25 Jahre Ostkreuz Ein Geburtstag in Paris

Ein Bild aus 25 Jahren: Es zeigt eine Braut in Havanna im Jahr 1996
Ein Bild aus 25 Jahren: Es zeigt eine Braut in Havanna im Jahr 1996 | Foto: Jordis Schlösser/Ostkreuz

Es hätte so schön sein können: 25 Jahre Ostkreuz. Ein wahrer Grund zu feiern. Mit einer großen Ausstellung am Ort, wo alles anfing: Paris. Das Goethe-Institut hatte eingeladen. Doch dann, einen Tag nach der Vernissage, kamen die Attentäter – und niemandem war mehr zum Feiern zumute.

Paris, Frühjahr 1990. In einem Markthallencafé sitzen sieben Ostberliner Fotografen und haben eine Idee. Sie sind auf Einladung François Mitterrands in der Stadt. Anlass ist eine Ausstellung mit den wichtigsten der damaligen DDR-Künstler. Die Mauer ist seit einigen Monaten gefallen, Deutschland aber noch geteilt, und keiner weiß so richtig, wie es weitergehen wird. Mit einigen Kollegen der berühmten Agentur Magnum unterhalten die Fotografen seit Jahren Freundschaften. Jetzt beschließen sie, deren Vorbild zu folgen und selbst eine Agentur zu gründen.

Paris, 13. November 2015. Wieder sind einige der Fotografen in Paris. Die Agentur, sie heißt Ostkreuz, ist inzwischen 25 Jahre alt. Ein Geburtstag, der in Paris mit einer großen Ausstellung begangen werden soll. Eröffnet worden ist sie am Tag zuvor. Die Stimmung ist entsprechend gut. „Wir waren alle in der Stadt unterwegs“, berichtet Fotografin Annette Hauschild ein paar Tage später in der taz. „Es war wahnsinnig schönes Wetter. Wir konnten draußen in den Cafés sitzen, das passte zu unserem Bild von Paris: Kaffee trinken, sich treffen, das Leben und das Essen genießen.“



Doch genau das passt nicht in die Einstellung, die die Terroristen vom 13. November, zum Leben haben. 132 Menschen werden sie in dieser Nacht kaltblütig ermorden. Einige von ihnen sterben unweit von dem Restaurant, in dem Hauschild und ihre Kollegen zur gleichen Zeit zu Abend essen. Die Kellner drängen sie aus dem Lokal, hinter ihnen lassen sie die Rollläden herunter.

Annette Hauschild bleibt länger als geplant in Paris, hält die Stimmung in der verwundeten Stadt in Bildern fest. Obwohl sie sich, wie sie selbst sagt, noch nie zuvor in ihrem Leben so bedroht gefühlt hat. „Ich hatte das Gefühl, ich muss das dokumentieren“, erklärt sie. „Alle waren nervös. Ich bin am Samstag trotzdem durch Paris gelaufen. Habe fotografiert. Rund um die Place de la République. Ich war noch nachts unterwegs. Ich hatte gar keine gute Ausrüstung dabei. Nur eine Kamera, eine Optik.“

Zum Fotoalbum Zum Fotoalbum auf Facebook | Screenshot: Goethe-Institut Hauschild tat in diesem Fall unfreiwillig das, wofür sich Ostkreuz-Fotografen nicht selten auszeichnen: da hingehen, wo es wehtut. Ostkreuz gilt heute als renommierteste Fotografenagentur Deutschlands. 20 Mitglieder hat sie, von denen der Jüngste Anfang 30 und die Älteste Mitte 60 ist. Es sind vielfach ausgezeichnete Autorenfotografen mit eigener Haltung und Handschrift. Präsentiert vom Goethe-Institut Paris hat eine Retrospektive nun an zwei Ausstellungsorten in Paris das gesamte fotografische Spektrum der Berliner Agentur. In der Galerie Passage du Désir waren zwei Wochen lang die besten Bilder aus 25 Jahren Ostkreuz zu sehen, das Goethe-Institut zeigt noch bis 18. Dezember DDR-Fotografien der Gründer.

Es ist schwer, in Tagen wie diesen zu feiern. Es ist unverzeihlich, es sich verbieten zu lassen. Deshalb: Alles Gute zum Geburtstag, Ostkreuz!

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