Berlin & Beyond „From a Berlin-Boy with love“

„Berlin & Beyond“ heißt Tom Schilling willkommen.
„Berlin & Beyond“ heißt Tom Schilling willkommen. | © Barak Shrama

Zwischen Golden Globes- und Oscar-Verleihung sorgt ein deutsches Filmfest des Goethe-Instituts in San Francisco für Aufsehen: „Berlin & Beyond“, das Festival für Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wird 20 Jahre alt und feiert mit prominenten Gästen aus Deutschland. 
 

Von Christiane Schulte

Anke Engelke ist einer der Stargäste bei Berlin & Beyond. Die Komikerin, Schauspielerin und Hochschuldozentin wird von begeisterten Fans umringt, als sie vor dem Szene-Kino Castro Theatre vorfährt, in dem ihre Eltern-Lehrer-Komödie Frau Müller muss weg Nordamerika-Premiere hat. „Wie toll Sie Englisch sprechen. Fantastisch!“, schwärmt eine Besucherin. Die Fans sind im Engelke-Hype, wollen Selfies mit dem deutschen Comedy-Star – und Anke Engelke gibt geduldig alles. Auch wenn Frau Müller weg muss, Anke bleibt auf dem roten Teppich.

Anke Engelke ist eine der Stargäste in San Francisco. Anke Engelke ist eine der Stargäste in San Francisco. | © Barak Shrama Ansonsten sind die Themen eher ernst, derer sich das Festival annimmt. Produktionen rund um Fremdenhass, Flucht, Gewalt und Cyberkriminalität stehen im Fokus. „Wir orientieren uns an Fragestellungen, die gesellschaftlich relevant sind und Strömungen der europäischen Gesellschaft spiegeln“, fasst Sabine Erlenwein, Leiterin des Goethe-Instituts in San Francisco, zusammen.
 
Deshalb finden sich der Hacker-Thriller Who am I und der Berlin-Hit Oh Boy, der in den amerikanischen Kinos als A coffee in Berlin läuft, im Programm. Mit dem Protragonisten beider Filme, Tom Schilling, ist ein weiterer deutscher Superstar vor Ort und wird von den Fans gefeiert. Schilling erhält außerdem den Spotlight Award des Festivals – wie vor ihm bereits Hannelore Elsner oder Mario Adorf. Die Verleihung findet ebenfalls im legendären Castro Theatre statt, einem Kinosaal aus dem Jahr 1920: „Ich habe schon viele Kinos von innen gesehen – aber das ist mit Abstand das schönste, in dem ich bislang war“, so Tom Schilling. „From a Berlin-boy with love“ schreibt er zum Abschied auf das Filmposter.
 
Innovation und neue Konzepte
 
Die berühmte Stadt an der Pazifikküste atmet förmlich Film: Viele Szenen des Films Vertigo von Alfred Hitchcock wurden an Originalschauplätzen in San Francisco gedreht, ebenso der Liebesfilm Harold und Maude. Allein auf der sagenumwobenen Gefängnisinsel Alcatraz entstanden Klassiker wie Flucht von Alcatraz mit Clint Eastwood oder Der Gefangene von Alcatraz mit Burt Lancaster.
 
Aber hat auch der deutsche Film hier etwas zu sagen? Das Diskussionsforum „Getting Radical“ beschäftigt sich zum 20-jährigen Festival-Bestehen mit den Entwicklungen im deutschen Kino. Wird der junge deutsche Film radikaler, setzen sich neue Produktionsmethoden durch? „Viele junge Filmemacher legen einfach los, sie warten nicht auf Filmförderung, sie wollen sich nicht reinreden lassen, sondern neue Konzepte ausprobieren“, meint Christoph Gröner, Filmjournalist und verantwortlich für das deutsche Programm beim Filmfest München. 
 
Tom Schilling wird mit dem Spotlight Award ausgezeichnet. Tom Schilling wird mit dem Spotlight Award ausgezeichnet. | © Barak Shrama Das sei die Crux der deutschen Filmförderung, so Regisseur Daniel Carsenty, dessen erster Spielfilm After spring comes fall zum Festival eingeladen wurde: „Bist du radikal, bekommst du kein Geld, bleibst du konventionell, bekommst du auch keine Förderung.“ Eines der größten Probleme des deutschen Films sei, dass man nicht wirklich viel Geld damit verdienen könne, ergänzt Tom Schilling. „Der deutsche Film hat nicht den großen, internationalen Markt.“
 
Ein junges Publikum gewinnen
 
Was den meisten deutschen Filmen fehlt, ist ein amerikanischer Verleih. „Mindestens zwei Drittel der Filme in unserem Programm haben keinen Vertrieb in den USA“, bedauert der kalifornische Festival-Leiter Sophoan Sorn. Es sei deshalb wichtig, die neuen deutschen Filme auch in den USA zu zeigen. „Das macht dieses Festival einzigartig.“
 
In San Franciso zumindest stoßen die deutschen Produktionen auf großes Intersse. Tausende Zuschauer erreicht Berlin & Beyond  jährlich, auch 2016 sind die Säle voll, Zuschauer jeder Altersklasse wollen die zwei Dutzend Filme sehen. Das historische Castro Theatre bietet dabei Kinogenuss pur, es duftet nach Popcorn, schwere Teppiche dämpfen die Schritte der Gäste.
 
Gerade für junge Besucher bietet das Festival ein weiteres Highlight: Das Goethe-Institut lässt eine Schüler-Jury aus den USA, Mexiko und Kanada über deutsche Filme für das Programm „Youth 4 German Cinema“ abstimmen. Die junge Jury entscheidet sich für die Filme Honig im Kopf und Im Spinnwebhaus. Diese Filme werden im Anschluss einem Schülerpublikum in ganz Nordkalifornien gezeigt. Sabine Erlenwein sieht hier eine wichtige Aufgabe für Berlin & Beyond: „Wir freuen uns, wenn wir bereits die Jugendlichen für den deutschen Film und die deutsche Sprache gewinnen können.“