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Motivieren durch Feedback: Methoden für den Online-Unterricht
Peer-Feedback im Online-Unterricht

Eine junge Frau sieht auf ihr Smartphone und lächelt. Daneben sind drei Smileys: ein negativer, ein neutraler und ein positiver. Der positive ist hell unterlegt.
Positive Rückmeldungen motivieren | © Adobe Stock

Motivation und Partizipation sind entscheidende Faktoren im Unterricht. Virtueller Unterricht braucht dafür besondere Methoden, um Lernerfolge und Fortschritte zu erzielen. Feedback spielt hier eine elementare Rolle. In Kolumbien haben wir in einer Interventionsstudie verschiedene Varianten des Peer-to-Peer-Feedbacks getestet.

Von Katharina Wedler und Ricardo Escorcia

Funktionen von Feedback im Unterricht

Feedback-Verfahren nehmen im Unterricht trotz ihrer Relevanz kaum Raum ein. Anders als Bewertungen in Form von Noten soll Feedback den Weg des Lernens sichtbar machen, anstatt den Fokus auf das Ergebnis zu richten. Erhalten Lernende kontinuierlich individuelles Feedback, hat dies einen direkten Einfluss auf die Lernentwicklung: Sie erfahren einen Wissens- und Kompetenzzuwachs, da ihnen durch das Feedback ein konkreter Weg aufgezeigt wird, ans Ziel zu gelangen.

Mit Feedback ist das Übermitteln einer konkreten Information eines Senders oder einer Senderin an einen Empfänger oder eine Empfängerin gemeint. Doch Feedback ist keine Einbahnstraße. Es umfasst auch, was der Empfänger oder die Empfängerin gehört, gesehen und/oder verstanden hat. Beide Gesprächspartner*innen tauschen sich innerhalb des Feedbacks aus, um ein gemeinsames Verständnis zu sichern. Lernförderliches Feedback soll die Abweichung zwischen dem Lernziel und dem aktuellen Leistungsstand thematisieren und prozessbegleitend verringern, um das Potenzial der Lernenden bestmöglich zu nutzen.

Es ist unerlässlich, dass sich die Lehrkraft dafür in die Perspektive der Lernenden hineinversetzt. Lernförderliches Feedback zu geben ist anspruchsvoll. Es erfordert fachliches, fachdidaktisches sowie pädagogisch-psychologisches Wissen.


Formen des Feedbacks

Um die Wirksamkeit von Feedback bewerten zu können, hat Hattie (vgl. 2013: 53) verschiedene Formen des Feedbacks verglichen und deren Effektstärke (d) gemessen.
 
Formen des Feedbacks Effektstärke
Leistungstest ohne Feedback d= 0,30
Leistungstest mit Feedback d = 0,62
reines Feedback d = 0,73
prozessbegleitende Beurteilung mit Feedback d = 0,90

Die Tabelle zeigt, dass die prozessbegleitende Beurteilung mit Feedback deutlich effektiver ist als andere Feedback-Methoden. Hierbei sind Rückmeldungen regelmäßiger Teil des Lernprozesses und -fortschrittes. Die Lehrkraft bewertet die Lernenden bereits auf dem Weg zum Leistungstest und stellt den Lernstand nicht allein durch den Test fest. Bei einem Leistungstest ohne Feedback erfolgt nach der Benotung kein zusätzliches Gespräch, so wie das bei einem Leistungstest mit Feedback der Fall ist.

Zu den wirkungsvollsten Maßnahmen des Unterrichtens zählt die Kombination von reinem Feedback, formativer Beurteilung mit Feedback und Selbsteinschätzung. Dies setzt genaues Beobachten voraus – sowohl seitens der Lehrkraft als auch durch das Individuum selbst. Befunde zeigen, dass Selbstbeurteilung und auch Peer-Feedback einen positiven Einfluss auf selbstregulierte Schreibprozesse haben können.

Peer-Feedback als Gesprächsanlass – Eine Interventionsstudie

In unserer Interventionsstudie an der PASCH-/Fit-Schule Instituto Experimental del Atlántico in Barranquilla, Kolumbien haben wir unterschiedliche Feedback-Methoden im virtuellen Unterricht getestet. Die Studie wurde mit insgesamt 68 Schüler*innen zwischen 12 und 16 Jahren über einen Zeitraum von sechs Wochen durchgeführt.

Das Projekt bestand aus drei Phasen. In den ersten beiden Phasen trainierten die Schüler*innen anhand einer Video-Geschichte auf dem interaktiven Leseportal Onilo rezeptive und produktive Fertigkeiten. Die dritte Phase des Projekts umfasste die Rückmeldung der Klassenkamerad*innen zu den Videopräsentationen, die in Gruppenarbeiten entstanden sind. Die Schüler*innen bewerteten die Videos ihrer Gruppe anhand vorgegebener Feedback-Methoden.

Feedbackmethoden in der Peer-Interaktion

Das Instrument Feedback-Pyramide gibt Bewertungskriterien vor: Aussprache, Kreativität und Verständlichkeit. Die Schüler*innen gaben eine numerische Bewertung zu jedem Aspekt ab. Zusätzlich konnten sie einen freien Text als Rückmeldung schreiben. Gearbeitet wurde mit Nearpod, einer browserbasierten App für die Erstellung von interaktiven Präsentationen.
Die Zielscheibenmethode ähnelt der Feedback-Pyramide. Die Schüler*innen fokussierten sich auf drei vorgegebene Aspekte der Videopräsentation und gaben eine numerische Bewertung ab (von 1 sehr gut bis 4 gar nicht so gut).
  • Eine Pyramide ist von oben nach unten in acht gleich breite Bereiche unterteilt, diese sind nummeriert. Neben der Pyramide stehen die Worte „Aussprache“, „Kreativität“ und „Verständlichkeit“. Pfeile führen von den Worten zu einzelnen  Abschnitten der Pyramide und zeigen die Bewertung: Aussprache ist mit 2, Kreativität mit 3 und Verständlichkeit mit 4 bewertet. Zusätzlich hat der / die Lernende die Bewertung auf Spanisch kommentiert. Screenshot © Ricardo Escorcia. Das Tool wurde erstellt mit Vorlagen von www.mandalana.de
    Feedbackpyramide
  • Bereiche der Zielscheibe sind von innen nach außen nummeriert. Neben der Zielscheibe stehen die drei Bewertungsaspekte Aussprache, Verständlichkeit und Kreativität, daneben genauere Beschreibungen auf Deutsch und Spanisch. Aussprache: Der Schülerin / der Schüler spricht deutlich. Verständlichkeit: Das Thema ist klar und verständlich. Kreativität: Kreativität der Präsentation Screenshot © Ricardo Escorcia. Das Tool wurde erstellt mit Vorlagen von www.mandalana.de
    Zielscheibe mit Feedback von Lernenden

Abschließend wurden die Schüler*innen zu den Feedback-Methoden befragt. Dabei gab ein Großteil (54 Prozent) der Befragten an, dass ihre Kommentare den Mitschüler*innen helfen, sich weiterzuentwickeln. Nach der Herausforderung des Feedbackgebens befragt, gaben 37% Prozent an, dass ihnen dies teilweise schwerfiel, 32 Prozent fiel dies eher nicht schwer.

Werden jedoch Bewertungskriterien vorgegeben, fällt es den Schüler*innen leichter, Feedback zu erteilen. Dass es dennoch wichtig ist, nicht nur Punkte zu geben, sondern auch Kommentare, sodass die Bewertung erklärt werden kann, bestätigen 51 Prozent der Schüler*innen, womit auch Hatties Ergebnisse zur Relevanz des reinen Feedbacks bestätigt werden.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es die Schüler*innen hilfreich finden, ihren Klassenkameraden Feedback zu geben und selbst welches zu erhalten. Durch gezielte Unterrichtsaktivitäten kann diese anspruchsvolle Aufgabe trainiert werden:
  • Lernaktivitäten, in denen sie Rückmeldung durch kurze Kommentare geben
  • Ampelfeedback mittels Likert Skala (von 1 sehr gut bis 4 kann verbessert werden)
Wesentlich ist dabei, dass die zuvor erklärten Bewertungskriterien vor der Feedback-Aufgabe vorliegen.

Mehr Unterrichtsaktivität, mehr Motivation

Schülerinnen und Schüler sitzen mit Masken im Klassenzimmer und nutzen Tablets. Zurück im Klassenzimmer: Die Feedbackmethoden werden aktuell auch im Präsenzunterricht eingesetzt. | © Ricardo Escorcia Tatsächlich hat die Unterrichtsaktivität im Rahmen der Studie zugenommen, schriftlich durch das Geben von Feedback und mündlich durch die umfangreiche Aufgabenstellung. So mussten die Schüler*innen verschiedene Schritte miteinander aushandeln und sich zur Umsetzung der Geschichte austauschen. Die Schüler*innen reflektierten eigene Kompetenzen und bewerteten den Feedback-Prozess als positiven Effekt. Bei der Umsetzung von Feedback-Methoden erweisen sich zahlreiche Apps und Programme wie Powerpoint, Pear Deck, Nearpod, Mentimeter, u. a. als besonders hilfreich.

Der Einsatz von Feedback-Methoden unter Lernenden ist wesentlich für die Gestaltung einer demokratischen Lernumgebung und Kultur im Unterricht. Die Schüler*innen fühlen, dass ihre Wahrnehmungen zum eigenen Lernprozess und jenem ihrer Klassenkamerad*innen berücksichtigt werden und sie an der Durchführung und Evaluierung des Unterrichts beteiligt sind. Dies stärkt die Position der Lernenden. Sie übernehmen mehr Verantwortung für den individuellen Lernprozess und gestalten dadurch auch aktiv das Unterrichtsgeschehen mit, was sich wiederum positiv auf die Motivation auswirkt. Gerade im Onlineunterricht hat sich das Arbeiten in sogenannten Breakout Sessions (virtuelle Gruppen ohne Lehrkraft) bewährt. In diesem Setting ist die Konsequenz der Schüler*innen gefragt und das Vermögen, selbstverantwortlich zu agieren. Die Qualität der Produkte, die dabei kleinschrittig entstanden sind, zeigt, dass dies funktioniert hat.

 
Literatur

Bastian, Johannes (2015): Lernprozessorientiertes Feedback. In: Pädagogik 7+8, 74-80.

Harks, Birgit; Rakoczy, Kathrin; Hattie, John; Besser, Michael; Klieme, Eckhard (2014): The effects of feedback on achievement, interest and self-evaluation: the role of feedback’s perceived usefulness. In: Educational Psychology 34 (3), 269-290.

Hattie, John (2009): Visible Learning: A synthesis of 800+ meta-analyses on achievement. London, New York. Routledge.

Hattie, John (2012): Visible Learning for Teachers: Maximizing impact on learning. London, New York. Routledge.

Lotz, Miriam; Lipowsky, Frank (2015): Die Hattie-Studie und ihre Bedeutung für den Unterricht: Ein Blick auf ausgewählte Aspekte der Lehrer-Schüler-Interaktion, In: Begabungen entwickeln & Kreativität fördern. Mehlhorn, Gerlinde; Schöppe, Karola; Schulz, Frank (Hg), München: kopaed, 2015. 97-136.

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