Eddie Hatitye über „Music in Africa“ „Wir haben großartige Musik – aber keine Medien“

Die Plattform <em>Music in Africa</em> will erste Anlaufstelle für Informationssuchende sein
Die Plattform Music in Africa will erste Anlaufstelle für Informationssuchende sein | Foto: Goethe-Institut Johannesburg / Jabu Nkosi

Ein Reiseführer durch die Welt der afrikanischen Musik – das will die Online-Plattform Music In Africa sein. Mitbegründer Eddie Hatitye erklärt, warum ein solcher Reiseführer nötig ist, wie er Künstler des ganzen Kontinents zusammenführen will und was ihn von einem reinen Musikportal unterscheidet.

Herr Hatitye, was für ein Gefühl ist es, „Music In Africa“ nun online zu sehen?

Hatitye: Es ist ein großartiges Gefühl. Unser gesamtes Team hat diesem Tag entgegengefiebert, nachdem wir drei Jahre lang an dem Projekt gearbeitet haben. Wie Sie sich vorstellen können, waren wir etwas nervös, ob das Portal den Erwartungen gerecht werden würde. Aber jetzt haben wir bereits viele positive Reaktionen aus ganz Afrika bekommen.

Was können die Besucher denn auf der Website finden?

Derzeit gibt es vier Bereiche: Directory, Education, Magazine und Resources. Jeder davon bietet eine Fülle nützlicher Informationen über Musik in Afrika, beispielsweise wichtige Ansprechpartner und Informationen zu den Akteuren in der afrikanischen Musikbranche, Übersichtsartikel zu den Musikszenen in Afrika, Unterrichtsmaterial, Musikkritiken, Neuigkeiten und praktische Tools für Musiker.

Sind diese Informationen nicht schon bereits anderswo verfügbar?

Ja und nein. Man findet im Internet eine Menge Informationen über Musik aus Afrika, doch vieles davon stimmt nicht. Das wollen wir mit dem Portal ändern. Jedes Detail auf unserer Website wird von uns vor der Veröffentlichung überprüft. Dafür arbeiten wir mit Fachleuten zusammen. Wir bieten hilfreiches Wissen zum Kulturmanagement, zu Copyrightfragen oder rechtlichen Themen. Unser Ziel ist es, Einblick in die wichtigsten Aspekte afrikanischer Musik zu geben. Um es etwas anschaulicher zu machen: Stellen Sie sich vor, Sie sind unterwegs in einer Stadt und beschaffen sich vorab Informationen, suchen Tipps und Erfahrungsberichte. Unsere Plattform bietet einen solchen Service aus der Perspektive der Musik. Wir führen all die Informationen zusammen, die bisher nur verstreut im Internet zu finden waren.

Wer erstellt die Inhalte?

Eddie Hatitye, Direktor der Music In Africa Foundation Eddie Hatitye, Direktor der Music In Africa Foundation | Foto: Siemens Stiftung Redaktionsteams für Music In Africa gibt es momentan in vielen Teilen Afrikas. Zudem haben wir Fachleute wie Wissenschaftler, Musikpädagogen und Journalisten mit Beiträgen beauftragt. Das bringt mich auch gleich zu einem weiteren spannenden Aspekt des Projekts, der Music In Africa zu einer nachhaltigen Plattform machen soll. Jeder Nutzer hat die Möglichkeit, ein Profil zu erstellen oder einen Artikel zu schreiben. Wenn die Beiträge fundiert sind, veröffentlichen wir sie. Die Website pflegt sich also selbst. Um die Urheber von Inhalten zu honorieren, haben wir ein Tool entwickelt, das es anderen Nutzern der Website ermöglicht, Beiträge finanziell zu würdigen. Wenn Sie beispielsweise einen Artikel im Magazin lesen, finden Sie dort einen Button, um „Applaus“ zu spenden. Damit können Leser einen Beitrag auszeichnen und dem Verfasser ein kleines Honorar zukommen lassen.

Welchen Einfluss hat denn das Medium Internet auf die Musik?

Viele Musiker werden wohl sagen: „Manchmal wünschten wir uns, es hätte das Internet nie gegeben.“ Denn durch das Internet hat sich die Art, Musik zu erwerben und zu hören, völlig verändert. Es hat auch eine ganz neue Art von Musikern geschaffen. Doch das ist genau der Grund, weshalb wir diese Art von Plattform benötigen: um Musiker zu fördern, neue Fans anzusprechen und ein größeres Publikum zu erreichen. Mit Veranstaltungen, Live-Auftritten und all diesen Dingen ist Geld zu verdienen, doch ohne die nötigen Informationen kommt niemand zu den Konzerten. Die Technologie ist nun einmal da – und wir wollen das Beste daraus machen.

Heißt das, die Technologie hat die Musiker verändert?

Die Musiker verändern sich tatsächlich. Sie erstellen Profile und stellen ihre Musik online. Sie begreifen Music In Africa ganz klar als Chance. Und wir haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass wir stets ihre Interessen in den Vordergrund stellen. Durch unseren Open-Source-Ansatz stehen Informationen schnell und kostenlos zur Verfügung, gleichzeitig regt er Menschen dazu an, die Website künftig selbst weiterzuentwickeln.

Eine solche Plattform zu schaffen ist ein sehr ehrgeiziges Vorhaben.

Das stimmt. Music in Africa ist die erste Plattform ihrer Art in Afrika. Schauen Sie sich den Kontinent an: Es gibt dort mehr als eine Milliarde Menschen und extrem unterschiedliche Musiktraditionen. Musik hat einen ganz besonderen Stellenwert in Afrika. Sie ist heutzutage nicht nur ein kultureller Faktor, sondern bietet auch neue Geschäftsmöglichkeiten. Allerdings gibt es nur unzureichende Mittel für die Bewahrung der Musik, für den Erfahrungsaustausch zwischen professionellen Musikern oder Orte, an denen Künstler für ihre Musik werben können. Ich glaube, aus diesem Grund denkt manch einer, dass Afrika in dieser Beziehung anderen Kontinenten unterlegen ist. Nicht weil wir keine großartige Musik haben, sondern weil die Medien für afrikanische Musikstücke so begrenzt sind. Music In Africa lädt die Menschen ein, die Musik des ganzen Kontinents kennen und schätzen zu lernen.

Was wünschen Sie sich in Zukunft für die Plattform?

Dass Music in Africa die erste Anlaufstelle für all jene wird, die Fragen zu Musik in Afrika haben. Dabei möchten wir nicht einfach nur ein Portal sein, sondern nachhaltig zur Kreativwirtschaft in Afrika beitragen. Wir möchten die Sichtbarkeit afrikanischer Künstler erhöhen und die Freude am Hören und Spielen afrikanischer Musik in aller Welt fördern. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass diese Plattform Brücken baut, die einen Austausch der unterschiedlichen Akteure in der Musikbranche ermöglichen. Und hier meine ich nicht nur Musiker, sondern auch Musikkritiker und Journalisten, Wissenschaftler, Musikpädagogen und Verleger.

Das Interview führte Eva-Katharina Lang