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Schreibwerkstätten für Jugendliche
Digitale Ergebnisse

Ein Zusammentreffen als Programmabschluss aller beteiligten Länder und Kulturen im Rahmen des 23. Hausacher LeseLenz Festivals konnte aufgrund von Covid19 nicht stattfinden.
Es ist schade, dass uns durch die Pandemie die Gelegenheit genommen wurde, sich persönlich auszutauschen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig anzuregen.
Umso mehr freuen wir uns, dass einige Schreibwerkstattergebnisse in Form von Publikationen der Goethe-Institute hier veröffentlich werden können. Die wortwerk-Publikation 2020 des Hausacher LeseLenz entstand in Kooperation mit dem Goethe-Institut.

 

Startseite Weltenschreiber

wortwerk-Publikation Hausacher LeseLenz und Goethe-Institut


Schreibwerkstatt in Bukarest mit Thomas Richhardt

Schreibwerkstatt in Bukarest Foto (Ausschnitt) : Sabine Erlenwein © Goethe-Institut

Publikation und Kurzgeschichten

Mitgewirkt haben Schüler*innen aus Bukarest, sowie die Lehrerin Miruna Popescu, unter Leitung des Autors Thomas Richhardt, in Kooperation mit dem Goethe-Institut Bukarest.

Die Sonne scheint, aber es ist ein bisschen windig. Ich sehe die Wellen des Meeres und die gute Laune der Menschen. Wenn ich das Meer sehe, bin ich immer fasziniert von den Wellen, weil sie niemals enden…

Dieser Ort entspannt mich jedes Mal: der feine Sand, der Geruch von Sonnencreme, die schönen Muscheln und vor allem die Sandburgen, die schönsten Kunstwerke der Kleinen. Ich höre das Kinderlachen und die Wellenmusik, alles in perfekter Harmonie. Ich fühle mich wunderbar und fantastisch, als ob alles eine Geschichte ist. Ein Traum, aus dem ich nie wieder aufwachen möchte! Doch so war es, leider: ich träumte.

Ich war mit einigen Bildern vom Meer in meiner Hand eingeschlafen. Das Meer, der Sand, die Muscheln, sie schienen alle so nah. Ich vermisse das Meer und das Gefühl am Strand zu sitzen. Alles ist so weit weg, aber ich bin dankbar für die Bilder, die ich habe. Zumindest können sie in mir das Gefühl des Meeres erwecken. 

PATRICIA NICOLAE 
Brasov ist mein Lieblingsort. Dieser Ort macht mir immer gute Laune. Seine Luft duftet frisch und die Aussicht sieht wie aus einem Märchen aus. Alle meine Freunden sind da, wenn ich Brasov besuche. Jedes Mal fühlt es sich an wie ein Abenteuer, weil ich nie weiß, was passieren wird. Immer wenn etwas Schlechtes in meinem Leben passiert, kann die Erinnerung an diesen Ort mich gut fühlen lassen.

Brasov ist einer der schönsten Orte in Rumänien. Er liegt im Nordwesten von Bukarest, aber nicht so weit weg, nur etwa zweieinhalb Stunden mit dem Zug. Ich glaube, dass er für mich auch so etwas Besonders ist, weil ich dort sehr viel erlebt habe. Mein Cousine wohnt da und wir sind sehr gute Freunde. Letzten Sommer war ich fast die ganze Zeit in Brasov, deshalb habe ich dort viele Freunden. Wir gehen auf viele Partys und wir wandern bis Postavaru oder Tampa (in den Bergen). Im Winter fahre ich viel Snowboard - manchmal treffe ich mich mit ein paar Jungen :), weil ich von ihnen Tricks lernen kann. Im Januar war mein Geburtstag und wir haben in Postavaru gefeiert und am Tag danach sind wir Ski gefahren.

ADA STEFANESCU
Die Sonne wärmt meine kalten Hände. Ich erinnere mich an die Tage, als ich jung und unbesiegbar war. Hätte ich gewusst, dass alles so kompliziert wird, dann hätte ich ausgewählt, still zu sein. Ich höre den Wind und irgendwie verstehe ich diese Sprache. Ich schließe meine Augen und ich bin wieder da: Nichts hat sich verändert. Oma backt und ich spiele Remi mit meinem Opa. Es riecht göttlich und mein Herz lächelt. Ich höre die Türklingel, aber ich möchte nicht wach sein. Mein Körper lebt in der Gegenwart, aber meine Seele kehrt immer an diesen Ort zurück…

OANA LUCA
Mein Lieblingsort liegt in Italien. Ich vermisse diesen Ort wegen der Leute, die dort leben. Letztes Jahr habe ich dort meinen 14. Geburtstag mit meinem Cousin und seiner Familie gefeiert. Das Land, die Regeln, die Leute, die Orte dort waren alle so anders. Ich hatte so viel Spaß, als wir die Sehenswürdigkeiten besichtigt haben. Ich habe mich frei und fröhlich gefühlt. Es war auch ein wichtiger Moment für mich, weil ich Furcht vor Hunden habe und dort habe ich Bachi getroffen, der der Hund von meinem Cousin ist. Er war so SÜß!!! Jetzt bin ich nicht mehr so ängstlich. Am Ende meines Textes muss ich sagen, dass ich es jetzt kaum noch mehr erwarten kann, nochmal nach Italien zu fliegen.

ANDREEA DARIA FURTUNA
Ich muss zugeben, dass ich keinen persönlichen Lieblingsort habe. Aber ich genieße es, alleine mit meinen Gedanken an der frischen Luft zu sein. Man könnte sagen, dass mein Lieblingsort in irgendeinem beliebigen Park in der Nähe von einem Teich sein könnte. Ich liebe es, das Wasser plätschern zu hören. Wenn ich allein in der Natur sitze, bemerke ich, wie viel ich übersehen habe, da ich immer mit der Technologie beschäftigt bin. Ich mag es, einfach in die Leere zu starren und meine negativen Gedanken loszulassen. Manchmal fühle ich mich aber auch sehr allein. Ich fühle, dass niemand in der Welt versteht, wie es mir geht. Ich fühle mich von Zeit zu Zeit wie eine verängstigte Maus in einer verstaubten Ecke. Ich finde es gut, wenn ich Zeit für mich allein finde, denn niemand erlebt das, was ich erlebe und niemand versteht diese Dinge besser als ich. Ich mag es, allein zu sein, es sind Tage an denen ich keine Menschenseele sehen möchte, Tagem an denen ich alleine mit meinem Kaffeebecher am Fluss sitzen möchte. Die Natur und ich. Manchmal wollen wir nur allein sein. 

ANA CRISTINA RADU
Mein Lieblingsort liegt irgendwo auf einer Wanderung. Ich höre das Lied der Natur. Ich liege im Gras und schließe meine Augen. Alles ist wunderbar. Ich fühle mich als Teil der Natur. Vielleicht ist alles ein Traum. Ich stehe auf, und fange zu gehen an. Der Ausblick ist unglaublich. Ich liebe das Wandern. Die Vögel fliegen weg, aber ihr Lied kommt mit bis zur Spitze. Ich fühle den Wind und denke „Das ist wie ein Traum. Aber es ist wirklich real“!

SARA UNGUREANU 
Ich habe keinen Lieblingsort. Aber ich bin oft froh, wenn ich unterwegs sein kann. Einige Beispiele dafür sind meine Reise nach New York für einen Klavierwettbewerb, oder die Urlaubsreisen mit meinen Eltern. Ich reise auch gerne nachts. Vielleicht ist die Nacht mein Lieblingsort? 

RUXANDRA ANGELESCU

Schreibwerkstatt in Kiew mit Sandra Hoffmann

2. Schreibwerkstatt in Kiew Foto (Ausschnitt): Valeriya Mezentseva © Goethe-Institut

Publikation und Videos

Mitgewirkt haben die Schüler*innen der Staatlichen Schule 47, sowie die Lehrerin Natalia Malai, unter Leitung der Autorin Sandra Hoffmann, in Kooperation mit dem Goethe-Institut Kiew.

Oleksii Frankov
© Privat
Anna Konstantinova
© Privat
Ivan Chub
© Privat

Schreibwerkstatt in Łódź mit Dagmara Kraus

Weltenschreiber in Lodz Artur Zwierzchowski (Ausschnitt) © Goethe-Institut

Kurzhörspiel und Gedichte

Mitgewirkt haben die Schüler*innen des Gymnasiums Liceum Ogólnokształcące Politechniki Łódzkiej, unter Leitung der Autorin Dagmara Kraus, in Kooperation mit dem Goethe-Institut Warschau.

Als Ausgangspunkt unseres Hörspiels diente uns der Name der Stadt, genauer eine mit dem Stadtnamen zusammenhängende Paradoxie: „Łódź“ bedeutet „Boot“. 

 
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Die Ruhe …
Moment … nein … das stimmt nicht
Meine Ohren entdecken das Rauschen
Das Rauschen von den ärgeren Seewellen
Sie schlucken den Schein des Sterns
Aber diese Sterne sind ewig
Und in der Ferne leuchtend wie ein Punkt am Himmel
Das Licht, strenger als sie
Der Platz wie kein anderer
Die geheimnisvolle Atmosphäre, Bewohnerschaft geht nicht herum
Sie arbeiten, sie sprechen, sie atmen
Sie haben keine Zeit zum Nachdenken
Nachdenken über das Ungewöhnliche unsere Welt

Maja Gołębiowska 
Mitte der Welt.
Genau hier hat meine lebenslange Schifffahrt angefangen.
Von Zentrum bringt mich das Boot überallhin.

Martyna Wojniłłowicz
Es gibt ein Gefühl, das wir nicht immer benennen können.
A feeling that is contagious, mirthful, yet dangerous.
Wir sehen nie die Gefahr, die es schafft.
We only see what it gives, never what it takes.
Wir geben so viel und wir glauben so sehr.
Then we forget about ourselves and become so credulous.
Und plötzlich bekommen wir ein Messer ins Herz.
That is love - a gift for the people.
Das ist die Liebe - ein Gift für die Menschen.

Jan Sarzała
Wäre ich ein Gedicht
Dann würde ich warme Melodien streuen
Damit eine Sternschnuppe mit mir befreundet sein möchte
Meine Hände wären vom Glorienschein erfüllt
Ein Schimmer von Hoffnung, ein Jubelruf

Ich wäre die Quelle der Ozeane
Die Dürre würde das Lebenswasser
Dank meiner Arme empfangen
Der taufrische Windhauch würde erscheinen
Ohne Termindruck
Unbeschwert…
Erfreulich...
Ergötzlich…

Olga Chlebna
 

Schreibwerkstatt in Minsk mit Matthias Nawrat

Schreibwerkstatt in Minsk © Goethe-Institut Belarus / Viktoryia Kharytonava

Kurzgeschichten

Mitgewirkt haben Schüler*innen aus verschiedenen Gymnasien aus ganz Belarus, sowie die Deutschreferentin Marina Losko, unter Leitung des Autors Matthias Nawrat, in Kooperation mit dem Goethe-Institut Minsk.

Liebe Leserin, lieber Leser, Sie erhalten hier Einblick in Texte von jungen Schreibenden aus Belarus. Von jungen Menschen, die sich Gedanken machen über die Welt von heute, über das Leben im Allgemeinen, über den Frühling und die Freiheit, über die europäische Geschichte anhand der Geschichte eines alten Klaviers, über die Sprachen der Käfer und der Papageien, über die Unmöglichkeit, reich zu werden, weil man sich keinen Lottoschein mehr leisten kann, und darüber, was es bedeutet, jung zu sein, welche Höhen und Tiefen Freundschaften oder die erste Liebe mit sich bringen können. 

Ich habe mich mit meiner Freundin im Café „Ferma“ getroffen. Sehr viele Themen sind von uns besprochen worden. Während unseres Treffens hat sie sich sehr sonderbar benommen. Ich habe das sofort bemerkt. Sie hat sehr oft zu den anderen Menschen geschaut. Ich denke, dass sie vor etwas Angst hatte. Ich fragte: „Lisa, was ist los?“ Nach dieser Frage bekomme ich sofort eine böse Antwort: “Nix, das geht dich nichts an!” Sie stand auf und ging weg. In meinem Kopf erschien eine Idee. Ich muss ihr unbedingt folgen.

Ich muss wissen, was los ist, sie ist meine Freundin. Ich begann meine Verfolgung. Es war sehr schwer. Sie schaute sehr oft zurück, aber das hat mich nicht gestoppt. Sie ruft jetzt jemanden an, dann sagt sie etwas Unverständliches. Ich kann nicht verstehen, was sie sagt. Sie spricht sehr schnell und leise. Sie beendete den Anruf und begann dann, mit jeder Sekunde schneller und schneller zu gehen. Sie geht so schnell, dass sie schon nicht geht, sondern läuft. Ich habe nur einmal gezuckt und sehe sie nicht mehr. Wo ist sie? Wohin ist sie gelaufen? Ich beginne schon durch die Straße zu rennen, um sie zu finden.

Endlich habe ich meine Freundin in einer Querstraße entdeckt. Ich habe mich sofort hinter der Ecke versteckt, damit sie mich nicht sehen konnte. Sie sitzt auf dem Boden und weint. Sie weint einfach. Ich stehe hinter der Ecke und höre es… wie sie weint… Aber außer dem Weinen höre ich auch plötzlich schwere Schritte. Ich habe mich hinter der Ecke hervorgelehnt. Da war ein Mann, etwa 25 Jahre alt, mittelgroß und abgemagert. Er ist an Lisa herangetreten, flüsterte etwas. Sie stand auf und hörte auf zu weinen. Dann schaute sie ihn noch einige Zeit an, und sie sind beide weggegangen. Ich habe nichts verstanden, kein Wort. Ich stand in diesem Zustand noch ein paar Minuten da und versuchte, über diese Situation nachzudenken.
Dann versuchte ich, Lisa anzurufen, aber ohne Erfolg. Immer derselbe Satz: „Die gewählte Rufnummer ist nicht verfügbar oder außerhalb des Netzes“.

Alexander Byltschinskii
 
Regen. Nebel. Marie ist wieder um 6 Uhr aufgewacht, weil sie zur Arbeit gehen muss, vor der es ihr ekelt, aber das Leben in der großen Stadt ist nicht billig. Marie schaut sich, während sie ihre alten abgewetzten Jeans anzieht, im Spiegel zu. Sie ist eine schöne junge Frau mit teerschwarzem Haar, weißer Haut und mit Rosenlippen. Auf ihrem blassen Gesicht hat sie Ringe um die Augen. Aber was hat sie erwartet? In diesem Monat sind Schlafmangel und Koffein Maries beste Freunde. Sie wird durch den Klang der Wanduhr in ihren Gedanken unterbrochen. Die Uhr sagt ihr, dass es Zeit ist, das Haus zu verlassen.

Marie nimmt ihre graue Tasche, die ihr ihre Großmutter zu ihrem 20.Geburtstag geschenkt hat und eilt zur Haltestelle. Sie arbeitet als Kellnerin im Café «Pirret», dass sich auf der Straße Crémieux befindet. Der Weg zur Arbeit nimmt viel Zeit in Anspruch, deshalb muss sich Marie beeilen. In der U-Bahn beobachtet sie die Menschen und ihre Kleidung, weil sie an die Universität gehen möchte, um Design zu studieren, aber zuerst muss Marie etwas Geld verdienen.

Als sie das Café betritt, grüßt Marie ihre Kollegen und Kolleginnen, die ihr gute Freunde geworden sind. Die Wände dieses Cafés wurden zu ihrem zweiten Zuhause. Hier ist es sehr gemütlich, ruhig und es riecht immer nach frischen Croissants und Latte. Das Café war immer halbvoll, aber heute ist alles anders. Alle Tische sind besetzt. Jemand ist hier mit Familie, jemand mit Freunden, aber Maries Aufmerksamkeit wird auf den Mann mit dem schimmernden Hut gelenkt. Er ist allein und trinkt schon seine zweite Tasse Kaffee. Es ist etwas Ungewöhnliches an diesem Mann, das Marie dazu bringt, ihn ständig anzusehen. Sie hat ein seltsames Gefühl in sich, aber Marie kann nicht herausfinden, was es ist. Eine Minute lang denkt sie, dass sie sich kennen, aber wegen des Hutes kann sie sein Gesicht nicht sehen und sie bekommt diesen Gedanken nicht aus dem Kopf, kann nicht weiterarbeiten. Marie beschließt ein paar Stunden später, zu seinem Tisch zu gehen. Aber sie bleibt abrupt stehen und merkt, dass er weg ist, obwohl sie ihn vor einer Minute noch gesehen hat. Als sie an den Tisch kommt, sieht sie ein kleines Blatt, auf dem in sauberer Handschrift geschrieben ist:

Liebe Marie, es ist an der Zeit, aufzuhören, Dinge zu tun, die dir nicht wirklich Spaß machen, und endlich das zu tun, was deine Seele von dir verlangt. Fürchte dich nicht! Nur wenn wir Fehler machen, werden wir aus der Asche wiedergeboren. Mr. Phönix

Marie öffnet ihre Augen und erkennt, dass es kein einfacher Traum war…

Fortsetzung folgt..

Anna Gluchotarenko
 

Ich glaube, jeder Mensch hat seine besonderen Lieblingsorte.
Ich bin keine Ausnahme. Einer meiner Lieblingsorte ist das Café "Dy soley".
An diesen Ort habe ich schöne, unvergessliche Erinnerungen, und dort kann man ein leckeres Dessert essen.
Mein Lieblingsdessert ist das „Chocolades“ Dessert.
Also, einmal habe ich so wie immer hier gesessen.
Es waren sehr viele Leute da, deshalb waren nur wenige Plätze frei.
An diesem Tag war ich allein. Gewöhnlich besuche ich diesen Ort mit meinen Freunden oder mit meiner Familie.
Aber an diesem Tag war ich allein. Warum? Ich habe das schon vergessen. Es kann verschiedene Gründe gehabt haben.
Vielleicht waren meine Eltern bei der Arbeit und meine Schwester war in der Schule.
Vielleicht waren meine Freunde nicht in der Stadt. Also, ich war allein.
Ich wollte mich einfach erholen.
Aber an diesem Tag haben im „Dy soley“ Lärm und Hektik geherrscht.
Ich habe mein Lieblingsdessert bestellt und leckeren Kräutertee mit Honig getrunken.
Plötzlich hat ein Mädchen das Café betreten.
Aber leider gab es keinen freien Platz.
Sie hat viele Leute gebeten: "Kann ich mit Euch sitzen? Können Sie mir helfen?"
Die Leute haben kaltherzig "Nein" gesagt.
Aber ich habe warm "Ja" gesagt.
Und das Mädchen war so lustig. Sie erzählte mir, dass sie einen kleinen Bruder hatte, der Peter hieß und dass ihre Mutter im Gericht arbeitete, ich erzählte ihr, dass ich eine Schwester habe, die Mascha heißt und 13 Jahre alt ist.
Und so haben wir ein bisschen miteinander gesprochen. So ging die Zeit weiter....
Und es passierte ein ungewöhnlicher Unfall.
Die Kellnerin stolperte und verschüttete den Tee auf alle Leute.
Das Mädchen hat mir sofort geholfen.
Danach haben alle Leute sie um Hilfe gebeten.
Ich habe gedacht: " Nein. Keine Hilfe. Diese Leute haben dem Mädchen nicht geholfen."
Aber das Mädchen war sehr gutherzig. Und sie hat echt geholfen. Sie hat mit einer Papierserviette ihre Tische und ihre Kleider gewischt. Außerdem hat sie ihnen gut zugeredet.
Und alle Leute haben sich entschuldigt, sie haben also verstanden, dass man gut sein muss, wie das Mädchen.
Und jetzt herrschte im Café eine herzliche Atmosphäre…

Anna Gourinovich
 

Wie immer bin ich auch an diesem Morgen mit guter Laune in die Küche gekommen. In der Küche steht ein großer Käfig, in dem mein schöner und bunter Papagei lebt. Er frühstückt mit mir zusammen. An diesem Morgen war mein Papagei sehr aktiv, er konnte in seinem Käfig nicht mehr ruhig sitzen. Er schlug mit den Flügeln gegen das Gitter, Federn flogen durch den Raum. Ich habe mich gefreut, dass er so positiv war, und ich öffnete die Käfigtür. Beim Frühstück hörte ich laute und in dieser Zeit moderne Musik. Von der Lautstärke machte der Lautsprecher seltsame Geräusche. Mein lieber Papagei kam zu mir und setzte sich auf meinen Kopf. Er versuchte, mich zu massieren, das ist sehr nett, dachte ich! Die kleinen Füße meines Papageis krallten sich in mein Haar. Als sein Lieblingslied begann, flog er auf und flatterte umher. Es war das bisher aktivste Frühstück! Aber mit meinem "Freund" konnte ich eigentlich nie essen. Ich stellte den Teller laut auf dem Tisch ab, in der Hoffnung, dass er es hört und ich ruhig essen kann. Aber er begann sogar zu singen, und dann habe ich mit ihm unser Lied gesungen. Es war ein interessantes Duo, obwohl wir leider keine Sänger sind.

Daria Sytaya
 
Der Frühling. Ein früher, milder und zärtlicher Frühling mit hellen Farben, mit einem blauen, heiteren Himmel und einer Biene, die friedlich auf dem Fensterbrett schläft; mit der erfrischenden Kühle des Waldes nach dem Regen, mit unglaublichen Träumen und reinen Gedanken.

Die Natur erwacht. Die Sonne zaubert die ersten Schneeglöckchen, hellgrünes, frisches Gras hervor. Schon beginnen die ersten Knospen der Bäume zu schwellen. Der Wald schmückt sich: Bäume und Sträucher erwachen aus ihrem langen Winterschlaf, und ein junges, neues Leben beginnt.
Jedes Jahr ist der Frühling anders, immer frisch und aufregend. Er ist wie das erste Kapitel des Lieblingsbuches, der erste komponierte Walzer, wie eine Tasse grünen Frühstückstees. Der Frühling ist die beste Zeit, um etwas Neues zu probieren, etwas Schönes zu kreieren, um sein Leben zu verändern. Jeder Frühling bringt nur gute Veränderungen mit sich.

Den Frühling spürt auch Sarah. Sie sitzt mit überkreuzten Beinen in ihrem Lieblingssessel auf der Terrasse und wartet auf den Sonnenaufgang. Ihre hellen lockigen Haare fallen über die Schultern, blaue Augen schauen in die Ferne. Sie ist gespannt auf den Sonnenaufgang, weil die ersten Sonnenstrahlen für sie etwas ganz Besonderes bedeuten, etwas, das verspricht: alles wird unbedingt gut.

Heute scheint die grüne Terrasse besonders einsam zu sein. Sarah sitzt und beobachtet nachdenklich so unterschiedliche, sich bewegende Wolken. Die Tasse mit Tee, die sie fest in den Händen hält, ist schon kalt. Aber Sarah merkt das nicht, weil sie in tiefes Nachdenken versunken ist. Plötzlich hört sie die alte Kuckucksuhr im Wohnzimmer, ein Geschenk ihres Opas, sechs Mal schlagen.

Da fällt Sarah ein wichtiger Gedanke ein: «Es gibt so viele Menschen auf der Erde, aber so wenige Menschen, die uns verstehen können: uns, unsere Träume, unsere innere Welt. Warum versteht mich niemand? Warum bin ich so allein auf dieser großen Welt?»

Dieses komische Gefühl hat sie seit vielen Jahren, seit sie fünf wurde, und sie kann es nicht erklären. Viele Bekannte, aber keinen einzigen Freund hat Sarah. Nach der Schule geht sie immer allein nach Hause und sitzt dann allein in ihrem Zimmer in Gedanken vertieft. Allein sein ist ein tiefes, inneres Erlebnis. Und ist ein Mensch, der von anderen Menschen umgeben ist, wirklich immer glücklich? Der Mensch braucht nicht einfach einen Menschen, sondern einen Seelenverwandten.

Ein neuer Computer kann eine menschliche Seele nicht wärmen, ein schickes Auto und eine glänzende Karriere können das auch nicht. Nur eine Seele und volles Verständnis können eine andere Seele wärmen. Und erst, wenn man eine solche Seele gefunden hat, ist man wirklich glücklich.

Sarah war immer ein besonderes Kind: nachdenklich, ruhig, romantisch. Von Kindheit an fühlte sie sich einsam. Als ihre Mitschülerinnen nach dem Unterricht in eine Eisdiele an der Ecke gingen oder sich für einen Kinobesuch verabredeten, blieb Sarah allein, ging nach Hause, setzte sich aufs Fensterbrett und las ihre Lieblingsbücher.

***

-Sie ignorieren mich, Papa! Was mache ich falsch? Ich möchte ja auch mit ihnen spielen,- sagte die kleine Sarah zu ihrem Vater.

-Weißt du, Mäuschen, es ist immer einfacher so wie alle zu sein. Aber du bist anders. Du bist du, Sarah, - sagte der Vater und streichelte ihr zärtlich über den Kopf. - Schau mal, da ist ein Marienkäfer: so ein kleiner und harmloser. Er beeilt sich…

-Ja, Papa, er ist so unglaublich schön. Ah, wie schade, dass ich die Insektensprache nicht kann. Ich würde dann den Marienkäfer so gerne fragen, wohin er fliegt und wie viele seltene Blumen er gesehen hat …-lächelte träumerisch Sarah. 

***

Mit den Jahren lernte Sarah, ihre Einsamkeit zu genießen, sich selbst treu zu bleiben. Aber heute hat sie sich entschieden, alles zu verändern.

Die ganze Nacht hat Sarah kein Auge zugetan, aber sie fühlt sich munter und entschlossen. Sarah zieht ihren weißen Pullover an, nimmt den bunten Regenschirm mit und geht von der Terrasse weg. Sie beeilt sich… Sie geht an einen Ort, an dem sie jederzeit Ruhe, Unterstützung und Inspiration finden kann.
Früher konnte sie mit dem Vater stundenlang am Ufer des großen Sees verbringen. In der Nähe des Sees erhebt sich ein großer geheimnisvoller Wald. Es scheint, dass die Natur hier ihre eigenen Gesetze hat. Man spürt angenehme Feuchtigkeit nach dem Regen und fühlt sich frei.

«In Harmonie mit der Natur»- das kann nicht anders genannt werden. Hier erinnert sich Sarah an die besten und glücklichsten Momente ihrer Kindheit. Sarah weiß, dass sie immer an diesen Ort zurückkehren kann. Hier tankt sie Energie und innere Kraft.

Was ist denn das? Plötzlich hört Sarah ein komisches Geräusch und ein schwaches Piepsen im Gebüsch. Oder bildet sie es sich nur ein? Nein. Sarah hat sicherlich etwas gehört. Sie kommt vorsichtig zum Gebüsch und entdeckt da… ein Hündchen!

Das kleine, harmlose Tierchen zittert vor Kälte. Es ist nass und hungrig, hat hellbraunes weiches Fell, einen hübschen runden Fleck auf der Stirn und ein kurzes dünnes Schwänzchen. Seine Ohren hängen herunter, die Augen sind groß und hell. Es ist erst zwei, drei Wochen alt!

-Zu wem gehörst du? Wo ist dein Haus? Hast du ein Herrchen oder ein Frauchen? Oder bist du hier ganz allein? - fragt Sarah leise, um das Hündchen nicht zu erschrecken. – Hab keine Angst. Jetzt bist du nicht einsam. Du hast mich, und ich habe dich. Vielleicht nenne ich dich Sam. Ja, Sam, mein Freund!
Sam guckt mit seinen großen Augen etwas unsicher auf Sarah und wedelt glücklich mit seinem Schwänzchen. Sarah steht am Ufer des großen Sees und hält zärtlich ihren neuen Freund in den Armen. Alles wird unbedingt gut - das weiß Sarah jetzt ganz genau.

Irina Schejbak

 

An wie viel kann ein Ding sich erinnern? Ja, niemand kann es sich vorstellen, dass Sachen Erinnerungen haben können. Aber ich habe als junge Schriftstellerin die unfassbare Geschichte über ein altes Klavier gehört. Das bedeutet gar nicht, dass ich ein einzigartiger Mensch bin, sondern zeigt, dass wir Menschen manchmal nicht alles hören. Hören Sie geduldiger zu, und dann sehen Sie, dass alle alten Gegenstände eine Geschichte haben. Es stand immer in der Wohnung. Sein Aussehen war so alt und müde. Dieses Klavier hat viel gesehen. Es hat viele Geburtstage gefeiert: seine und die von seinen Besitzern. Es hat viele Leute gesehen: einige sind schon in der anderen Welt, andere haben ihr Leben gerade erst angefangen. Aber sie alle hatten etwas gemeinsam: sie haben auf ihm gespielt und geübt. Einige haben stundenlang Noten und Gammen geübt, andere haben nach dem ersten Versuch den Stuhl vor ihm verlassen und kamen nie wieder zurück. Einige haben ernsthaft gespielt, andere machten einfach nur Quatsch. Es ist schon sehr alt. Vielleicht zu alt, als dass jemand Junges auf ihm üben könnte. Diese leichten Gammen – wie schwer ist es den Tasten, sie zu spielen, wie schwer ist der Ton, der aus ihm herauskommt. Es hat viel in seinem Leben gesehen. Außerdem ist es auch gereist. Diese schweren Abschiede...

Dies war der Anfang: Eine Familie hat das Klavier für die Tochter gekauft. Sie musste Klavier spielen lernen. Aber für das Mädchen war es ein bisschen langweilig. Und eines Tages kam zu ihr ein guter Freund. Dieser Junge war ein total cooler Pianist. Und seine Finger streichelten die Klaviertasten. Oh! Er hat so schön gespielt, dass das Mädchen diesen Freund täglich einlud. Und sie wollte jetzt auch selbst Klavier spielen lernen. Sie bat ihren Freund um Hilfe. Er sollte ihr Notenlesen beibringen und auch beim Fingerspiel helfen. Es ging nicht leicht, es war sehr schwer für beide. Aber ihr Wunsch, so zu spielen wie ihr Freund war so groß, dass es täglich mit seinem Freund übte, das Klavier besser zu verstehen. Das Klavier fühlte auch, dass der Junge nicht einfach spielt, sondern auch weiß, welche Gefühle es hat. Und das gefiel dem Klavier besonders. Es war ihr gemeinsamer Traum, Klavier zu spielen. Sie übten stundenlang. Eines Tages konnte der Junge nicht kommen, weil er seiner Mutter helfen musste. Er gab dem Mädchen Noten. Und er hat seine Notizen darauf geschrieben, mit Hinweisen. Es war so nett, dass ab diesem Tag das Mädchen dem Jungen immer solche Notizen zwischen den Noten versteckte. Der Junge fand sie immer, aber selbst ließ er keine Nachrichten mehr auf den Notenblättern. Der Junge kam eines Tages zum Geburtstag des Mädchens. Als Geschenk brachte er die Noten eines Walzers, den er selbst geschrieben hatte, und einen kleinen Blumenstrauß, der nur aus Kamillen bestand. Das Mädchen war so glücklich. Dieses einfache Geschenk gab ihr mehr Freude als alle anderen Geschenke. Es war so nett. Dieser Tag war nur der Anfang. Sie haben von jetzt an noch mehr gespielt, gelernt, geschrieben. Sie wurden älter, aber es war ihnen beiden egal. Sie lebten in einem Märchen, und das Klavier war für sie eine große Welt voller Abenteuer. Sie waren bald ein junger Mann und eine junge Frau. Sie fanden etwas Spannendes jeden Tag, sie wollten immer so weiterleben, aber das hing nicht von diesen beiden Verliebten ab.

Der Krieg begann. Die erwachsenen Kinder mussten sich verabschieden. Es war so schade, aber man konnte nichts dagegen tun. Der junge Mann musste seiner Heimat helfen. Sie haben unter der Klavierabdeckung ihre gemeinsamen Klavierwerke versteckt und auch Briefe für einander. Das Klavier war für beide wie ein Kind, mit dem man ganz vorsichtig umgehen muss. Sie versprachen einander, oft Briefe zu schreiben, immer die gemeinsam ausgedachten Noten zu spielen, sich täglich an die guten Tage zu erinnern und auf das Wiedersehen zu warten. Diese vier Jahre waren für die junge Frau schwer, aber sie verlor die Hoffnung nicht, sie war sehr geduldig. In diesen vier Jahren bekam sie nur einen einzigen Brief. Deswegen musste sie noch länger warten. Sie vergaß nichts, jeden Tag spielte sie Klavier, jeden Tag sprach sie mit ihm wie mit ihrem Kind, aber es half nicht. Auch das Klavier war traurig. Es wusste, dass etwas Schlimmes passieren konnte. Dann endete der Krieg. Das Land hatte diesmal verloren und es herrschte große Trauer.

Die Frau bekam keine Nachricht von ihrem Geliebten. Und eines Tages verstand sie, dass sie die Miete für ihre Wohnung nicht mehr bezahlen kann. Es war so schade, aber was konnte sie machen. Sie musste leider umziehen. Und sie musste auch die Möbel verkaufen. Ja, und leider auch das Klavier. Sie behielt es solange es ging, aber dann verstand sie, dass sie immer noch mehr Geld braucht. Und dieser Tag, als sie das Klavier verkaufen sollte, kam. Die Käufer waren schon da. Sie schaute alle Interessenten an. Zwischen zwei Erwachsenen stand ein kleines Mädchen. Die Frau lächelte traurig und spielte zum letzten Mal: The River flows... Unser Leben ist ein Fluss und niemand weiß, was um die Biegung kommen wird. Ihre Finger, ihre schmalen Finger, berührten zum letzten Mal die Tasten... Oder nicht? Sie beendete das Stück und weinte. Nicht stark, wortlos. An dieser Stelle endet die Geschichte des Klaviers.
Jetzt steht es hinter mir in meinem Zimmer, es war ein Geschenk von meiner Oma. Und nach Belarus hat es mein Uropa aus Deutschland gebracht. Das Klavier ist schon mehr als 100 Jahre alt. Es hat viel gesehen. Es hat viel gefühlt. Ja, und unter der Klavierabdeckung liegen immer noch diese schönen Briefe der Verliebten.

Eines Tages hat meine Oma einen Brief von der früheren Inhaberin des Klaviers bekommen. Sie schrieb uns, dass ihr Mann sie endlich gefunden hat. Zuerst wollten sie uns das Klavier wieder abkaufen, aber nach langem Nachdenken stellten sie fest, dass sie das Klavier nicht aus Belarus transportieren konnten, deswegen baten sie uns, dass wir uns gut um das Klavier kümmerten und es in Ordnung hielten. Aber das gehört nicht ganz zu unserer Geschichte. Zur Geschichte eines Klaviers. Alte Sachen können viel erzählen, wenn Sie sehr geduldig zuhören.

Maria Kozhushko
 

Teil 1.
Es ist lange her…
An diesem Tag (oder genauer gesagt den ganzen Juli über) war es in der Stadt N. sehr warm. Es war trocken. Man konnte denken, dass bei den Vögeln die Kehlen ausgetrocknet waren, weswegen ihr Singen unnatürlich klang.
Mein Freund und ich gingen durch die Stadt N. spazieren und sprachen über seine und meine Probleme. 
“Gerade ist das Hauptproblem, nicht wie eine gebratene Ente zu sein.”
“Ich stimme zu. Aber was sagst du, wenn wir wie diese Riegel aussehen?”
Mein Freund Tamir schaute durch das Schaufenster eines Kiosks und antwortete: “Diese Riegel erinnern mich an die Schule…”
“Wir wollen nicht von Traurigem reden!”
“Okay.”
“Also, ich will mich entspannen. Wollen wir uns irgendwo hinsetzen?”
“Ok.”
Wir setzten uns hin.
“Ich kenne deine nächste Antwort!” sagte ich und lachte.
“So, worüber sprechen wir?”
“Über dein Leben.”
“Ach so, ich bin so vergesslich...”
“Wie lange kennst du sie schon?”
Eine kleine Pause.
“Fast einen Monat”, sagte er leiser.
“Weiß sie es?”
“Nein”, sagte Tamir. “Aber… nein!”
“Und dein Verhalten?”
“Alex, es ist schwer zu sagen.”
“Ja… Mädchen sind Lebewesen aus Nektar, die mit einer dicken Schale geschmiedet sind.”
“Vielleicht. Aber sie ist nicht so.”
Ich sah ihn schweigend an, dann guckte ich zur hellen Sonne hinauf, die wegen der Lindenkrone kaum zu sehen war.
“Sie ist … wie ein Wind im Frühling, der alle fasziniert. Oder nur mich…”
Tamir ist mein Freund, den ich seit mehr als zehn Jahre kenne. Er scherzt und lacht gern, außerdem spielt er Saxophon. Verglichen mit ihm bin ich nicht so lustig, ich höre den Menschen lieber zu, anstatt etwas zu erzählen. Tamir und ich sind in der gleichen Klasse. Er war sogar wie ein Clown, als unsere Schulkameraden das Ende des Schuljahres gefeiert haben. Aber Tamir kennt Margerite noch nicht so lange. Ich habe sie nur einmal gesehen, aber das hält mich nicht davon ab, irgendwelche Schlussfolgerungen über sie zu ziehen.
“Wie hast du sie kennengelernt?”
“Willst du das wirklich hören?”
“Ja”, antwortete ich ernst.
“Es war Ende Juni… Ich ging wie gewöhnlich zu dem Fluss S. Du weißt ja, dass ich dort immer hingehe.”
“Natürlich.”
“Also, es war Abend, Sonnenuntergang… Ich sitze am Ufer. Und unerwartet schließt mir jemand von hinten die Augen. Ich spürte weiche und warme Hände. Ich saß ein paar Sekunden lang regungslos da. Meine Hände lagen auf dem Boden. Dann hebe ich eine Hand langsam hoch und gebe mir Mühe, die Person zu ertasten. Zuerst ihr Rücken, danach ein kleiner Bauch. Sie leistete keinen Widerstand… Ich berührte ihre Hände. Jetzt schienen sie noch wärmer zu sein. Ich öffnete die Augen… Sie hat einen kleinen Bauch und offene braune Augen. “Wer hat solche weichen und warmen Hände?”, fragte ich. “Mein Name ist Margerite, ich wohne neben dir.” “Wo?!” “Im Haus gegenüber.” “Ich habe dich bisher nie gesehen.” “Ja, ich bin neulich mit meiner Tante eingezogen. Meine Eltern sind tödlich verunglückt…” „…”
“Und was war weiter, Tamir?”, fragte ich ungeduldig.
“Fast nichts…”, sagte er kühl. “Eine Woche später stellte ich sie dir vor.”
“Ich erinnere mich…”
Um uns wehte plötzlich eine kühle Brise.
“Nach einer Woche stellte sie mir … Andrea vor”, sagte Tamir.
“Wer ist dieser Andrea?”
“Er war ihr Geliebter… Es war bitter…”
Ich versuchte, ihn zu verstehen und zu helfen:
“Kann sein, du brauchst sie nicht.”
“Nein. Ich liebe sie und will, dass sie mich auch … Und zuletzt fragte sie: “Wollen wir Freunde bleiben?”. Willst du das? Mein Leben ist kaputt… Ich bin allein.”
“Sag mal, falls sie sich mit Andrea streiten würde, wärest du glücklich?”
“Eine dumme Frage. Natürlich, ja.”
“Gut. Brauchst du sie wirklich als Geliebte? Man kann einfach Freunde sein.”
“Wir können keine Freunde sein! Alles oder nichts!”
“Sag ihr, dass du sie liebst, Tamir!”
“Ich habe es bereits versucht, Alex… aber … ich konnte nicht. Es ist sehr schwer…”
“Auf jeden Fall hast du Freunde, du hast mich.”
“Freunde sind gut, aber sie … Und wenn sie “nein” sagt?”
“Versuche, es zu akzeptieren. Ich verstehe, dass das schwer ist. Jetzt oder nie!”
Tamir sitzt wie ein Toter.
“Schau. Hier ist sie”, sagte ich leise.
Tamir hob den Kopf. Sie war mit Andrea zusammen. Sie küssten sich.
Tamir stand auf.
“Gehen wir weg!”, sagte er. “Was sollen wir da machen? Sie ist nicht für mich…”
“Gut.”
Wir gingen weiter durch den Park spazieren…

Teil 2.
Es ist halb drei Uhr am Morgen. Ein Telefonanruf. In den ersten 10 Sekunden liege ich unbeweglich. Dann versuche ich, die Ohren mit einem Kissen zuzustopfen. Das Telefon scheint verstummt zu sein. Ich beginne, wieder einzuschlafen. Aber nein. Wieder ein Anruf.
“Hallo…”, sage ich mit geschlossenen Augen.
“Hallo, Alex! Hier ist Tamir.”
Mein Kopf begann sofort zu arbeiten und aufzuwachen.
“Hallo, Tamir! Ich habe einfach geschlafen.”
“Verstehe…”
Ich bin ein Einzelkind, und darum habe ich mein eigenes Zimmer. Plötzlich ein Rumpeln. Am ehesten kam es aus dem Schlaf- oder dem Wohnzimmer, aber ich wusste es nicht genau, weil die Tür meines Zimmers geschlossen war.
“Was ist passiert?”, fragte Tamir.
“Es ist mir wurst… Vielleicht machen meine Eltern etwas.”
“So spät?! Es ist jetzt 4 Uhr in der Nacht!”
“Mir ist das wurst. Ich schlafe”, wiederholte ich.
“Ja, du schläfst und redest mit mir. Die Welt ist voller Wunder!”
“Diesen Anruf träumt er. He-he…Was wolltest du?”
“Also. Vor circa 6 Minuten hat mich Margerite angerufen…”
“Und?”
“Sie hat geweint und sagte, dass Andrea sich von ihr trennen könnte.”
“Und was hast du gemacht?”
“Ich habe gesagt, dass er das könnte. Ja, ich weiß, dass es teilweise eine Lüge ist, ich weiß nichts über Andrea.”
“Außer den Namen.”
“Fast nur den Namen. Aber ich wollte sie glauben machen, dass Andrea und sie kein Paar mehr sind.”
“Ist es Rache?”
“Ich will, dass ihr so zumute ist wie mir.”
“Hasst du sie, ja?”
“Ja und nein. Ich liebe sie noch, aber ich will, dass sie mich liebt.”
“Nein. Du liebst sie nicht.”
“Doch! Ich liebe sie sehr.”
“Tamir, sag mir bitte, kannst du zum Beispiel deinem Vati oder deiner Mutti etwas Böses wollen?”
“Nein.”
“Warum nicht? Weil du sie liebst. Du liebst Margerite nicht.”
“Es ist schwer zu verstehen, aber ich liebe und hasse sie gleichzeitig.”
“Das ist ungut. Du liebst oder du liebst nicht.”
“Ich bin müde jetzt. Und ich will schlafen, aber ich kann nicht. Hilf mir!”
“Gut. Schließ deine Augen… Und dann sag bitte, was siehst du?”
“Sie… und mich… Aber nicht zusammen. Es gibt Andrea zwischen uns.” In seiner Stimme spürte man die Unzufriedenheit.
“Ich verstehe.”
In diesem Moment ist Mama ins Zimmer getreten.
“Schläfst du?”
Vor ein paar Jahren konnte ich angesichts ihrer zarten Stimme nicht lügen, jetzt konnte ich aber schlau sein und diese naive Frau betrügen.
“Nein. Ich telefoniere nur mit Tamir.”
“Ok. Du musst trotzdem nicht in die Schule. Morgen, übermorgen…”
“Und überübermorgen.”
“Du bist ein kluger Sohn. Du bist mir ähnlich. Dein Vati hat aus Versehen die Vase fallen lassen”, sagte Mama. “Ja, Schatz?”
“Natürlich!” antwortete mein Vater schnell, angeblich hat er kein einziges Wort meiner Mutter gehört. “Also. Ich bin schon bereit!”
“Ich gehe schon, Mark (das heißt mein Vati)! Also, gute Nacht, Alex!”
Diesmal habe ich nichts geantwortet.
“Hallo, Tamir! Bist du noch hier?”
Der Anruf war noch aktiv, aber wie ich feststellte, hatte Tamir es geschafft, einzuschlafen…

Teil 3.
Es war etwa eine Woche später. Tamir und ich hatten uns kaum gesehen. Ich wartete darauf, dass er sich meldet, und er wartete darauf, dass ich mich melde. Eine komische Situation. Ich sitze beim Mittagessen. Und da kommt endlich ein Anruf… Wir haben uns verabredet, uns in einer halben Stunde vor seinem Haus zu treffen.
“Hallo!”
“Sag besser Guten Tag”, sagte Tamir und klopfte mir auf die Schulter.
“Warum treffen wir uns gerade hier?”
“Sie sagte, dass wir uns hier treffen müssen.”
“Sie …”
“Ja, genau.”
“Okay.”
Wir warteten 40 Minuten. Wir waren darüber erstaunt, aber sie kam tatsächlich.
“Hallo, Margerite!”
“Hallo, wer ist das?”, fragte sie. 
“Mein Freund. Sein Name ist Alex.”
“Hallo, Alex! Das ist Andrea.”
“Hallo allen!”, sagte Andrea trocken.
“Hallo”, sagte ich.
“Andrea, ich möchte gern ein Eis! Geh mit Alex in ein Café, das hier gleich in der Nähe ist! Kaufe 4 Eis.”
“Ok. Wird gemacht.”
Andrea und ich gingen zum Café
Als wir zurück sind, sehen wir, dass sie einfach sitzen. Oder nicht so einfach: sie sitzen mit geschlossenen Augen. Jetzt schien Margerites Gesicht noch weiblicher zu sein als zuvor.
“Da ist Euer Eis.”
“Danke schön!”, antwortete Tamir und nahm seines entgegen.
Wir alle haben noch lange gesprochen und nicht bemerkt, wie der Sonnenuntergang kam.
“Ich muss nach Hause gehen”, sagte Margerite. Wir gingen alle nach Hause, ohne die Natur bewundert zu haben.
Solche Treffen gab es noch ein paar Mal…
Dann hörte alles auf…

Margerite zog einen Monat später um und Andrea blieb zurück.

Jetzt sind Tamir und ich Erwachsene. Ich bin siebenundvierzig Jahre alt, Tamir ist achtundvierzig. Wir sind beide verheiratet. Aber wir erinnern uns an diese Zeit und diese Gefühle, die wir mit sechzehn Jahren empfanden.

Matwej Zorka
 
Aus meinem Fenster sehe ich
jetzt ein einfaches Blatt:
hier steht das Haus, dort wächst der Baum,
das Gras herum ist glatt.
Die Sonnenstrahlen wechseln sich ab mit Regen, Donner, Wind.
Die Menschen akzeptieren das, und manchmal sind sie blind.
Das Mädchen spielt mit seinem Hund,
der Park ist menschenvoll.
Das ist mit Abstand fest der Grund,
dass das Dasein ist toll.
Mein Freund aus einer fernen Stadt hat diesen Fensterblick:
die Autos hasten, das Licht strahlt, es herrscht dort Großstadtschick.
Die Menschheit rennt, die Straße singt, das Leben braust wie Wind.
Die Menschen akzeptieren das, und manchmal sind sie blind.
Der zweite Freund wohnt vor dem Wald,
wo Frühlingsfrische herrscht,
wo die Seele niemals alt wird,
und kein Tand ihn nervt.
Noch jemand begegnet jetzt dem Sonnenuntergang,
Und kühles Meer küsst seinen Fuß bei Nachtigallgesang.
Und an der Küste sitzt im Sand ein kleines nettes Kind.
Die Menschen beobachten das, und manchmal sind sie blind.
Hinter dem Fenster bitten uns Schönheit und Pracht zu Gast.
Und, leider, wegen viel zu tun, vergisst die Menschheit das.
Jetzt lassen wir die Sachen hier, in einem kleinen Raum
und fliegen schneller mit dem Wind zum Lebenslicht, zum Traum!

Polina Michajlowa
 
Ich wäre so gerne gut und reich
würde gern eine Million gewinnen,
dann würde ich eine Insel kaufen,
da möchte ich ein bisschen tauchen,
ich wär so gern ein Direktor, nicht schwer,
und könnte eine Schule bauen,
die Schüler würden nur sehr wenig faullenzen,
aber ich kaufe keine Lottoscheine mehr,
mein Konto ist immer leer.

Polina Bejhot
 

Schreibwerkstatt in Prag mit Tilman Rau

Buchcover: Chaos in der Zeit – Ein Prager Weltenschreiber-Roman Ingo Mesker/ideasfirst.eu © Goethe-Institut

​„Chaos in der Zeit“ - ein Roman in Auszügen

Mitgewirkt haben die Schüler*innen des Thomas-Mann-Gymnasiums, sowie deren Lehrer Ondřej Špaček, unter Leitung des Autors Tilman Rau, in Kooperation mit dem Goethe-Institut Prag.

Was geschieht, wenn ein Zeitreisender seine Zeitmaschine mitten in Prag abstellt und eben kurz was erledigt? Klar: Dann tauchen bestimmt ein paar neugierige Jugendliche auf, die mal ausprobieren wollen, wozu dieser Kasten denn eigentlich nützlich ist. Und prompt entspinnen sich Abenteuer, die die Helden quer durch die Jahrhunderte und quer durch Prag führen. Dies ist, grob zusammengefasst, die Geschichte des Romans „Chaos in der Zeit“, der in unserer Werkstatt entstanden ist. 

Autor: Alexander Richard Hein
Inhalt: Am Tag seines Universitätsabschlusses erbt Cody eine Zeitmaschine von seiner Mutter. Sofort macht er sich auf Abenteuersuche. Seine erste Station: Die Erde. Genauer: Prag. Seine Mission: Die Welt retten.

Ausschnitt:

Die TARDIS machte ein anderes Geräusch, welches sie bei einer Ankunft an einer Destination machte. Cody ging nach draußen, um zu schätzen, wo er sei.

„Ah, Erde, 2030, Prag. Eine sehr schöne Zeit, um ein Prager zu sein“, sagte Cody und schloss hinter sich die Tür ab. „Wenn ich mich nicht irre, dann ist dies der Wallenstein Garten. Ein sehr schöner Garten nach meinem Geschmack“, fügte Cody hinzu und begann, die Schönheit des Gartens zu begutachten.
Autorin: Adéla Bradáčová
Inhalt: Der 18-jährige Antonín lernt beim Besuch einer Prager Bar Jacqueline kennen, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Nachdem sie sich überstürzt von ihm verabschiedet hat, findet Antonín ein geheimnisvolles Medaillon in seiner Tasche…

Ausschnitt:

Ich spaziere an die Moldau. Die Lampen scheinen und nur ein paar Leute gehen und ein paar Autos fahren herum. Der Wind weht. Es ist schon richtig Nacht. Ich denke sehr über alles nach, was heute Abend passiert ist. Zuerst Jacqueline und ihre merkwürdige Geschichte, dann die Männer… Ich bin schon an der Moldau. Der Fluss fließt ruhig. Ich lehne mich an die Schranken und schaue in die ruhige schöne Nacht. Nichts macht Sinn.
Autor: Maxmilián Chlumský
Inhalt: Arthur hat von seinem Freund Antonín ein sonderbares Medaillon bekommen, das ihn direkt ins mittelalterliche Prag transportiert hat. Jetzt ist Arthur dort gestrandet und kann nur zurück, wenn er den Stein der Weisen findet. Ein freundlicher Rabbi hilft ihm…

Ausschnitt:
 
Die erste Sache, die ich bemerkte, war dieser Duft. Ich will damit sagen, dass fast alle Leute, die ich bis jetzt hier getroffen habe, stanken. Sogar die meisten Straßen stanken schrecklich, aber dieses Haus nicht. Es roch nach einem Wald. Ich konnte Nadeln, Walderdbeeren und Blaubeeren riechen, kurz gesagt alles, was gut an einem Wald war. Ich zündete eine Kerze an, die ich mitgebracht habe, und begann das Haus zu durchsuchen.
Autorin: Daniela Rudyjová
Inhalt: Eines Abends begegnet Gustav in Prag zwei Gestalten, die zuerst tanzen und sich dann buchstäblich in Luft auflösen. Das Gruseligste daran: Die Gestalten kennen seinen Namen. Er macht sich auf die Suche nach des Rätsels Lösung und wird dabei ausgerechnet von Doty unterstützt, der Freundin seines Sohnes, die er ablehnt, weil sie einst ein Mann war.

Ausschnitt:
 
„Wir folgen Gott. Wir wurden von den Propheten aus Ägypten herausgebracht, das Erbe wurde uns auf dem Berg Sinai gegeben, unsere Nation überlebte die Ausrottung. Schau es nicht mit blinden Augen an. Das nächste Mal könnte eine starke Frau mit dem Verstand von Mose kommen, um uns aus einem anderen Unglück herauszuführen.“

„Deswegen bin ich aber überhaupt nicht hier!“, winkte Gustav ab. „Ich möchte mir ein Personenstandsregister ausleihen. Ich muss mir da etwas ansehen.“

„Gerne, aber verliere bitte kein Stück Papier! Das sind wertvolle Aufzeichnungen!“ Und er gab ihm ein großes Buch.
 
Autorin: Kristina Havlíková 
Inhalt: Lea ist eine erfolgreiche Opernsängerin, und damit ist sie am Ziel ihrer Träume und Wünsche angelangt. Eigentlich müsste sie glücklich sein. Weil sie das aber nicht ist, sucht sie eine Psychologin auf. Während einer Hypnose kommt Lea ihrem eigenen Geheimnis auf die Spur. Doch ist die Psychologin so vertrauenswürdig, wie sie scheint?

Ausschnitt:

Die Oper ist vorbei. Ich habe viele Blumen bekommen, ich bekomme einen großen Applaus. Ich lächle.
Ich muss mich jetzt nach der Aufführung ein bisschen erholen.
Ich gehe zum Fluss. Es ist einer meiner Lieblingsplätze. Ich atme die frische Luft ein. Plötzlich sehe ich eine Gruppe von Menschen. Sie sind schön gekleidet, also waren sie wahrscheinlich bei meiner Oper. Ein junger Mann verfolgt einen Hund. Der Hund hat irgendeinen Stein im Mund. Dieser Stein fällt in den Fluss...
Ohne zu zögern springe ich in den Fluss und hole den Stein.
 
Autorin: Alice Franzová
Inhalt: Zufällig entdeckt Joshua eine Zeitmaschine und reist mit ihr ins Jahr 1963. Dort kann er seine Großmutter davor warnen, einen folgenschweren Fehler zu begehen, der ihm in seinem eigenen Leben viele Probleme bereitet hat. Als er wieder in die Gegenwart zurückkehrt, zeigt sich, ob er Erfolg hatte…

Ausschnitt:
 
„Bin ich ein kompletter Dummkopf geworden? Warum sind diese Leute so angezogen? Niemand ist so angezogen.“
Er ging ein Stück weiter, sah einen Zeitungskiosk und ging in diese Richtung. Die Zahl der ähnlich gekleideten Personen stieg an.
„Bin ich in eine andere Welt gekommen?“
Joshua verstand die Situation immer noch nicht.
„Entschuldigung, könnte ich mir den heutigen Ausdruck der Zeitung ausleihen?“, fragte Joshua den Verkäufer, der hinter der Theke Zeitungen verkaufte.
 
 
Autorin: Zuzana Čapková
Inhalt: Lukas kann nicht glauben, dass sein Freund Arthur durch die Zeit gereist ist. Aber als er einen Hebel der Zeitmaschine betätigt, wird er eines Besseren belehrt: Plötzlich befindet er sich in der Vergangenheit, und zwar in einer Zeit, in der die Tschechische Republik noch jung und die Samtene Revolution noch in frischer Erinnerung ist.

Ausschnitt:
 
„Du musst dir den Kopf wirklich schwer angeschlagen haben. Letztes Jahr am 17. November war doch die Revolution! Ich kann es immer noch sehen, als ob es gestern war.“ Ein verträumter Ausdruck erscheint auf Peters Gesicht. Lukas senkt sein Kinn und rechnet nach.

„Also, der 17. November 1989… Ja, davon habe ich schon gehört! Die Samtene Revolution!“ Lukas’ Augen weiten sich, als er sich an kleine Stücke und Teile aus der Geschichte seines Land erinnert...
„Du warst da?“, fragt er plötzlich, und Peter kann nur wieder lächeln.
 
Autorin: Karin Miklóšová
Inhalt: In der Moldau wohnt ein Wassermann, der eine ebenso wichtige wie schreckliche Arbeit hat: Er muss die Seelen der Ertrunkenen in gut und böse einteilen und sie entsprechen versorgen. Eines Tages findet er so die Liebe seines Lebens.

Ausschnitt:

An einem Abend saß Vodník Kabourek neben seinem Mühlrad und rauchte seine Pfeife. Die Sonne ging langsam unter. Es war Karfreitag, also kollerte der Feuertruthahn, und das Licht von Feuer spiegelte sich im Wasser wieder. Karbourek war sehr froh, dass ein Junge ihm einen Humpen mit Bier gab, weil der Truthahn sehr laut war. Aber gut war, dass kein Mensch zu diesem Geräusch ging, so konnte er da ganz allein (nur mit dem unerträglichen Vogel) sein. Weil schon Frühling war, war die Luft ziemlich warm.
So ein schöner Abend, dachte er.
 
Autorin: Ellen Marie Gröning
Inhalt: An ihrem 19. Geburtstag macht Jennifer eine Entdeckung. Ihre Familie ist nicht das, was sie zu sein scheint. Oder eher: Hinter der netten, bürgerlichen Fassade steckt eine mafiöse Organisation. Und dann lernt Jennifer auch noch Cody kennen, einen Zeitreisenden, der von einem anderen Planeten kommt.

Ausschnitt:
 
Jennifer geht zu Cody. Sie spricht leise, damit die Leute um sie herum nichts mitkriegen können: „Sie wussten davon? Sie wussten, dass mein Vater ein Mafia-Boss ist? Ich kann es nicht fassen.“

Cody sieht sie an und sagt auch leise: „Sieh es so, dein Vater ist zwar sehr mächtig, aber dein Leben wird nie langweilig sein. Und ich werde nicht zulassen, dass dir was zustößt. Jetzt aber müssen wir aussteigen, denn du hast noch was mit deinen Freunden zu feiern.“

„Nein, ich will nicht feiern. Ich muss es erst verkraften.“
 

Schreibwerkstatt in Riga mit Pierre Jarawan

Schreibwerkstatt in Riga Foto (Ausschnitt): Sonja Hanbuch © Goethe-Institut

Publikation und Kurzgeschichten

Mitgewirkt haben die Schüler*innen der J.G. Herder-Schule Grizinkalns, der 3. Mittelschule Daugavpils und dem Klassischen Gymnasium Riga, sowie der Begleitlehrer Kirils Soklakovs, unter Leitung des Autors Pierre Jarawan, in Kooperation mit dem Goethe-Institut Riga.

Texte in einer fremden Sprache zu schreiben, ist eine Herausforderung. Im Moment der Reibung von Ausdruckswunsch und der Unübersetzbarkeit eines Gedankens entstehen oft kleine Funken – Wörter, Sätze, Vokabeln – in deren Licht wir diese Schwierigkeit erkennen. 
 

Wenn ich eine Farbe wäre, dann wäre ich Rosenrot.
Ich würde von allen Mädchen bewundert werden
Wenn ich eine Farbe wäre, dann wäre ich Olivgrün.
Ich würde im Süden wachsen und würde Menschen glücklich machen
Wenn ich eine Farbe wäre, dann wäre ich Rot-Weiß.
Ich würde Liebe an meine Heimat geben
Wenn ich eine Farbe wäre, dann wäre ich Schwarz-Weiß.
Ich würde Ruhe und Harmonie im menschlichen Leben sein
Wenn ich eine Farbe wäre, dann wäre ich die Farbe des Holzes. Es wäre warm von mir.
Ich würde Menschen wärmen und ihnen Gemütlichkeit geben
Wenn ich eine Farbe wäre, dann wäre ich Erdbeerrot.
Ich würde im Garten oder Wald sein. Und wartete darauf, gesehen zu werden
Wenn ich eine Farbe wäre, dann wäre ich Gold.
Die Leute würden meinen Preis kennen und natürlich mich schützen
Wenn ich eine Farbe wäre, dann wäre ich bun___tfärbig.
Die Leute würden mit meiner Hilfe ihre Stimmung für jeden Tag wählen

Alina Cvetkova
Kindheit.

Ich wurde in einer Fabrik geboren, wo mein Vater Stahl
und meine Mutter Glas war. In der Fabrik gab es viele
Spiegel wie mich, sie waren meine Freunde und wir spielten zusammen.

Jugend.

Als ich stärker wurde, wurde ich in den Laden gebracht. Dort
traf ich viele Leute, die mich und andere Spiegel sahen.
Ich erinnere mich an diesen Tag.
Es war am Montag um 16:00 uhr, ich wurde von einer
Familie gekauft. Ich fand mich in einem neuen Haus ein.
Diese Leute waren sehr freundlich. Jeden Tag kam jedes
Familienmitglied zu mir und lächelte. Ich wurde jede Woche gewaschen. Mir gefielen diese Leute und mein neues
Zuhause.

Alter.

Leider wurde ich alt. Ich war an mehreren Stellen gebrochen. Mein Besitzer kaufte einen neuen Spiegel am Freitagmorgen. Am Freitagabend wurde ich hinausgeschmissen. Das war Herbst. Draußen war es sehr kalt.
Ein Müllwagen fuhr zum Mülleimer. Alles noch einmal?...

Anna Krama
4. März 2020
Alle in meiner Umgebung haben über irgendeinen Virus aus China gesprochen. Ich habe gedacht, dass alles ein Witz ist, wie es im Internet mit dem Zaire-Ebolavirus war. Ich hatte keine Ahnung, was in der Welt passiert.

9. März 2020
Es war ein ganz normaler Tag. Ich bin wie immer in die Schule gegangen. Ungefähr um 10 Uhr hat meine Mitschülerin mir eine Nachricht gesendet, dass das 1. Gymnasium Fernunterricht einleiten wird. „Es klingt komisch!“, dachte ich.
Nach der Schule habe ich dennnoch angefangen, Nachrichten und Informationen über das Corona-Virus zu lesen, was mich eigentlich erschreckt hat. Ich hatte nur eine Frage: „Was wird weiter sein?“.

12. März 2020
Ich war zu Hause wegen Kopfschmerzen. Meine Mitschüler haben mir neue Nachrichten geschrieben, dass heute der letzte Schultag ist. Ich habe angefangen, lettische Nachrichten zu lesen, aber das alles waren nur Pläne.
Um 19 Uhr hat die lettische Regierung sich entschieden, den Ausnahmezustand einzuführen. Um 20 Uhr hat meine Klassenlehrerin geschrieben, dass wir nach den Frühlingsferien Fernunterricht haben werden. Nicht nur wir in Lettland, sonder, auch alle in der ganzen Welt. Seit diesem Tag hat eine neue Geschichte in unserer Welt angefangen.
Jetzt wird alles nach Monaten erzählt.

Ende März - Anfang April
„Was passiert jetzt? Warum haben Menschen Nudeln, Buchweizen und Toilettenpapier aufgekauft?“, dachte ich.
Mit der Schule hatte ich mehr Probleme als mit Buchweizen und Toilettenpapier. Jeden Tag habe ich von 9 bis 23 Uhr meine Aufgaben gemacht. Ich hatte nur Zeit für das Mittagessen. Und dazu habe ich auch Schulden, weil es wirklich viele Aufgaben waren. Bemerkenswert ist, dass meine Lehrerinnen uns verstanden und auf unsere Antworten gewartet haben. Was war mit mir? Ich hatte Hysterie und Nervenzusammenbrüche, weil es zu schwer war, jeden Tag zu Hause zu sitzen. Vor der Pandemie hatte ich einen sehr aktiven Lebensstil. Ich konnte nicht einfach zu Hause sitzen, es gab keinen Ausweg.

Mitte April - Anfang Mai
Der Ausnahmezustand wurde verlängert, aber es war mir egal. Psychologen meinen, dass man für eine Gewohnheit 1-2 Monate braucht. So ist es. Ich habe mich daran gewöhnt, so zu leben. „Online Schule“ war ganz normal für mich. Ich habe angefangen, mich mit Freunden zu treffen, mehr Zeit mit meiner Familie in der Natur zu verbringen. Alles war in Ordnung, aber nur mit Einschränkungen.

Mitte Mai - Ende Juli
Ich habe erfolgreich meine Schule und Englischkurse beendet, das Fitnesscenter ist geöffnet und der Ausnahmezustand wurde aufgehoben.
Jetzt lebe ich wie immer, aber mit anderen Gedanken im Kopf. Die Pandemie hat unser Leben geändert. Viele blieben ohne Arbeit, jemand hat seinen geliebten Menschen verloren, deswegen werden wir uns noch lange an die Coronavirus-Zeit erinnern.

Alexandra Melaschova
Mein Leben ist ein Film aus mehreren Einzelbildern, ein Buch mit mehreren Seiten und Teilen. Jedes meiner Worte, jede Sekunde meines Lebens ist gesättigt mit Salz, Harmonie und Angst. Es gibt keine episodischen Momente. Ohne Schreiben verliert mein Leben echte Bedeutung. Ich sitze im Dunkeln, ich sitze stundenlang vor der Kamera, ich versuche, ich spreche und dann schließe ich immer wieder meine Augen.
Was sage ich, warum?
Jedes meiner geschriebenen Worte, jeder Text ist mein ewiger Versuch, meine Liebe zu erklären, mich selbst zu erklären, Antworten zu finden, meine Geschichte zu erzählen und das Leben ohne Unterbrechung zu fühlen. Dies ist meine Welt, ich will sie in Schwarz und Weiß gestalten und so sehen, aber gleichzeitig Gefühle behalten. Ich will viele Sachen fehlerlos abschreiben. Dies ist eine schwerige Geschichte über die Zeit: die unwiederbringliche Vergangenheit, über die Zukunft, deren Tür zu schwer und bewegungslos ist. Es geht um einen verletzlicheren, einsameren Menschen und einfache Fragen.
Ich beschreibe mich in verschiedenen Perspektiven, Namen, in verschiedenen Altern, Städten, im Schlaf, in Träumen, alle vergleichen das mit Originalität, aber dies ist meine Grenze, meine Wand, um nicht zu weinen, nicht schwach zu sein, nicht zu versinken.
Und auf die Frage „War dein Leben glücklich?“ möchte ich antworten: „Ja, absolut”.

Anna Judina
Sie sind lebendig, wenn Sie Gefühle und Empfindungen brauchen. Gefühle liefern Momente, Menschen, Orte, Fotos und Dinge, aber nichts macht Sie glücklicher als Sie selbst. Harmonie und Selbsterkenntnis offenbart Sie von innen. Sie genießen das Leben, während Sie mit voller Brust atmen.

Sie sind absolut glücklich und zufrieden. Es gibt keine Gedanken, das Gehirn ist ausgeschaltet und Sie fühlen es an der ganzen Haut. Das Gefühl macht viel Freude und Spaß, Sie sind in Euphorie und glauben nicht an Ihre Gefühle, aber es macht Sie entspannter.

Es ist schwer zu sagen, wo dieses Gefühl beginnt, aber ich versichere, Sie sind befriedigt von den Zehen bis zu den Haarspitzen. Das Gefühl der Selbstzufriedenheit verlässt Sie nicht. Sie sehen nichts um sich herum, weil in Ihren Augen Funken der Freude und kindliche Sorglosigkeit flimmern. Es scheint, dass die ganze Welt zu Ihren Füßen liegt und es ist schön. Sie wollen über Ihre Gefühle schreien, aber Ihr Körper ist ruhig und nicht bereit, Ihr Gefühl mit jemandem zu teilen. Sie übertreiben Ihre Gier und teilen dieses Gefühl mit allen. Schon verdoppelt sich Ihr Gefühl und der Zustand des leichten, angenehmen Schocks beherrscht Sie.

Ein unerklärliches Gefühl der völligen Glückseligkeit riecht nach Erfolg mit subtilen Noten von Birnen Süßigkeit und Weichheit der Baumwolle. Dieses farbenfrohe Gefühl erscheint, wenn Sie Ihr Lieblingseis probieren, wenn Sie am ersten Tag Ihres Urlaubs am Meer sind oder bei einer heißen Umarmung Freiheit fühlen. Es klingt immer wie Ihr Lieblingstrack und sieht aus wie der glücklichste Lottoschein, der mit dem letzten Geld gekauft wurde.

Genießen Sie alles, was Sie umgibt, und Sie werden ohne Grund glücklich sein.

Darja Jefanova

Schreibwerkstatt in Samara mit Nicol Ljubic

 Nicol Ljubic, Lehrerin und Schüler*innen in der ersten Schreibwerksatt in Samara 2019 Foto (Ausschnitt): Maksim Bubnov © Goethe-Institut Moskau

Publikation, Kurzgeschichten und Videos

Mitgewirkt haben Schüler*innen des Gymnasium №1 der Stadt Samara und die Lehrerin Alla Maximova, unter Leitung des Autors Nicol Ljubic, in Kooperation mit dem Goethe-Institut Moskau.

Der Stadtrundgang durch die alte Stadtmitte und die herrliche Aussicht auf die Wolga hat die Jungen und Mädchen zum Schreiben über ihren Lieblingsort in Samara inspiriert. 

Alles hier erscheint mir vertraut, ich fühle, dass mich etwas mit diesem Ort verbindet, etwas Bedeutendes, an das ich mich nicht erinnern kann. Mir wird plötzlich traurig und schwer ums Herz. Ich fühle eine grundlose Sehnsucht und das Wetter trübt die Laune noch mehr. Ich entscheide mich, an die Bar zu gehen und mir Eis zu kaufen, in der Hoffnung, dass mir das Süße helfen wird.

Arina Gontscharowa
In seiner Rede sprach er davon, dass die heutige Regierung sehr schwach und ziellos sei und es mit ihm eine Rückkehr in die Sowjetunion geben würde. Kujbischev sprach sehr überzeugend und gewann viele Anhänger. Von der Revolution, die in Samara ihren Ausgang nahm, erfuhr das ganze Land. Und als die Bronzestatue nach Moskau kam, wurde sie schon erwartet. Es dauerte nicht lange und Kujbischew wurde ein neuer Diktator.

Kirill Schtscherbakow
Mit diesem Ort verbinde ich viele glückliche Erinnerungen. Aber der unvergesslichste Moment war die Verabschiedung meiner älteren Schwester, kurz bevor sie nach Moskau zog, um dort zu studieren. Wir gingen in den Gagarin Park und fuhren alle Karussells. Jedes Mal, wenn wir eine neue Attraktion bestiegen, tauchten wir in alte, glückliche Erinnerungen ein.

Katja Filatowa
Ich wachte auf. Ich saß immer noch auf der Bank. Es war Abend geworden. Niemand war mehr im Park, nur helle Sterne leuchteten am Himmel und die Nacht-Grillen waren zu hören. Ich habe viel über meinen Traum nachgedacht. Und ich kann sagen, er hat mein Leben verändert, weil ich mir seitdem die eine Frage stelle: Wozu brauche ich Geld, Status und Reichtum, wenn ich niemanden im Leben habe, mit dem ich all das teilen kann?

Ilja Kissajew
Ich ging zu dem Hauseingang. Ich stand — es regnete — neben dem Baum und schaute zum Fenster meiner besten Freundin. Sie war nicht zu Hause, in ihrer Wohnung fühlte ich mich immer wohl. Irgendwann kam sie dann nach Hause, ging an mir vorbei und bemerkte mich. Dann standen wir eine halbe Ewigkeit in diesem feuchten, alten Hauseingang mit den abblätternden Wänden und sprachen über alles auf der Welt.

Darja Ionowa
Das Klodt-Haus ist einer der schönsten und interessantesten Orte der Stadt. Das Gebäude gefällt mir so gut, weil es mich an meine Kindheit erinnert. Wenn ich dieses Haus besuche, ist es, als würde ich in Märchen eintauchen, weil es einem Märchenhaus ähnlich ist, das aus Pfefferkuchen und anderen Süßigkeiten gebaut wurde. Als ich fünf war, habe ich das Klodt-Haus das erste Mal besucht. Ich habe mir dort mit meiner Mutter Kinderbilder angesehen. Ich stellte mir vor, dass die alten Besitzer des Hauses zurückkämen, weil ich das Buch geöffnet hatte. Sie würden wieder in das Haus ziehen und sich um das Haus und den Garten kümmern. Sie haben ein Geheimnis. Wenn sie nicht in Erinnerung bleiben, verschwinden sie. Aber das wird nie passieren, weil es viele Kinder gibt, die die Kunst lieben. Geister können wir leider nicht sehen. Aber ich frage mich, welche Geheimnisse noch zum Vorschein kommen? Vielleicht gibt es sie ja doch, die Geister, und wir spüren manchmal ihre Anwesenheit?

Ksenija Kukuschkina
Ich starre auf ein Bild. Darauf sind Linien, die wie Locken aussehen, ein Augenpaar und eine Welle. Es ist nicht so bunt wie die anderen Bilder — nur lila und blau. Ich kann es kaum glauben, aber mir gefällt dieses Bild. Etwas in dem Gesicht löst in mir ein Gefühl aus, das ich früher nie hatte. Freude und Begeisterung, Nachdenklichkeit und Erstaunen. Fragen zum Bild und die Suche nach Antworten — alles geht mir gleichzeitig durch den Kopf. Diese Bilder hängen nur ein paar Meter entfernt von der Straße, auf der jeden Tag Tausende Menschen vorbeigehen. „Gefällt dir die Ausstellung?“ Sonja holt mich aus meinen Gedanken. „Ja, sie ist nicht schlecht“, antworte ich.

Timur Kaschapow
Der letzte Sommerabend. Von der Wolga her weht ein kühler Wind. Der Himmel ist rot gefärbt. Bald wird die Sonne untergehen. Dann beginnt die Nacht. Danach kommt der graue, düstere Herbst. Aber Amelie dachte nicht darüber nach. Sie genoss nur den Sonnenuntergang und erinnerte sich an die schönsten Momente dieses Sommers. Die Treffen mit ihren Freunden, die Partys, den warmen Wind, der die Haare flattern ließ. Das Singen am Lagerfeuer. Es war alles so cool. Aber an einen Tag erinnerte sie sich am meisten. An den ersten August.

Swetlana Iwanowa
Ich verbrachte so viel Zeit auf diesem Platz, dass er für mich fast zu einem Zuhause wurde. Besonders gefiel es mir, wenn ich bis in die Nacht hinein dort war. So konnte ich den dunklen Himmel mit seinen glänzenden Sternen sehen und mich erholen.

Genau wie jetzt. Wie lange war ich nicht mehr hier, nachdem ich mit dem Rollschuhfahren aufgehört habe? Ein paar Monate oder ein Jahr oder noch länger? Ich gehe auf dem Platz spazieren und fühle mich wie beim letzten Mal. Noch dieselben Bäume, derselbe raue Asphalt, dasselbe große Denkmal. Alles ist mir so vertraut. Es ist Nacht, und es sind keine Menschen auf dem Platz. Ich kann die Stille genießen und ungestört in meine Erinnerungen eintauchen.

Julia Elisarowa
Bist du jemals in Samara durch die Nacht gelaufen? Nein? Dann versuche ich, dir die besondere Atmosphäre zu beschreiben ...Die Nacht am Strand. An der Wolga sitzt du mit so vielen Menschen zusammen. Du spielst Gitarre. Du erzählst deine Geschichten. Du machst Feuer. Und um nicht zu erfrieren, bekommst du eine Decke und eine Thermoskanne mit heißem Tee.Auf der anderen Seite der Wolga siehst du Lichter, die sich im Wasser spiegeln.Du willst nicht, dass diese Nacht jemals endet.

Angelina Abramowa
„Warum bist du hier?“, fragt mich Puschkin.

„Vielleicht, weil ich Fragen an Sie habe“, antworte ich bescheiden.

„Fragen? Gewöhnlich haben nur Polizisten Fragen an mich, wenn ich mich mal wieder duelliere. Aber ich bin bereit, mir deine Fragen anzuhören! Was möchtest du wissen?“, fragt Puschkin.

„Warum einige Menschen wie Sie schon von Geburt Meister sind? Warum müssen die meisten Menschen sich so anstrengen und schuften, um ein schönes Gedicht zu schreiben oder ein Bild zu malen, Sie aber sind ein Genie! Was Sie auch immer anfangen zu schreiben, wird ein Meisterwerk! Warum?“, frage ich.

Sonja Plachina
 
Nach Jahren hat John eine sehr große Sammlung von fast allen Muschelarten, die es auf der Welt gibt. Nur eine fehlt. Eine Kammmuschel. Es ist sehr schwer, sie zu finden. Diese Muschel ist sehr selten. Trotzdem hofft John, dass er sie eines Tages in seiner Sammlung haben wird.

Als er einmal am Strand spazieren geht, trifft er zufällig ein Mädchen. Sie steht bis zu den Knien im Wasser und genießt den Sonnenuntergang. John sieht das Mädchen an und bemerkt etwas in ihren Haaren. Als er sich ihr nähert, wird ihm bewusst, dass es etwas ist, was er schon seit langer Zeit sucht. 

Julia Elisarowa

 
Es sind viele Menschen da. Es ist laut. Wir stehen nicht weit von meinen Freunden entfernt. Alle amüsieren sich und tanzen. Und ich stehe neben Alex und überlege.

„Worüber denkst du nach?“, fragt Alex, der meine Zerstreutheit bemerkt.

„Über nichts“, sage ich, „alles in Ordnung.“

Auf einmal wird langsame Musik gespielt. Gewöhnlich fordern die Jungs uns Mädchen zum Tanzen auf. Ich warte. Ich warte auf Alex` Aufforderung. Ich warte. Warte und warte...

Uljana Gawrilow
 
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