„Futureperfect“ Geht doch!

Ob Tiger oder Bienen: Die Hoffnung ist oft schwarz-gelb gestreift
Ob Tiger oder Bienen: Die Hoffnung ist oft schwarz-gelb gestreift | Foto (CC BY-SA): Márton Botond - Sziget Festival Official

Skulpturen, die eins werden mit der Natur, selbstgemachtes essbares Geschirr, die grünen Dächer von Gaza. Futureperfect präsentiert Geschichten, die zeigen, dass es auch anders geht. Nachmachen ausdrücklich erwünscht!

Es geschah im Sommer 2012. Schon seit Tagen munkelte man in dem Dorf Szakácsi, der Tiger sei in der Gegend. Manche schüttelten ungläubig den Kopf, andere wagten zu schwören, sie hätten ihn mit eigenen Augen gesehen. Die Kinder zogen sich abends die Steppdecke über den Kopf und zeichneten mit ihren Fingern die Streifen des Tigers auf die Decke. Die alten Leute rauchten bis zur Abenddämmerung Pfeife vor ihren Häusern, und bevor sie sich zur Ruhe legten, blickten sie blinzelnden Auges in die Weite. In der Abenddämmerung schien es mitunter, als blitzte aus der Ferne das Auge des Tigers auf.

Im Juli schließlich kam er. Szakácsi ist Ungarns ärmste Gemeinde. Hier leben fast ausschließlich Roma. Der Tiger, der künftig am Ortseingang über sie wachen sollte, war zwar nicht aus Fleisch und Blut, dafür aber überlebensgroß – eine gemeinsame Kreation der Künstlergruppe Hello Wood und des Bildhauers Gábor Miklós Szőke. Hello Wood, das ist eine Handvoll Architekturstudenten, die aus Holz so ziemlich alles bauen, was das Material nur hergibt. Sogar Tiger. Der, den sie den Bewohnern von Szakácsi geschenkt haben, gehört dort nun keinem und allen. Gemeinsam hatten sich die Dorfbewohner mit Hello Wood über ein gemeinsames Projekt Gedanken gemacht und sich am Ende auf den indischen Tiger geeinigt. Schließlich hat das Volk der Roma seinen Ursprung auf dem Subkontinent. Und so hat das Raubtier auch das bislang zerstrittene Dorf wieder etwas zusammengeschweißt.

Wie man im Kleinen die Welt ein bisschen verbessern kann, das sollen die Geschichten von Futureperfect aufzeigen. Die Tiger-Architekten aus Ungarn sind nur ein Beispiel von vielen. Da sind auch die drei amerikanischen Surfer, die Skateboards aus im Ozean deponierten Fischernetzen herstellen. Oder Ahmed Saleh, der im Gazastreifen Dachgärten einrichtet. Die Website der Stiftung Futurzwei und des Goethe-Instituts stellt Menschen und Initiativen vor, die etwas Zukunftsweisendes auf die Beine gestellt haben. Das Projekt Futureperfect führt damit auf internationaler Ebene fort, was Futurzwei im deutschsprachigen Raum schon seit ein paar Jahren erfolgreich macht. Denn die sozialen und ökologischen Krisen unserer Zeit können nicht allein von Politikern, Ingenieuren oder dem Markt gelöst werden: Es kommt auf den Einzelnen an.

Zum Portal von „Futureperfect“ Zum Portal von Futureperfect | Copyright: Goethe-Institut Aus Brasilien wird auf der Website von Futureperfect von Gedichte-Abenden in Elendsgebieten erzählt, aus der Schweiz von einer Bank, die kleine und mittlere Unternehmen fördert, aus Tunesien von einem Altenheim, für das sich die Jugend engagiert. Zu Beginn waren es 39 Geschichten aus 17 Ländern; jede Woche wird nun mindestens eine Geschichte hinzukommen.

So wie die von Uwe Marth und seinen Bienenvölkern, denen er auf dem 30 Meter hohen Dach des Berliner Doms eine Unterkunft besorgt hat. Kirchenasyl gewissermaßen. Marth ist Lehrer und gehört zu jenem Dutzend Hobby-Imkern, die im Rahmen der Initiative Berlin summt! auf die prekäre Situation der Bienen aufmerksam machen. Die Blütenbestäuber sind einerseits immens wichtig für das Fortbestehen des Lebens auf der Erde – ohne sie könnten zahlreiche Sorten Obst, Gemüse und Nüsse keine Früchte tragen. Ihre Gratisleistungen für Natur und Mensch erfahren andererseits so wenig Unterstützung, dass die Bienen stark bedroht sind. Jährlich stirbt in Deutschland durchschnittlich ein Drittel des Bestands, in manchen Ländern und Regionen sogar noch mehr.

Deshalb geht es Bienen in Städten inzwischen besser als auf dem Land. Die Baum- und Blumenvielfalt ist im urbanen Raum viel größer, und Pflanzen werden seltener chemisch behandelt. In Berlin haben 298 von 560 deutschlandweit vorkommenden Arten von Wildbienen ein Asyl gefunden, und etwa 700 Freizeitimker kümmern sich um die 3200 Völker der Stadt. Um die neuen Einwanderer wertzuschätzen, hat Berlin summt! sie an herausragenden Orten untergebracht: auf dem Abgeordnetenhaus, dem Planetarium, dem Haus der Kulturen der Welt oder eben auf dem Kupferdach des Doms. Über den Dächern der Stadt, so die Hoffnung, gibt es noch eine Zukunft für die bedrohten Tiere.

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