Kultur- und Bildungsakademie Träume aus der Ukraine

Zum Abschluss der „Kultur- und Bildungsakademie“ kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Präsentation ihrer Zukunftsideen in Kiew zusammen.
Zum Abschluss der „Kultur- und Bildungsakademie“ kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Präsentation ihrer Zukunftsideen in Kiew zusammen. | Foto: Natalka Diachenko

Ein halbes Jahr haben Kulturmanager aus der Ukraine an neuen Ideen für ihr Jazzfestival oder Kunstmuseum gearbeitet. Ihr Resümee der „Kultur- und Bildungsakademie“ des Goethe-Instituts ist ein Blick in die Zukunft. Ein Besuch in Kiew. Das Souvenir: Fünf Träume.

Igor Garmash, 46, ist Präsident des Center of Arts „Art Space‟ in Saporischschja im Südosten des Landes.

 Igor Garmash | Foto: Natalka Diachenko „Wenn ich die Augen schließe, denke ich an die vielen Menschen in der Ukraine, die ihr Leben verloren haben. Sie träumten davon, in einem Land zu leben, das sich von europäischen Werten leiten lässt. Was mich umtreibt, ist die Lage unserer Stadt, eingeklemmt zwischen der annektierten Halbinsel Krim und der Region Donbass. Nicht Maschinengewehre machen unser Land zukunftsfähig, sondern Projekte, die unsere Kultur stärken. Es gibt das Wort ‚Kulturträger‘, jemand, der versucht, Kultur in seinem Umfeld zu entwickeln. Das möchte ich sein. Wir haben es geschafft, in unserer Stadt eine Buchmesse zu organisieren, mit 50 Verlagen und 100 Künstlern aus der ganzen Ukraine. Für Saporischschja war das eine ungewöhnliche Kulturexplosion. Das wollen wir jährlich wiederholen.‟



Tatiana Markova, 53, ist Leiterin der Abteilung für Kultur und Tourismus der Millionenstadt Odessa am Schwarzen Meer im Süden der Ukraine.

Tatiana Markova | Foto: Natalka Diachenko „Für mich ist wichtig, dass unsere staatlichen Strukturen schneller auf die Entwicklungen unserer Zeit reagieren. Wir brauchen mehr Partnerschaften zwischen unseren Städten und ihren Kulturaktivisten und NGOs. Unsere Projekte müssen die Vielfalt der Städte zeigen, weil die Regionen der Ukraine sehr unterschiedlich sind. An Odessa liebe ich das Meer. Ich träume von einem Institut für politische und soziale Bildung für unser Land, inspiriert vom Humboldt-Forum, das wir in Berlin besucht haben. Ich stelle mir so ein Zentrum in Odessa vor, mit Galerie, Konzerthalle und Bibliothek für alle Altersgruppen. Es bleibt keine Zeit, zu warten. Unsere Bibliothek gestalten wir bereits um und mein Traum rückt näher: Ich sehe mich schon mit meiner Enkeltochter darin sitzen. Wir lesen Märchen und trinken Tee.‟



Mark Oplachko, 23, ist Gründer und Projektmanager der NGO „Literature.RV‟ in Riwne im Nordwesten der Ukraine.

Mark Oplachko | Foto: Natalka Diachenko „Ich wünsche mir, dass die Welt meine Stadt entdeckt. Dazu kann Literatur etwas beitragen. Unsere Organisation bringt ukrainische Schriftsteller nach Riwne und präsentiert ihre Werke. Wir überlegen uns immer wieder andere Formate, zum Beispiel begleiten Musiker die Lesungen. Da unsere Organisation keine finanzielle Unterstützung bekommt, zahlt das Publikum Eintritt. Ich war selbst Autor. Aber als ich merkte, dass es viel bessere Schriftsteller gibt, wollte ich lieber mit ihnen zusammenarbeiten. So wurde ich Literaturagent. Ich arbeite zum Beispiel mit dem ukrainischen Autor Max Kidruk. Seine Bücher wurden ins Russische und Polnische übersetzt und wir versuchen, Kontakte zu deutschen und englischen Verlagen zu knüpfen. Ein Traum wäre, einen Verlag für Abenteuerbücher zu gründen. Das ist eine Nische in der Ukraine, die man entwickeln könnte.‟



Iryna Raltschenko, 63, ist Leiterin des Kunstmuseums in Tschernihiw im Norden des Landes.

Iryna Raltschenko | Foto: Natalka Diachenko „Nicht alle Denkmäler unserer Stadt sind in einem guten Zustand. Das betrifft auch Teile unseres Museums. Statt auf staatliche Behörden zu warten, müssen wir selbst etwas tun, um unsere 400 Quadratmeter in einen Kunstraum zu verwandeln. Das Thema Inklusion ist besonders aktuell. Wir möchten das Museum für sehschwache Bürger zugänglich machen und haben nun Schilder in Brailleschrift. Ich träume davon, Miniaturen der bekannten Bauwerke aus Tschernihiw für unseren Innenhof, der für Rollstühle geeignet ist, anzufertigen. Dafür arbeiten wir mit Fachleuten für Holzbau zusammen. Wir suchen nach Geldgebern, um die Nachgestaltungen zu ermöglichen. Ich habe es leichter als die Beamten in der Kulturverwaltung, ich kann mit meinem Personal und den Sammlungen Ideen umsetzen. Diese Freiheit genieße ich an meiner Arbeit.‟



Elena Shulga, 32, ist Art-Direktorin des Jazzclubs „DzEm‟ in Riwne. Die NGO vertritt die Interessen professioneller Musiker der Stadt.

Elena Shulga | Foto: Natalka Diachenko „Ich träume davon, unser Jazzfestival in den nächsten Jahren weiter auszubauen. Dafür wünsche ich mir ein Büro, bisher arbeiten wir von zuhause. Ich stelle mir einen Raum mit Postern unserer Konzerte und Dingen vor, die uns Jazzmusiker aus der ganzen Welt mitbringen. Wir möchten gerne unser Team vergrößern, im Moment arbeiten wir zu zweit und haben freiwillige Helfer. Nächsten August soll das Festival in einem Park stattfinden, mit einer Freilichtbühne. Neben den Konzerten soll es Workshops geben, zum Beispiel zu Design und Videoinstallationen. So können wir Bewohner einbeziehen und die Bürger können sich aktiv für die Kulturszene ihrer Stadt einsetzen. Meine Träume will ich verwirklichen. Und wenn ich etwas will, schaffe ich es auch.‟



Von Natalka Diachenko (Bild) und Franziska Bauer (Text), Mitarbeit: Wolodymyr Schwed (Dolmetscher aus dem Ukrainischen)