Kurse für Ehrenamtliche Laien als Lehrer

Deutsch perfekt zu sprechen ist das eine, es zu unterrichten das andere: Das Goethe-Institut zeigt Ehrenamtlichen, wie sie ihre Deutschkenntnisse an Flüchtlinge weitergeben können
Deutsch perfekt zu sprechen ist das eine, es zu unterrichten das andere: Das Goethe-Institut zeigt Ehrenamtlichen, wie sie ihre Deutschkenntnisse an Flüchtlinge weitergeben können | Foto: Pepe Egger

Sie sind hoch motiviert und tun alles, um Flüchtlingen den Start in Deutschland zu erleichtern: ehrenamtliche Helfer. Auch Deutsch unterrichten sie. Doch wer Deutsch spricht, ist deshalb noch kein Deutschlehrer. Das Goethe-Institut hilft jetzt den Helfern. Von Susanne Lettenbauer

Neugierige Stimmung im Kursraum 4 des Goethe-Institutes von Schwäbisch Hall. 17 Männer und Frauen suchen sich einen Sitzplatz, es erinnert irgendwie an einen ersten Schultag, nur dass die Schüler fast alle jenseits der 40 oder 50 Jahre sind. Regina Baumann, pädagogische Leiterin des Instituts, begrüßt die Ehrenamtlichen. Ab sofort werden die fünf Männer und zwölf Frauen einmal pro Woche zwei Stunden abends die Schulbank drücken. Sie wollen Flüchtlingen Deutsch beibringen.

Die Nachfrage nach den Kursplätzen war groß, sagt Regina Baumann: „Das ist jetzt erst relativ kurzfristig angedacht worden, und es waren sehr viele, die sich dafür gemeldet haben, 17 Teilnehmer wurden ausgewählt, und die kommen heute das erste Mal.“

Einige kümmern sich seit Monaten um ein gutes Ankommen der Asylsuchenden. Da wäre zum einen die Engagierte: „Also ich gebe schon Deutsch für Ausländer, für Asylbewerber, und mich interessiert einfach, was man noch so tun kann, dass man die Verschiedenheit der Sprachen noch besser vermitteln kann.“

Mit dabei ist auch eine junge Englisch-Studentin: „Ich habe noch nie Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Ich erwarte und wünsche mir ein paar Inspirationen, ich möchte mich gern austauschen, ich bin sehr gespannt.“

Und da wäre noch eine der rüstigen, tatkräftigen Rentnerinnen: „Ich muss ehrlich sagen, ich bin totaler Neueinsteiger in der Flüchtlingshilfe, habe in der Vergangenheit viel ehrenamtlich gemacht, und hab mich da jetzt ein bissl freigeschaufelt, weil mich das erstens interessiert, zweitens will ich das einfach, ich hab früher mal Lehramt studiert, und von daher denke ich, dass ich da doch vielleicht geeignet wäre.“

Die eigene Sprache infrage stellen

Gleich zu Beginn startet der Kurs mit einer Überraschung. Wie Deutsch klingt das ganz und gar nicht. Wie fühlt sich das an, wenn man 20 Minuten lang überhaupt nichts versteht? Von einem Lehrer ständig aufgefordert wird zu antworten und man nicht die geringste Ahnung hat, worum es geht, in diesem Fall um die Sprache Yoruba aus Nigeria. Genau so fühlen sich die Flüchtlinge in den ersten Deutschstunden, erklärt Kursleiterin Karin Gardini Scheible den Sinn der Übung: „Zuerst einmal eine Selbstreflexion, eine Bewusstmachung, wie geht man um, wenn man den Erstkontakt in einer Fremdsprache hat, welche Gefühle, welche Bilder kommen, welche Gedanken kommen, um das mal zu sammeln, und dann geht es weiter. Was kann ich davon übernehmen, um dann in Kontakt mit Flüchtlingen, denen ich Deutsch beibringen will, keine Fehler zu machen.“

Die eigene Sprache infrage stellen, normale Redewendungen einfach mal hinterfragen – der Deutschkurs für Ehrenamtliche ist mehr als nur ein Sprachkurs für Laienlehrer. Die Helfer sollen auch ein Gefühl für die Situation der Flüchtlinge bekommen, im Alltag eine ganz neue Sprache benutzen zu müssen, meint Kursleiterin Scheible. Wenn Deutsche meinen, nur aufgrund ihrer Herkunft die deutsche Sprache vermitteln zu können, dann sei das falsch. Denn Deutsch sei sehr komplex.

„Die deutschen Strukturen zu vermitteln ist nicht einfach. Das in möglichst kleinen Schritten rüberzubringen, dass da auch ein Erfolgserlebnis kommen kann und jeden Tag ein Zuwachs ist, das bedarf schon einer gewissen Methode.“

Im Netz geht es weiter

Vor etlichen Jahren bot das Goethe-Institut noch Integrationskurse für die Flüchtlinge in Schwäbisch Hall an, bis das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Finanzierung strich. Die jetzt begonnenen Deutschkurse für Ehrenamtliche sind der erste Schritt, sich in der derzeitigen Flüchtlingssituation wieder zu engagieren. Ermöglicht wurde das durch eine umfangreiche Spende aus Japan. Dafür entwickelte Regina Baumann extra einen eigenen Stundenplan.

„Wir haben ein Curriculum erarbeitet, das natürlich auch mit interkultureller Kompetenz zu tun hat, mit der Themenauswahl oder den Fragen, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollten, ob es einen Sinn hat, die Duden-Grammatik zu vermitteln, und ob es sinnvoll ist, Rollenspiele zu spielen statt Texte zu lesen.“

Vier Termine sind erstmal für die hoch motivierten ehrenamtlichen Deutschlehrer angesetzt. Wie es danach weitergeht, weiß das Institut noch nicht. Vielleicht beschränkt sich die Weiterbildung auf die sogenannten Webinare im Internet, die Ende Oktober begonnen haben. Online können sich ab dem 20. Oktober nicht nur die Kursteilnehmer aus Schwäbisch Hall, sondern alle Interessierten die Grundlagen des Deutschlehrens aneignen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Mit freundlicher Genehmigung von Deutschlandradio Kultur. Der Beitrag lief am 12. Oktober auf dem Sender.