Facebook-Thriller Geteilte Spannung ist doppelte Spannung

Auf der Suche nach Ana beginnt ein Wettlauf mit der Zeit
Auf der Suche nach Ana beginnt ein Wettlauf mit der Zeit | Foto: viktoriagavril / Fotalia.com

„Ana öffnet den Mund. Die letzte Luft für einen Schrei.“ Nein, das ist kein Ausschnitt aus dem Tatort vom Sonntag. Das hier ist ein Facebook-Thriller. Was das ist? Eine Geschichte, die über 90 Tage hinweg online entstanden ist – und an der die Nutzer mitgeschrieben haben.

Die mexikanische Austauschstudentin Ana Alvarez ist spurlos in Deutschland verschwunden. Gemeinsam mit Anas Bruder Pepe suchten die Facebook-Fans des Goethe-Instituts Mexiko und zwei Autorinnen 90 Tage nach ihr – im ersten Facebook-Thriller des Goethe-Instituts Ana, wo bist du?

Jeden Tag postete das Goethe-Institut Mexiko ein Stück der Geschichte von Ana und Pepe. Die Facebook-Fans konnten sich durch verschiedene Aufgabenstellungen an der Handlung beteiligen und gleichzeitig ihr Deutsch verbessern. Welchen Gegenstand findet Anas Bruder in ihrem Zimmer – ihre Lieblingskette, ein blutiges Messer oder Anas Flugticket? Über Fragen wie diese entschied die Facebook-Gemeinschaft per Abstimmung. An anderen Stellen machten die Nutzer Vorschläge für ganze Textpassagen oder schrieben Dialoge zu Ende – teilweise seitenlang. Dazwischen hielten Wortschatzübungen und landeskundliche Fragen die Leserschaft auf Trab.


Und wie endet die Geschichte? Das kann man ab jetzt auf der Webseite des Goethe-Instituts Mexiko nachlesen. Hier noch ein kurzer Auszug aus Post Nummer 82 – für die Spannung:

„Es ist heiß. Ana spürt das Wasser auf ihrer Stirn. Aber sie will die Hand nicht heben. Denn jede Bewegung kostet Energie. Sie atmet durch die Nase. Kleine Schlucke Luft. Die Matratzen in ihrem Gefängnis stinken.
Das kleine Fenster, das jetzt geschlossen ist. Er hat sie hierher gebracht. Durch eine Öffnung geschoben.
Wie lange darf sie noch leben? Soll sie rufen? Aber niemand kann sie hören. Rufen kostet Energie.
Keine anderen Gedanken mehr ...?
Doch. Pepe. Ihr Bruder. Er macht sich sicher Sorgen.
Und Till.
Sie möchte sie nur einmal noch wieder sehen.
Sie möchte nach ihnen rufen.
Doch sie wird auf jeden Fall sterben. Vielleicht hört sie doch jemand. Vielleicht nicht. Dann kommt der Tod ein paar Minuten früher.
Schreien. Kann sie das überhaupt noch? Ihre Zunge ist ganz dick. Ana öffnet den Mund. Die letzte Luft für einen Schrei.“