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Schreibwerkstätten für Jugendliche
Schreibwerkstatt Łódź
mit Dagmara Kraus

Vom 28. bis 30. November 2019 fand der erste Teil der Weltenschreiber-Lyrik-Werkstatt in Łódź statt. Im Geometrie-Raum des Liceum Ogólnokształcące Politechniki Łódzkiej waren elf Deutsch-Schülerinnen und -Schüler aus drei Jahrgängen zusammengekommen, um mit Dagmara Kraus an ersten eigenen deutschsprachigen Gedichten zu arbeiten.  

  • Weltenschreiber in Lodz Artur Zwierzchowski © Goethe-Institut
    Impressionen vom Projekt Weltenschreiber in Łódź
  • Weltenschreiber in Lodz Artur Zwierzchowski © Goethe-Institut
    Impressionen vom Projekt Weltenschreiber in Łódź
  • Weltenschreiber in Lodz Artur Zwierzchowski © Goethe-Institut
    Impressionen vom Projekt Weltenschreiber in Łódź
  • Weltenschreiber in Lodz © Goethe-Institut
    Impressionen vom Projekt Weltenschreiber in Łódź
  • Weltenschreiber in Lodz Artur Zwierzchowski © Goethe-Institut
    Impressionen vom Projekt Weltenschreiber in Łódź
  • Weltenschreiber in Lodz Artur Zwierzchowski © Goethe-Institut
    Impressionen vom Projekt Weltenschreiber in Łódź
  • Weltenschreiber in Lodz Artur Zwierzchowski © Goethe-Institut
    Impressionen vom Projekt Weltenschreiber in Łódź

Eindrücke von der ersten Schreibwerkstatt

von Dagmara Kraus

Ende November bin ich für drei Tage am Liceum Ogólnokształcące Politechniki Łódzkiej gewesen und habe dort eine im ersten Teil auf zunächst insgesamt 13 Unterrichtsstunden angelegte Weltenschreiber-Lyrik-Werkstatt mit Schüler*innen leiten dürfen. Die Teilnehmer*innen stammten aus allen drei Liceumsklassen (Alterstufe 16–18 Jahre) und waren von den beiden am Projekt beteiligten und über die Veranstaltung dauerhaft präsenten Deutsch-Lehrerinnen Frau Świca und Frau Michalak unter den Deutsch-Lernenden der Schule für die Werkstatt ausgewählt worden. Zur Unterstützung war Frau Ostaszewska aus Warschau angereist, die unsere Werkstatt vonseiten des Goethe-Instituts der Hauptstadt organisiert hatte und sie auch vor Ort auf höchstsympathische Art betreute.
 
Das Sprachniveau der Schüler*innen war überraschend gut – kein Wunder, dass einige von ihnen Deutsch-Olympioniken* sind. Unter den älteren Teilnehmer*innen war die Aufgeschlossenheit naturgemäß größer als bei den jüngeren, die mir anfangs mit Zurückhaltung begegneten. Die Schüchternheit legte sich aber im Lauf der Veranstaltung, sodass wir späterhin rege diskutierten und die Schüler*innen aller Art Fragen stellten. Ich bin mir sicher, dass wir uns im kommenden Frühjahr – die Fortsetzung der Werkstatt ist für März 2020 geplant – ganz ohne Anfangsschüchternheit wiedertreffen werden, um uns dann schreibend der Stadt, ihren besonderen Orten und ihrer Geräuschkulisse zuzuwenden.
 
Meine Textaufgaben bestanden im Wesentlichen aus Gedichten nach „contraintes“, „Regelzwängen“ à la Oulipo und dazu passenden Lektüren solcher beispielhaften Gedichte, die ich in die Werkstatt einbrachte. Damit habe ich mit den Teilnehmer*innen ein ähnliches Werkstatt-Modell erprobt wie mit den Studierenden meiner bisherigen Werkstätten. Die Schüler*innen hatten aufgrund der Zweitsprache eine zusätzliche Schwierigkeit beim Schreiben zu überwinden. Um den Teilnehmenden die Angst vor dem Fehlermachen zu nehmen, lasen wir einleitend zusammen Ernst Jandls Gedicht „von einen sprachen“. Dann entstand die erste Collage aus Gedichten Christine Lavants. Daraufhin bat ich darum, ein Gedicht aus quasi-poetologischer Perspektive zu schreiben. Dies sollte unter Anwendung des Konjunktivs und mithilfe einer zu wiederholenden Wendung nach dem Vorbild eines gemeinsam gelesenen Gedichtes von Helga M. Novak geschehen. In späteren Stunden schrieben wir Bildgedichte, Akronym-Porträts aus Namen, füllten lückenhafte Gedichte auf, ergänzten Textschnipsel und bastelten „Janzungen“ (gemeint sind Texte nach Textbauprinzipien Angelika Janz‘), um uns schließlich an einer Pastiorschen Vokalise die Zähne auszubeißen.
 
In meiner Werkstatt-Anlage folge ich Alfred Liedes Buchtitel „Dichtung als Spiel“ und fürchte mich nicht vor Unsinn. So besteht mein Ansatz wesentlich aus verschiedenartigem Spielen mit Sprache – stets vor dem Hintergrund des Gedankens, dass „Inspiration“ durch bestimmte Textherstellungsmanöver – also künstliche, jeweils stark formgebundene Schreibanlässe – befördert werden kann und dass sich beim experimentellen Durchführen solcher Verfahren wie von alleine Textideen einstellen, die zu Gedichten führen können, was paradoxerweise durch die spontane Abweichung von einer vorgegebenen Regel geschieht. Für Werkstätten, in denen man unter Beobachtung und im Klassenverband kaum den authentischen Schreibakt simulieren kann, scheinen sich solcherart Aufgaben besonders gut zu eignen. Nolens volens bringt das so geartete Gesellschaftsspiel Persönliches zutage, da es trotz Formstrenge und Kalkül im Unterbewussten schürft. Man braucht die Schüler*innen darum m.E. nicht explizit zu den im gemeinen Deutschunterricht gern verteilten Aufgaben der Erfahrungsschreiberei anzuleiten, da das Schreiben nach Regeln in vielerlei Hinsicht ein Art Hebammenwirkung hat.
 
Als Nebeneffekt eröffnet derart „reguliertes“ Schreiben einen leicht enthöhten, angstfreien Blick auf die Literatur, da es sie aus der Perspektive der Werkstatt zu beleuchten versucht. Die im Rahmen meiner Veranstaltungen zurate gezogenen Fremdtexte werden vor diesem Hintergrund deshalb auf ihre Machart hin gelesen und stets nach einer solchen befragt. Besonders interessant erscheinen dabei solche Texte, die über ein poetologisches Begleitprogramm verfügen und den Schüler*innen dadurch Auskunft über die in einem Text angewandten Tricks und Kniffe geben können (vgl. Roussels Verfahren). 
 
Dass bei solcher Art riskantem Vorgehen vielleicht kein einziges gutes Gedicht entsteht oder allenfalls Keimlinge von späteren Gedichten mit unbestimmbarer Inkubationsphase, ist nicht wesentlich. Was für mich zählt, ist das Sprachdenken und seinen Fokus zu schärfen und Schüler*innen nebenbei ein nützliches Vokabelwerkzeug an die Hand zu geben, da contrainte-basiertes Schreiben kaum anders als unter Benutzung von Wörterbüchern praktiziert werden kann. 

* In Polen werden seit Jahrzehnten sog. „Olympiaden“ in sämtlichen Fächern für Schüler*innen veranstaltet, Fächer-übergreifende Wettkämpfe des Wissens, deren Höchstplatzierte großes Ansehen genießen.

Besuch im Goethe-Institut Warschau

von Ewa Dorota Ostaszewska

Am 22.11.2019 besuchte die polnische Projektgruppe Weltenschreiber das Goethe-Institut in Warschau.
Während des Besuchs konnten die TN der Projektgruppe die Installation „VRwandlung“ sehen. In der „VRwandlung“, die auf der Erzählung von Franz Kafka basiert, kann man dank VR-Technologie als riesenhaftes Insekt in einem originalgetreu rekonstruierten Zimmer erwachen. Dieses Erlebnis beeindruckte alle!

Danach fand ein Treffen mit Jugendlichen aus Deutschland statt, die über das alltägliche Leben der Jugendlichen und Studium in Deutschland erzählten und Fragen der Schülerinnen und Schüler beantworteten. Im nächsten Teil des Treffens lernten wir uns besser kennen.

Frau Karin Ende, Leiterin der Spracharbeit stellte das Goethe-Institut im Rahmen eines kurzen Workshops vor und kam ins Gespräch mit der Gruppe über das Image von Deutsch in Polen und über Deutschland. Anschließend gab es Sprachspiele, in denen die Kreativität gefragt wurde. Schnell wurden Sprachhemmungen überwunden und es wurde viel gelacht.


Was mich am Weltenschreiber-Projekt interessiert

Maria Michalak (lehrerin)

„Ich bin sehr zufrieden, dass unsere Schüler an diesem Projekt teilnehmen und ihre Interessen entwickeln können. Kreatives Schreiben bereitet sowohl Schülern als auch Lehrern Schwierigkeiten. Es freut mich immer, etwas Neues zu lernen, meine Kompetenzen zu erweitern. Dieses Projekt wird mir ermöglichen, den Schreibunterricht aus einer anderen Perspektive zu betrachten.“

Agnieszka Świca (LEHRERIN)

„Eine neue Herausforderung, die mir auch ermöglicht, mich in einem neuen Bereich zu entwickeln.“ 

Teilnehmer*innen

„Ich möchte deutsche Kultur besser kennenlernen.“
Angelika Kołodziej, 18 Jahre

„Ich möchte meine Deutschkentnisse vertiefen, kreativer schreiben, Spaß mit den anderen haben.”
Jan Sarzała, 17 Jahre

„Ich stehe auf dem Standpunkt, dass dieses Projekt mir die Möglichkeit geben wird, sowohl  meine literarischen Fähigkeiten als auch meine Sprache zu entwickeln und zu bereichern.“
Liliana Klim, 17 Jahre

„Ich nehme am Weltenschreiberprojekt teil, weil ich mein Deutsch trainieren möchte. Ich mag schreiben, also dieses Projekt ist eine Chance, um Hobby mit Lernen zu verbinden.“
Maja Gołębiowska, 15 Jahre 

„Ich entfalte meine Kreativität  gern und ich möchte Kontakt zu Deutschen haben.“
Martyna Kaźmierczak, 16 Jahre

„Ich suche immer nach neuen Herausforderungen, um ständig neue Erfahrungen zu gewinnen. Außerdem gibt mir Weltenschreiberprojekt auch die Möglichkeit, meine Deutschkenntnisse zu verbessern und die Sprache in einem anderen Kontekst zu nutzen.“
Martyna Wojniłłowicz, 17 Jahre

„Ich möchte besser in Deutsch werden und deutsche Kultur kennenlernen.“
Mikołaj Sowa, 15 Jahre

„Ich möchte meine Ansichten erweitern, Kreativität entwickeln und viel Spaß beim Schreiben haben. Ich mag Herausforderungen.”
Olga Chlebna, 17 Jahre

„Ich nehme am Weltenschreiberprojekt teil, weil ich meine Deutschkenntnisse und Kreativität verbessern möchte.“
Weronika Szukalska, 17 Jahre 

 

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