Internationale Online-Magazine „Das könnte Sie auch interessieren!“

Tea after Twelve: Urban Gardening in Havanna, Bunker in Riga Ingrid Arnold
Tea after Twelve: Urban Gardening in Havanna, Bunker in Riga | Foto: Tea after Twelve
(Foto: Privat)

Kulturaustausch und Communities: Internationale Online-Magazine sind Lese-Weltreisen und tragen zur Meinungsvielfalt bei. Damit werden sie jeden Tag wichtiger. Von Ingrid Arnold

Nein, ganz neu ist die Idee nicht. Gerade feierte der transnationale Blog Global Voices seinen 10. Geburtstag, beim Citizen Media Summit auf den Philippinen. Entstanden ist Global Voices mit der Hochphase des Bloggens, als eine Plattform für Bürgerjournalismus – was unter Zeitungsverlegern ja manchmal wie ein Schimpfwort klingt, aber seine Relevanz nicht nur in Ländern ohne Presse- und Meinungsfreiheit hat. Erst Anfang des Jahres hat sich mit den Anschlägen in Paris wieder gezeigt, wie spannend, anstrengend und wichtig es ist, unterschiedliche Meinungen zu einem globalen Thema auszutauschen.

Die Themenvielfalt bei Global Voices reicht von Stadtkultur und Lokalem über Wirtschaft und Menschenrechte zu Kunst und Netzpolitik. Das wirkt oft sehr bunt, häufig informieren die Beiträge aber über Missstände und geben Menschen eine Stimme, die in ihren heimischen Medien kein Gehör finden würden. Die Beiträge werden, nach Weltregionen und Themen sortiert, in der Originalsprache veröffentlicht – und von der Community in weitere Sprachen übersetzt. So macht Global Voices Themen zugänglich, auf die man woanders in der Welt sonst niemals gestoßen wäre.

Wer gerne mehr und andere Stimmen hören will, wird auch beim Mondoblog fündig. Seit fünf Jahren bietet er unter dem Dach von Radio France International frankophonen Bloggern aus aller Welt ein Forum. Mit lokalen Teams in über 20 europäischen Ländern arbeitet Café Babel. Das partizipative journalistische Projekt mit Sitz in Paris wurde 2001 von Erasmus-Studierenden gegründet, getragen von einem Verein und unterstützt unter anderem von der EU und mehreren Stiftungen. Das Magazin mit Beiträgen vor allem junger Autorinnen und Autoren erscheint in mehreren Sprachen, es geht um Politik, Kultur und Gesellschaft, von #JeSuisCharlie über Playlists bis Lux Leaks.

Seit vergangenem Herbst gibt es nun ein neues internationales Magazin: Tea after Twelve sammelt englischsprachige Beiträge aus aller Welt in monothematischen Ausgaben. Die Autorinnen und Autoren kommen dabei ebenso aus dem Journalismus wie aus der Wirtschaft oder der Kultur. In der ersten, Urban Life, kann man über Urban Gardening in Havanna und Bunker in Riga lesen, über die Wonderful-Initiative in Kiew oder den Neuanfang des pakistanischen Kinos. Vorgestellt werden Projekte, die auch gegen Widerstände gelingen, und Menschen, die etwas erforschen oder gründen oder anderweitig innovativ und kreativ tätig sind – inspirierende Geschichten von Veränderung und der Möglichkeit eines sozialen Wandels.

Gegründet wurde das Magazin von zwei Berliner Journalistinnen, die vorher unter anderem für die GIZ gearbeitet haben. Tea after Twelve versammelt Autorinnen und Autoren aus vielen Ländern, das Magazin wächst und gedeiht. Belohnt wird das Engagement bereits mit über 50.000 Facebook-Fans. Auf die nächste Ausgabe, „Tech“, werde ich sicher auch über meine sozialen Kanäle stoßen. Und dann werde ich mich wieder festlesen: „Das könnte Sie auch interessieren“, von der Redaktion statt Algorithmen vorgeschlagen, lädt zu einer Weltreise ein.
 

Ingrid Arnold, 44, arbeitet seit 2008 in der Zentrale des Goethe-Instituts und leitet im Bereich Internet die Content- und Produktentwicklung. Vorher hat sie in Berlin als freie Kulturautorin, Filmredakteurin und Webkonzepterin gearbeitet – und kann beim Goethe-Institut das Beste aus allen Welten verbinden. Nur lassen journalistische Erkundungen im Internet das Kino manchmal zu kurz kommen.