darunter eigentlich zu verstehen ist. Was lässt sich unter dem Begriff der interkulturellen Kompetenz fassen und welche Aspekte von interkultureller Kompetenz sind speziell für die Lehrkräftebildung notwendig?
Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Auslandsaufenthalte sogenannte softskills positiv beeinflussen. Diese bilden jedoch nur einen Ausschnitt einer interkulturellen Kompetenz ab und sind in ihrem Ursprung im wirtschaftlichen Sektor zu verorten. Sie sind also nicht konkret auf das Berufsfeld Schule zugeschnitten. In ihrem Sammelband-Beitrag stellt Julia Schmengler die theoretische Herleitung zu einem kulturellen Kompetenzmodell für Lehrkräfte vor. Das Modell wurde im Rahmen der Promotion der Autorin zu Auslandserfahrungen von (angehenden) Lehrkräften entwickelt und spezifiziert die bislang vorhandenen Modelle. So wurden konkret die Aspekte Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten in dem Kompetenzmodell aufgenommen – Aspekte, die schulische, unterrichtsmethodische und -didaktische Rahmenbedingungen betreffen und für einen professionellen Umgang in interkulturellen pädagogischen Handlungssituationen relevant erscheinen.

Die Ergebnisse aus den interdisziplinären Arbeiten fördern nicht nur die Internationalisierungsforschung, sondern können schließlich als explizite Handlungsempfehlungen für die Gestaltung einer international ausgerichteten Lehrkräfteausbildung im Sinne des internationalism abroad dienen.
 

Literatur: 

Goethe-Institut (Hrsg.) (2022): „Auslandspraktika im Lehramtsstudium. Erste Erkenntnisse aus dem SCHULWÄRTS!-Forschungshub des Goethe-Instituts“. Münster: Waxmann Verlag

Verfügbar online:
Sammelpublikation: „Auslandspraktika im Lehramtsstudium. Erste Erkenntnisse aus dem SCHULWÄRTS!-Forschungshub des Goethe-Instituts“.


 

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