Prinz Pi
Kompass ohne Norden

Songtext

Refrain (2x):
Die Ersten sind gescheitert,
die Ersten was geworden.
Die Ersten wurden Eltern,
die Ersten sind gestorben.
Bob Dylan gab mir einst
einen Kompass ohne Norden,
so treibe ich verloren
in ein unbekanntes Morgen.

Erst gestern war der Abi-Ball
und unser Direktor sprach
von unserer leuchtenden Zukunft am letzten Tag.
Das Gruppenbild: Beliebte und Randgestalten,
Foto hat die Zeit für ein Hundertstel angehalten.
Die Jungs trugen Anzug,
manche haben sich reingezwängt,
fühlten sich eingeengt,
manche haben ihn anbehalten.
Noch beisammen wie die Kugel eines Löwenzahn,
bevor die Böe kam und uns in die Höhe nahm.
Schule verblasst, Himmel so weit,
Zivi verstreicht, Uni erscheint.
Und der junge Mensch treibt.
Er treibt, er treibt es gerne zu weit.
Neue Freunde finden an den Fakultäten,
um auf Erstsemester-Partys einen Fuck zu geben.
Das Mensaessen sehr gut, um abzunehmen.
Samstag Laster leihen, mit Eltern zu Ikea gehen.
Viel Sommer gesehen
durch Fenster von Bibliotheken,
anstatt zu leben wie in der Stadt daneben.
Trotzdem nichts verstehen, Sex im WG-Zimmer,
nach Erstsemester-Partys,
irgendwas geht immer.

Refrain (2x)

Gestern paar getroffen,
zwei Tage in der Heimatstadt,
hatte nach nur zwei Stunden meine Heimat satt.
Zwei alte Lehrer kamen,
vier Leute aus der alten Klasse.
Auf seinem Jugendzimmerboden
lag die kalte Waffe,
als ihn sein Vater fand.
Auf einer Karte stand: „Ich bin zurückgegangen.“
Ein anderer hatte gerade
seinen ersten Tag im Außendienst,
als sie ihn abends
aus dem Wrack von seinem Audi ziehen.

Noch einen Monat lebte er weiter auf Bildern,
bis seine Pinnwand letztendlich still war.
Das Pärchen seit der Zehnten,
von dem alle sagten: „Die werden heiraten.“
Sind seit zwei Tagen Status: Es ist kompliziert.
Und es wird komplizierter.
Mit jedem neuen Tag wird das noch komplizierter.
Wer das nicht kapiert hat, bisher nicht kapiert hat,
kann nur jemand sein, der noch nie geliebt hat.

Refrain (2x)

Meine Eltern sind enttäuscht von mir,
und deren Eltern sind enttäuscht von ihnen.
Und ganz egal, welchen Weg man läuft,
mit jedem Schritt tritt man auf Minen.
Meine Kinder werden mich enttäuschen
und deren Kinder werden die enttäuschen.
Und deren Enkel werden die enttäuschen.
Wir jammern gern – so sind wir Deutschen.
Hab gestern einen wieder getroffen,
mit ihm ein paar Biere gesoffen.
Den ganzen Abend hat er durch meine Miene
gesprochen in den Spiegel hinter mir.
Er ist jetzt sehr erfolgreich,
redet von teuren Uhren,
hohen Steuern und dem Goldpreis.
Wie er stetig steigt und über viele Frauen,
die ihn alle wollen und er selber will immer.
Über den Aufsichtsrat, sein neues teures Auto.
Nach dem vierten Bier wird er für mich lautlos.
Und ich schrei: „Was hast du schon erreicht?
Du bist nur der größte Hai
in deinem kleinen Teich.
Doch es kommt stets
ein größerer, besserer, stärkerer, cleverer Hai.“

Sei ein Mensch und kein Hai, Mensch!
Zwischen den Beinen von den Sekretärinnen
findest du keinen Lebenssinn,
verlierst nur deinen Ehering.
In deinem Lebenslauf völlig ohne Lücken
hört dein Leben auf – zähl da drauf.“
 

Text: Friedrich Kautz, Max Lessmann

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