Pop auf Deutsch?
Normal.

  • Pop © Adel Tawil: Olaf Heine; Luftballon: andersphoto/fotolia.com
  • Rock © Arm: aarstudio/fotolia.com; Gürtel: VRD/fotolia.com; Totenkopf: oliman1st/fotolia.com; Flügel: liliya kulianionak/fotolia.com
  • Reggae © SEEED: Warner Music; Blüte: Beboy/fotolia.com
  • Hip-Hop © Cro: Delia Baum; cap: kir_prime/fotolia.com; Brille: k.line/fotolia.com
  • Soul © Lary: Esteban; Max Herre: Ronald Dick; Schallplatte: creative4m/fotolia.com; Trompete: spaxiax/fotolia.com
  • Liedermacher © Clueso: Christoph Koestlin; Gitarre: Beth Van Trees/fotolia.com; Rahmen: Silvano Rebai/fotolia.com

Deutsche Popmusik ist so beliebt und erfolgreich wie noch nie. Songs von Jan Delay und Andreas Bourani laufen Tag für Tag im Radio, die Lieder von Seeed und Marteria werden ständig unter Freunden geteilt. Auch in den Charts stehen deutsche Produktionen regelmäßig ganz oben. Es ist normal geworden, auf Deutsch zu singen. Die Bands versuchen nicht mehr, den angloamerikanischen Pop zu imitieren. Sie musizieren ganz selbstverständlich in ihrer eigenen Sprache. Neue und etablierte Künstlerinnen und Künstler inspirieren sich gegenseitig und sorgen damit für eine enorme Vielfalt im deutschen Pop.


Gefühl und Alltag

Deutsch ist angesagt. Jugendliche hören am liebsten Musik in ihrer eigenen Sprache. Hier finden sie ihren Alltag und ihre Wünsche wieder - und lernen sich dabei auch selbst kennen. Die Musikerinnen und Musiker sprechen ihre Sprache, besonders wenn es um das Thema Liebe geht. Adel Tawil und Tim Bendzko singen erfolgreich Liebeslieder auf Deutsch. Max Herre und Patrice verbinden Soulmusik mit modernen Beats und viel Gefühl. Damit wurden sie zu den größten Popstars aus Deutschland.

Land der Dichter und Rapper

Hip-Hop ist heute die erfolgreichste Jugendkultur des Landes. Die Szene ist sehr bunt. Es gibt nette Stars wie Cro mit der Pandamaske, nachdenkliche Poeten wie Prinz Pi und Aufsteiger von der Straße wie Megaloh. Sie alle gehen kreativ mit der deutschen Sprache um. Besonders Rapperinnen und Rapper mit Migrationshintergrund sind für die Erfolge im Hip-Hop verantwortlich. Sie erzählen Geschichten von den Härten der Großstadt. Jugendliche identifizieren sich mit dem rebellischen Lebensstil der Rapper und sehen sie als Vorbilder für Anerkennung und Aufstieg.

Grenzenloser Mix

Die Stile in der Popmusik vermischen sich immer mehr. So singt die Reggaeband Seeed ganz selbstverständlich über Hip-Hop-Beats. Der Liedermacher Clueso spielt mit Popmelodien. Die Band Kraftklub nutzt Rap-Elemente für ihren Garagenrock. Und die Hip-Hopper von Deichkind holen sich Inspirationen bei elektronischer Clubmusik. Stilistische Grenzen sind heute längst nicht mehr so wichtig wie früher.

Sommer, Sonne, Sause

Das Lebensgefühl von Pop erfährt man am schönsten zusammen mit anderen - bei Konzerten, in Clubs und auf Festivals. Im Sommer finden in ganz Deutschland große Musikfestivals statt. Für jeden ist etwas dabei. Unter freiem Himmel genießen zehntausende von Fans spannende Shows vor spektakulären Kulissen.

Computerliebe

Clubmusik spielt in Deutschland eine besondere Rolle. Die Pioniere von Kraftwerk haben die elektronische Musik in Düsseldorf mit erfunden. Bei der deutschen Wiedervereinigung haben Jugendliche aus Ost- und Westdeutschland auf den ersten Techno-Partys die Einheit gefeiert. Heute ist Berlin die Hauptstadt der internationalen Clubkultur mit dem Feiertempel Berghain, dem legendären Club Tresor und vielen mehr.

International angesagt

Pop aus Deutschland ist mit elektronischer Musik auch international erfolgreich. Früher waren es eher Rockbands wie Rammstein oder die Scorpions, die im Ausland bekannt wurden. Heute stehen House-Produzenten wie Felix Jaehn an der Spitze der internationalen Charts. Der Hamburger DJ Koze ist weltweit auf Partys unterwegs. Gentleman aus Köln zählt zu den erfolgreichsten Reggaemusikern überhaupt. Abseits des Mainstreams gibt es Bands wie die bayrische Blaskapelle LaBrassBanda, die regionale und internationale Elemente von Musik kombiniert. Und für den Nachwuchs sorgen u.a. Universitäten in Bochum und Mannheim, wo alles rund um den Pop unterrichtet wird. Die deutsche Popmusik erlebt zurzeit eine kreative Blütezeit, Ende nicht in Sicht.

Autor, Uh-Young Kim, Musikjournalist